Nur jede zweite neue Arznei weist zusätzlichen Nutzen auf

Berlin..  Nur jedes zweite neue Arzneimittel weist zusätzlichen Nutzen für Patienten auf. Solche Präparate ohne Mehrwert gegenüber gängigen Medikamenten werden aber häufig vom Arzt verordnet. Dies geht aus einem Report der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, der gestern in Berlin veröffentlicht wurde. Darin kommt die Kasse außerdem zu dem Schluss, dass das 2011 beschlossene Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) sich bewährt, aber Schwachstellen habe.

Das Gesetz schreibt vor, dass neue Arzneimittel auf ihren zusätzlichen Nutzen für die Therapie überprüft werden müssen. Auf dieser Grundlage wird zwischen Hersteller und Kassen innerhalb eines Jahres nach Markteinführung der Preis ausgehandelt. Gelingt das nicht, hat eine Schiedsstelle drei Monate Zeit, eine Verständigung herbeizuführen.

Preise sollen rückwirkend gelten

In dieser Zeit bestimmt das Pharmaunternehmen den Preis des Präparates. Um überhöhte Preise in den ersten Monaten zu verhindern, plädiert die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) dafür, dass ausgehandelte Preise rückwirkend gelten.

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) beklagt eine einseitige Ausrichtung auf die Kostendämpfung. Zudem sei die Innovationsbilanz der Pharmaindustrie „so gut wie lange nicht mehr“, erklärte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Allerdings sei eine Refinanzierung der Investitionen nicht mehr möglich, wenn die Preise für neue Medikamente unter den europäischen Durchschnitt sänken.

DAK-Chef Herbert Rebscher argumentierte, auch wenn ein Teil der Präparate durch das kostendämpfende Gesetz vom Markt verschwunden sei, führe das bisher nicht zu Engpässen in der Versorgung. Deren Wirkstoffe ließen sich problemlos durch andere Arzneimittel ersetzen.

Rebscher und der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierten, dass es in Deutschland quasi einen zweigeteilten Arzneimittelmarkt gebe. Der Bestandsmarkt der Arzneimittel, die vor dem 1. Januar 2011 eingeführt worden seien, werde keiner Überprüfung unterzogen. Auch die nach diesem Stichtag eingeführten Mittel sollten nach zwei, drei Jahren erneut geprüft werden, sagte Rebscher.