Nun gehen Sie halt wählen!
29.08.2009 | 13:14 Uhr 2009-08-29T13:14:00+0200Essen. Es sind nicht die Strukturfaktoren, die bei der Wahl des Oberbürgermeisters wichtig sind. Es sind die Menschen. Kurz vor dem Gang zur Urne haben sich selbst die buntesten Kandidaten ins Licht gerückt. Abgerechnet wird Sonntagabend.
Neulich wirkte der parteilose Dortmunder Oberbürgermeister-Kandidat Pohlmann, der für Union und FDP antritt, fast ein wenig verzweifelt. In solchen Städten wie Dortmund, diesen SPD-Hochburgen seit jeher, da könne man eben auch einen roten Besenstiel aufstellen . . . Das ist so melancholisch wie falsch.
Denn weder ist Herr Sierau von der Dortmunder SPD ein Besenstiel noch ist es der Oberhausener OB Klaus Wehling, der mit seiner Wiederwahl ebenso rechnen kann wie Adolf Sauerland, der in der Malocher-Metropole Duisburg antritt. Nur eben für die CDU. Will sagen: Es sind weniger die Strukturfaktoren, die zählen. Es sind die Menschen.
In Duisburg ist Sauerland Favorit, weil er einen vollen ruhigen Saal zum Schunkeln bringen kann. In Essen hingegen ist der CDU-Kandidat Britz nicht Favorit, weil er einen vollen schunkelnden Saal zur Ruhe betten kann, feixen Parteifreunde jedenfalls. Britz' SPD-Herausforderer Paß gilt auch nicht eben als Stimmungskanone, aber Solidität ist ja per se nichts Schlechtes. Für Stimmung sorgt der FDP-Mann, ein lebenslustiger Theater-Prinzipal, vor allem bei der CDU, die er wohl so zirka acht Prozent der Stimmen kostet. Schwierig wird es für die Wähler, weil alle wesentlichen Entscheidungen im Essener Rat ohnehin mit 90 Prozent fielen. Auch solche Sachen drücken Beteiligungs-Quoten.
Anti-Klüngel-Wahlkampf in Köln
Von zu viel Konsens kann in Mülheim nicht die Rede sein. Dort schaffen es Amtsinhaberin und Herausforderer inzwischen, einander grußlos zu begegnen. In Köln hatte die CDU die famose Idee, einen Anti-Klüngel-Wahlkampf zu führen, nachdem ihr der oberklüngelige, dafür aber beliebte Fritz Schramma archivbedingt abhanden kam. Köln klüngelfrei wirkt so wie der Versuch, einem Krokodil die Vorzüge eines Grünkernbratlings zu erläutern. Auf diese Weise könnte die größte nordrhein-westfälische Stadt sozialdemokratisch werden. Jürgen Rüttgers wird daraufhin schon Sonntagabend seine Parteifreunde auffordern, jetzt aber besonders zu kämpfen bei der Landtagswahl, was die dann selbstverständlich auch machen.
Auf die Bewerber kommt es also an – und alles wird am Ende wohl bunter. In Witten formieren sich nun sogar Ärzte zur Partei, was die Liberalen schmerzen wird. Zum Schluss eine schöne Schlagzeile für Montag: „Vom Wählen allein gehen die Schulden nicht weg." Mal sehen, ob sie auch erscheint. Und wo.

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