NSU-Prozess kostete bisher 30 Millionen Euro

Beate Zschäpe kommt in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München
Beate Zschäpe kommt in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts in München
Foto: Andreas Gebert/Archiv
Was wir bereits wissen
Der NSU-Prozess ist einer der aufwändigsten Strafprozesse der deutschen Justizgeschichte. Am Donnerstag findet der 200. Verhandlungstag statt.

München.. Der NSU-Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mitangeklagte mutmaßliche Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" geht am Donnerstag in den 200. Verhandlungstag - und ein Ende ist weiter nicht absehbar. "Es handelt sich um ein außergewöhnlich umfangreiches Verfahren mit zahlreichen Tatkomplexen und schwerwiegenden Tatvorwürfen", sagte die Sprecherin des Oberlandgerichts (OLG) München, Andrea Titz. Das Gericht schätzt die Kosten pro Verhandlungstag auf 150.000 Euro. Das wären bisher insgesamt 30 Millionen Euro.

Zschäpe ist als Mittäterin der Serie von zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen angeklagt. Seit dem Auffliegen des NSU im November 2011 sitzt sie in Untersuchungshaft. Wegen ihres zeitweise angeschlagenen Gesundheitszustands hat das Gericht die Zahl der Verhandlungstage in den letzten Wochen von drei auf zwei pro Woche reduziert. Ihr Verteidiger Wolfgang Stahl sagte zu der langen Verfahrensdauer: "Nun, gut Ding will Weile haben."

Gericht geht bei Beweisaufnahme gründlich vor

Als Ursache für das langwierige Verfahren sehen die Prozessbeteiligten übereinstimmend den immensen Umfang des Verfahrensstoffes. Titz sagte, bisher seien 520 Zeugen und 38 Sachverständige geladen worden. Wie viele es noch werden, könne "nicht prognostiziert werden".

NSU Als weiteren Grund für die lange Dauer nannte Zschäpe-Verteidiger Stahl, dass das Gericht bei der Beweisaufnahme "überaus gründlich" vorgehe. "Das nimmt Zeit in Anspruch". Stahl und seine Kollegen Wolfgang Heer und Anja Sturm versuchten im Prozess immer wieder vergeblich, vor allem die Aufklärung der Hintergründe der Unterstützerszene zu verkürzen, und beanstandeten wiederholt Fragen vor allem von Nebenklägern.

Mitangeklagter Carsten S. als Einziger voll geständig

In einer besonderen Situation befindet sich seit Prozessbeginn im Mai 2013 der als Unterstützer mitangeklagte Carsten S.. Er ist als einziger Angeklagter voll geständig und gilt in der Szene darum als Verräter. "Er lebt an einem geheimen Ort, den auch wir nicht kennen", sagte einer seiner Verteidiger, der Kölner Rechtsanwalt Jakob Hösl, der Deutschen Presse-Agentur. Betreut wird er vom Bundeskriminalamt in einem Zeugenschutzprogramm. Anders als die anderen Angeklagten begrüße er, dass in dem Verfahren auch die "Szene und die Vernetzungen" untersucht würden, sagte sein zweiter Verteidiger Johannes Pausch.

S. hatte zugegeben, den beiden mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt eine Waffe übergeben zu haben, bei der es sich laut Anklage um die wichtigste Mordwaffe vom Typ "Ceska" handelt. Er hatte in seiner Aussage außerdem einen Bombenanschlag auf ein Nürnberger Lokal enthüllt, von dem die Ermittler vor Beginn des Prozesses nicht wussten, dass die Täter ebenfalls Mundlos und Böhnhardt gewesen sein sollen. Die beiden mutmaßlichen Terroristen hatten sich nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft nach einem gescheiterten Banküberfall in Eisenach das Leben genommen.

Als Zeugen waren am Donnerstag zwei mutmaßliche Unterstützer aus der rechtsextremen Szene geladen. (dpa)