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NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels

27.03.2013 | 12:19 Uhr
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze sorgt sich um Ansehen des Doktortitels.Foto: dapd

Düsseldorf.  NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze meint, dass die Debatten über Plagiate dem Ansehen des Doktortitels geschadet haben. Trotzdem leide die Wissenschaft nicht an einem Glaubwürdigkeitsproblem. Eine zentrale, übergeordnete Prüfungsstelle für Doktorarbeiten will Schulze dennoch nicht.

Zahlreiche Politiker haben in den vergangenen Monaten mit Plagiaten und verlorenen Doktortiteln für Schlagzeilen gesorgt. Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze meint: "Die intensiven Debatten über Plagiate haben dem Ansehen des Doktortitels geschadet." Die SPD-Politikerin sagte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd, da es sich um "kriminelles, betrügerisches Vorgehen" handele, schade jeder Fall der Wissenschaft.

Nach Einschätzung der Ministerin geht die Mehrheit der Doktoranden zwar nach wie vor mit großem Engagement an die Sache heran. In der Öffentlichkeit entstehe allerdings ein anderes Bild. Nun gehe es darum, Vertrauen zurückzugewinnen.

Trotz der Plagiatsaffären um die ehemaligen Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan leide die Wissenschaft nicht an einem Glaubwürdigkeitsproblem. "Wir haben nach wie vor sehr hohe wissenschaftliche Standards in Deutschland." Schwerwiegende Verstöße seien nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Einen hundertprozentigen Schutz gegen Plagiate gebe es nicht

Allein in Nordrhein-Westfalen gebe es pro Jahr rund 5.000 Promotionen und im Verhältnis dazu nur eine "verschwindend geringe Zahl" an Plagiaten. Einen hundertprozentigen Schutz gegen diese Form des Betruges gebe es aber nicht.

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Um die Zahl der Plagiate in Zukunft zu senken, will Schulze bei der Betreuung der Doktoranden ansetzen. Diese sei zwar schon jetzt sehr gut. "Aber es gibt immer Verbesserungspotenzial", sagte die Sozialdemokratin. Erfolgversprechend seien sogenannte Promotionskollegs, in denen jungen Wissenschaftler intensiv betreut und von mehreren Professoren gleichzeitig begleitet würden. "Über diese Herangehensweise fallen Leute, die abschreiben wollen, viel schneller auf", sagte sie.

Svenja Schulze will keine übergeordnete Prüfungsinstanz

Der Fall der mittlerweile zurückgetretenen Bundesbildungsministerin Schavan hatte in den vergangenen Monaten eine intensive Debatte über den Umgang mit Plagiatsvorwürfen ausgelöst. Die zuständige Universität Düsseldorf stand in der Kritik und es wurde darüber diskutiert, den Hochschulen die Kontrolle zu entziehen und eine übergeordnete Prüfungsinstanz zu schaffen.

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NRW-Ministerin Schulze sieht solche Forderungen skeptisch. Zwar sollte vorrangig der Wissenschaftsbetrieb darüber diskutieren. "Aus meiner Sicht sollten Promotionen, die dezentral vergeben werden, auch dezentral überprüft werden können", sagte sie. Die Vorstellung, dass es für alle Fachbereiche eine zentrale Stelle für Plagiatsvorwürfe gebe, sei "wenig praktikabel".

Allein in Nordrhein-Westfalen gebe es rund 1.800 Studiengänge. Wenn die Wissenschaft aber entscheide, lieber zentrale Gremien über Plagiate entscheiden zu lassen, sei sie als zuständige Ministerin dafür offen. (dapd)


Kommentare
03.04.2013
16:27
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von Offensive-Dinslaken | #7



"Ne mittlere Portion Pommes -Mayo - ja klar können Sie ruhig mit der Doktorarbeit
einwickeln."

Vor der Pommes-Frau habe ich größeren Respekt als vor Leuten mit erschlichenen Titeln.

03.04.2013
16:02
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von vonschwind | #6

Ob eine/einer einen Titel hat oder nicht, ist mir völlig wurscht. Ob im privaten oder im
Beruflichen Alltag, ich rede jeden nur mit seinem Namen an. Der akademische Grad gehört auf den Müll der Geschichte.
Mahlzeit

01.04.2013
12:59
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von jesusonspeed | #5

Wissenschaftliche Abschlüsse abzuschaffen, damit bürgerliche Politiker*innen nicht mehr dabei ertappt werden, wie sie diese erschlichen haben? Erscheint mir doch merkwürdig. Man sollte schauen, dass Promotionen von (werdenden) Mitgliedern des Wissenschaftsbetriebs absolviert werden und nicht von jenen des Politikbetriebs, denen es um das Renommee geht. Dafür müsste die SPD aber auch ihre, von der FDP übernommene, Wissenschaftspolitik ändern und nicht die finanzielle Abhängigkeit von Absolvent*innen weiter zementieren!

29.03.2013
11:46
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von babilon | #4

Man sollte diese Titel ganz abschaffen,dann hätten Leute aus der SPD,Grüne keine
Möglichkeit,Regierungsleute bloß zustellen.Bisher wurden nur bei Leuten von der CDU und FDP der Titel infrage gestellt,das ist doch Merkwürdig.

27.03.2013
16:23
Sollen Debatten über Probleme etwa unterbleiben?
von Boisfeuras | #3

Wenn Frau Schulze meint, dass die Debatten über Plagiate dem Ansehen des Doktortitels geschadet haben, lässt dies tief blicken. Wäre ein Totschweigen eine Alternative? Man muss doch festhalten, dass gerade die konsequente Aberkennung der Doktortiteln in Plagiatsfällen wie Guttenberg, Koch-Merin und Schavan letztlich das Ansehen des Doktortitels stärkt. Geschadet hätte, wenn die Universitäten auf die Debatten hin nicht gehandelt hätten. So aber ist an den Plagiatsdebatten nichts schädliches erkennbar.

27.03.2013
13:40
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von Ergonomy | #2

Ich frage mich wie 5.000 Doktoranden im Jahr nur in NRW jedesmal etwas neues in Ihrer Doktorarbeit schreiben können.

3 Antworten
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von DrDr | #2-1

Na, weil es vielleicht weitaus mehr als 5.000 offene Forschungsfragen gibt???

NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von Ergonomy | #2-2

Ja, jedes Jahr?
Und was ist mit dem Rest der Welt?
Oder sind die Forschungsfragen soo klein gehalten , das es für alle reicht.

NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von vonschwind | #2-3

Das sehen wir doch, da kann einer vom anderen Abschreiben. Bei der Masse fällt
eine faule Arbeit nciht weiter auf.
Mahlzeit

27.03.2013
12:55
NRW-Wissenschaftsministerin Schulze ist besorgt um Ansehen des Doktortitels
von wohlzufrieden | #1

Sie ist nicht alleine besorgt: Viele Politiker aus dem schwarz/gelben Bereich besorgen sich doch einfach einen Doktortitel...

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