NRW will Tiere besser schützen

An Rhein und Ruhr..  NRW macht sich zur Speerspitze im deutschen Tierschutz. Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) hat die Bundesregierung zu einer Kehrtwende in ihrer bisherigen Politik zum Schutz von Nutztieren aufgefordert. „Wir brauchen endlich eine nachhaltig ausgerichtete Nutztierhaltung, die sich am Wohl der Tiere orientiert. Das Schreddern von Eintagsküken zeigt, welche Fehlentwicklungen Einzug gehalten haben. Das System muss grundlegend geändert werden“, sagte der Minister der NRZ.

Konkret fordert Remmel die Einsetzung einer Ethikkommission für Tierhaltung auf Bundesebene. Diese solle festlegen, wie eine artgerechte Haltung und Zucht von Nutztieren auszusehen habe. Zudem plant das Ministerium zwei Bundesratsinitiativen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Puten und zum Verbot des Tötens männlicher Küken. Scharf kritisierte Remmel Bundeswirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) und seine Vorgänger, die ihre Augen vor den zunehmenden Problemen verschließen.

Das Verbraucher- und Landwirtschaftsministerium hat jetzt ein Handlungspapier zur „nachhaltigen Nutztierhaltung“ entwickelt, das der NRZ vorliegt. Darin werden fünf Bereiche zur Kurskorrektur benannt – bei Haltung, Zucht, Antibiotika-Einsatz, umweltgerechter Modernisierung und Einkommenssicherung für Betriebe. Oberstes Prinzip sei, die „Haltung den Bedürfnissen der Tiere anzupassen und nicht umgekehrt“, sagte der Minister.

Verzicht auf Schnäbelkürzung

Dazu gebe es aktuell einen Fortschritt zu vermelden. So habe die Landesregierung gestern eine Erklärung mit Einzelhändlern, Tierschutzorganisationen und Landwirtschaftsverbänden unterzeichnet, wonach die Geflügelwirtschaft bis Ende 2016 auf das routinemäßige Schnäbelkürzen bei Legehennen und Puten in NRW verzichten will. Das Kürzen von Schnäbeln wird europaweit in der konventionellen Haltung angewendet, um ein gegenseitiges Federpicken der Tiere zu verhindern. Das Überzüchten, das Tiere oft krank mache, müsse unterbunden werden, der Einsatz von Antibiotika auf das therapeutisch notwendige Maß zurückgeführt werden. Betriebe sollten zudem von ihren Erträgen leben können, sagt Remmel: „Wir brauchen einen Mindestpreis für Fleisch. Niedrigpreise gehen zulasten von Tier, Umwelt und Landwirten.“