NRW will Sexarbeiter besser vor Ausbeutung schützen

Prostituierte sollen künftig besser vor Ausbeutung geschützt werden. Das fordert der "Runde Tisch Prostitution" in NRW.
Prostituierte sollen künftig besser vor Ausbeutung geschützt werden. Das fordert der "Runde Tisch Prostitution" in NRW.
Foto: Archiv/Tom Thöne, WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der „Runde Tisch“ zu Prostitution in NRW legt seine Bilanz vor. Bordellbetreiber sollen eine Zuverlässigkeitsprüfung ablegen. Sie dürfen nicht durch Gewalt aufgefallen sein und müssen Mindeststandards bei der Hygiene erfüllen. Ein höheres Mindestalter für Prostituierte lehnt NRW ab.

Düsseldorf.. Prostituierte sollen künftig besser vor Ausbeutung geschützt werden. Der „Runde Tisch Prostitution“ in NRW forderte nach vierjähriger Arbeit, dass Betreiber von Bordellen und andere Anbieter von Sex-Dienstleistungen künftig eine Zuverlässigkeitsprüfung ablegen müssen. Danach dürfen Bordellbesitzer keine Vorstrafen wegen sexueller Gewalt haben und müssen Mindeststandards für Hygiene und gute Arbeitsbedingungen erfüllen. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) unterstützte eine Bundesinitiative, um auch Angebote wie „Flatrate-Partys“ einzudämmen.

Im Abschlussbericht zum bundesweit ersten „Runden Tisch“ mit Vertretern aus Polizei, Politik, Sozialverbänden und Bodellen stellte Steffens klar, dass sich „Prostitution nicht verbieten lässt“. Sexarbeiter müssten aber unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten können.

Immer mehr Sex-Angebote verlagern sich ins Internet

Die in einem Eckpunktepapier des Bundesfamilienministeriums geforderte Anzeigepflicht für Prostituierte lehnte Steffens aber ebenso ab wie eine Anhebung des Mindestalters auf 21 Jahre. Eine Anmeldepflicht führe gerade in kleinen Gemeinden zur weiteren Ausgrenzung der Prostituierten und einem kaum zu bewältigen Kontrollaufwand der Kommunen. Die Anhebung des Mindestalters treibe mehr junge Frauen in die Illegalität, warnte Steffens.

In NRW gibt es schätzungsweise 25.000 bis 45.000 Prostituierte. Zehn Prozent gehen auf den Straßenstrich, rund 50 Prozent arbeiten in privaten Wohnungen. Zehn Prozent der Prostituierten sind Männer. Steffens lehnte auch eine Kondompflicht sowie eine Pflicht zu Gesundheitsuntersuchungen („Bockschein“) ab, weil dies kaum zu überwachen sei und Pflichtuntersuchungen nur eine Scheinsicherheit böten, weil zwischen Ansteckung und Ausbruch einer Krankheit oft drei Monate liegen. Der beste Gesundheitsschutz seid die gezielte Beratung der Huren. Auch die von der Union geforderte Strafbarkeit von Freiern lehnte Steffens ab. Schließlich komme jeder dritte Hinweis auf Misshandlungen der Prostituierten aus dem Kreis der Freier.

Nach Angaben der Abteilungsleiterin im NRW-Gesundheitsministerium, Claudia Zimmermann-Schwartz, sollen Prostituierte selbstbestimmt arbeiten können. Immer mehr Angebote verlagerten sich heute ins Internet. Gleichzeitig hätten Städte wie Essen und Köln neue Wege eingeschlagen und einzelne Stadtviertel für die Prostitution ausgewiesen, in denen Sexarbeiterinnen beraten und gesundheitlich betreut werden könnten. Zimmermann-Schwartz räumte ein, dass Opfer von Menschenhandel häufig nicht bei der Polizei aussagen wollten.