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NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten

04.07.2011 | 09:14 Uhr
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
Das soziale Netzwerk Facebook soll Technik einsetzen, um anonyme Masseneinladungen zu verhindern. Bei einer spontanen Facebook-Party mit 800 „Gästen“ in Wuppertal waren Pfingsten nach Krawallen 41 Besucher festgenommen und 16 verletzt worden. (Foto: dapd)

Essen.   NRW-Innenminister Ralf Jäger strebt kein grundsätzliches Verbot von Facebook-Partys an. „Die Gesetze reichen völlig aus“, so Jäger. Stattdessen solle Facebook technische Möglichkeiten einsetzen, damit es keine anonymen Party-Einladungen mehr gibt.

Die Angst vor dem Phantom Facebook-Party geht in deutschen Städten um. Mal sind sie harmlos, mal finden sie gar nicht statt und vereinzelt enden sie nach Massenaufläufen im Chaos. Jetzt streitet die Politik darum, wie man diesen Trend unter Kontrolle bekommen kann. NRW-Innenminister Ralf Jäger will Facebook-Partys nicht grundsätzlich verbieten. „Die bestehenden Gesetze sind völlig ausreichend, denn es gibt Dutzende friedliche Facebook-Partys, die keine Probleme bereiten“, sagte Jäger in einem Interview mit dem WDR.

Jäger warnt vor hohen Kosten bei Polizeieinsätzen

Wichtig seien Maßnahmen gegen Einladungen von Facebook-Mitgliedern mit einem anonymen Account. „Hier muss es technische Möglichkeiten geben, um das zu verhindern“, so Jäger. Der Innenminister will deshalb mit dem Facebook-Konzern Gespräche aufnehmen. Er geht davon aus, dass Facebook als seriöser Anbieter kein Interesse daran hat, dass über das Netzwerk unter dem Deckmantel der Anonymität zu Partys eingeladen wird, wo es anschließend Randale gibt.

Am Wochenende haben mehrere Länderinnenminister mit einem Verbot der „Facebook-Partys“ gedroht, weil diese eine potenzielle Gefahr für die innere Sicherheit seien.

„Gibt es im Vorfeld einer angekündigten Facebook-Party konkrete Hinweise auf Gefahren für die öffentliche Sicherheit, muss die Ordnungsbehörde die Veranstaltung untersagen“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe. Jäger warnte Einlader und Betreiber von sozialen Netzwerken vor hohen Kosten, falls Teilnehmer randalieren oder Nachbarn erheblich belästigt werden.

Polizeigewerkschaft kritisiert rücksichtslose Feierkultur

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in NRW begrüßt die Vorgehensweise von Jäger: „Wir hoffen, dass sich noch weitere Innenminister länderübergreifend anschließen und einen gemeinsamen Vorschlag zeitnah unterstützen. Deshalb auch der Appell an die Betreiber sich an einer gemeinsamen Lösung zu beteiligen“, sagt der Landesvorsitzende Erich Rettinghaus in einer Pressemitteilung.

Es entwickle sich langsam eine Feierkultur ohne Rücksicht auf andere oder die Allgemeinheit - Hauptsache Party, egal wer das bezahlt, heißt es weiter. Anonyme Einladungen müssten verboten werden und dürfen bei den Usern auf keine Resonanz stoßen. „Das heißt, man geht besser nicht hin“, fordert der DPolG-Vorsitzende. Außerdem wäre das nächste Horrorszenario, dass sich extreme linke oder rechte Gruppierungen, solche Partys zu Nutze machen, um das Versammlungsgesetz mit seinen Vorschriften zu umgehen.

Die Polizisten, die bei solchen kurzfristigen Versammlungen eingesetzt werden, würden an anderer Stelle fehlen. „Das geht zu Lasten der Allgemeinheit und Sicherheit. Der Bürger muss unter Umständen dann woanders auf seine Polizei warten“, so Rettinghaus.

Partyseite wurde bei Facebook gelöscht

In Wuppertal, wo vor zwei Wochen kurz nach einer aus dem Ruder gelaufenen Freiluft-Feier via Facebook gleich die eine Party in einer ruhigen Wohnstraße angekündigt worden war, blieb es am Freitagabend indes ruhig. Die Stadt hatte die Party nach Bekanntwerden der Einladung verboten; der 16-jährige Initiator hatte sich anschließend bei Polizei und Ordnungsamt gemeldet. Die Facebook-Partyseite wurde aus dem Sozialen Netzwerk gelöscht .

Trotz der Absage hatten sich Stadt und Polizei jedoch auf einen Großeinsatz vorbereitet. Anwohner des Immenwegs hatten sich im WDR-Fernsehen besorgt gezeigt, dass nach dem Verbot gerade die „militanten Jugendlichen“ kommen würden. Ab dem frühen Abend wurden deshalb die Zufahrten ins Wohngebiet kontrolliert und abgeriegelt. Es blieb aber ruhig.

Kein Flashmob bei McDonald’s

Auch in Gelsenkirchen blieb am Wochenende der erwartete Ansturm auf eine McDonald’s-Filiale aus. Statt der bei Facebook angekündigten 1500 Teilnehmer kam zum Flashmob nur eine Handvoll Schaulustiger.

Bochum blickt derweil gespannt auf den 16. Juli. Ein anonymer Facebook-Nutzer hatte für den Samstag zur „größten Facebook-Party“ aller Zeiten aufgerufen. Die Stadt hat bereits eine Allgemeinverfügung erlassen und die Party verboten. Die Partyseite im Facebook-Netzwerk ist mittlerweile verschwunden. (we)

Ingmar Kreienbrink, Sarah Hubrich und Wilfried Goebels

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Kommentare
04.07.2011
14:56
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von wonko | #8

Als wenn es dabei um Parties geht...

04.07.2011
14:41
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von online-gedich.de | #7

Genau das ging mir auch schon durch den Kopf, aber mein Kommentar war ohnehin schon länger ausgefallen, als geplant.

04.07.2011
13:57
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von Herby52 | #6

#gambler1
Nun, wenn jeder unkrontolliert Partys veranstalten darf, warum wird dann nach Schuldige für das tragische Unglück in Duisburg gesucht?

04.07.2011
13:32
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von online-gedich.de | #5

Aritkel 8 unseres GG hat aber noch einen zweiten Absatz. Darin steht, dass bei Versammlungen unter freiem Himmel das Recht aus Absatz 1 durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetztes beschränkt werden kann.

Das Grundgesetz kann ja nun schlecht zu einem algemein hinzunehmenden Recht auf Deutschland einig Partyland uminterpretiert werden. Dazu ist das ganze Thema wohl etwas zu komplex.

Wenn sich vor meiner Haustür plötzlich eine große Menschenmenge zum lautstarken Feiern versammelt, kann das nicht in Ordnung sein.

Wenn ich eine große Party organisiere, muss ich auch für Dinge wie ausreichenden Platz, eventuelle Ordnungskräfte (Sicherheitsdienst oder Polizei?), santiäre Einrichtungen, Parkplätze, evtl. sogar behördliche Genehmigungen sorgen und die Kosten dafür tragen. Lade ich anonym dazu ein, entziehe ich mich dieser Verantwortung, und das kann in niemandes Sinne sein.

Übrigens sollen ja diese Partys gar nicht verboten werden. Lediglich die Anonymität der jeweiligen Organisatoren soll ausgeschlossen werden. Und das finde ich völlig in Ordnung.

04.07.2011
11:13
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von robo | #4

Siehe Grundgesetz Artikel 8 (1)

04.07.2011
11:10
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von gambler1 | #3

Wenn diese Art von Treffen verboten wird, weil es eventuell zu Ausschreitungen kommen könnte, dann müßte ja auch JEDES Fußballspiel,Jedes Rockkonzert; eigentlich jedes Konzert und jegliche Art von Treffen auch verboten werden.
Denn:
dort KÖNNTE es ja auch zu Ausschreitungen kommen; wie gesagt, KÖNNTE !

Ach ja, steht nicht im Grundgesetz irgendwas von Versammlungsfreiheit (Friedlich) ?

04.07.2011
10:49
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von wonko | #2

Ist natürlich auch praktisch, wenn sich nicht spontan eine große Menge an Leuten verabreden kann. Man sieht ja in einigen arabischen Ländern, was dabei herauskommen kann. Das kann unseren Mächtigen natürlich nicht gefallen.

04.07.2011
09:44
NRW will Facebook-Partys nicht gesetzlich verbieten
von meigustu | #1

Es wäre ja auch albern. Zum einen sind alle notwendigen Gesetze schon da, zum anderen ist Facebook nichts anderes als ein Kommunikationsmedium wie die Postkutschen vor 500 Jahren - nur eben etwas schneller.

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