NRW will bundesweites Zentralabitur

An Rhein und Ruhr..  Jubel oder Tränen – in diesen Tagen erhalten die Abiturienten ihre Noten und in den allermeisten Fällen das begehrte Reifezeugnis. Nur 2,3 Prozent bestehen in NRW die Abi-Prüfung nicht. Das Ergebnis stellt die Weichen für die nächsten Schritte im Lebensweg. Reicht es für das Wunschstudium?

In einigen Bundesländern werden aber offenbar bessere Noten bejubelt als in anderen. In Thüringen lag der Noten-Schnitt im Jahr 2013 bei 2,17, in NRW bei 2,46 und in Niedersachsen bei 2,61. „Die nachweisbare massive Zunahme von Einser-Schnitten liegt mit Sicherheit nicht daran, dass in Deutschland bei Abiturienten plötzlich eine Leistungsexplosion stattgefunden hat“, kritisiert Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands. Vergeben die Lehrer etwa „Kuschelnoten“? Und ist es leichter, in Türingen Abi zu machen – fast 40 Prozent der Abiturienten erreichen dort eine Eins – als in Schleswig-Holstein (rund 18 Prozent)?

Einen Weg zu einer verbesserten Vergleichbarkeit sehen Experten in einem bundesweiten Zentralabitur. Die zuständigen Ressortchefs der Länder wollen in der anstehenden Sitzung der Kultusminister-Konferenz (KMK) ein Stück vorankommen. Es geht um den Aufbau eines Aufgaben-Pools für Abiturklausuren bis 2017. Daran möchte sich auch NRW beteiligen – „wir liegen hier auf der Linie der KMK“, teilt das NRW-Schulministerium mit. Allerdings würden auch dann nicht alle Schüler in Deutschland identische Abituraufgaben lösen, es gebe auch weiterhin Wahlmöglichkeiten.

Auf eine guteEntwicklung bedacht

Auch in NRW sind die Abiturnoten nach Beobachtung des Ministeriums in den vergangenen Jahren kontinuierlich besser geworden. Das bedeute indes nicht, dass die Reifeprüfung insgesamt einfacher geworden sei. Von einer Krise des Abiturs könne nicht die Rede sein. Über die Gründe für diesen Trend gebe es noch keine wissenschaftliche Untersuchung, allerdings einige plausible Vermutungen. Viele Eltern aus der Baby-Boomer-Generation seien auf eine gute Entwicklung ihrer Kinder bedacht. Und entgegen aller Vorurteile sei die Schülerschaft insgesamt sehr leistungsbereit. Der doppelte Abi-Jahrgang habe den Druck, eine gute Abschlussnote zu erreichen, noch verstärkt, um die Chance auf einen Studienplatz zu wahren.

Und überhaupt – die Vergleichbarkeit der Abi-Noten ist eine Krux. Wie will man die Leistungen der Schüler in 16 Bundesländern vergleichen, wenn bereits die Schulen in verschiedenen Stadtteilen ganz unterschiedliche Voraussetzungen bieten? Das fragt der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm. Am Ende komme es immer auf den Lehrer an.