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NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen

16.07.2012 | 13:52 Uhr
NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
Arbeitsminister Guntram Schneider will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen.Foto: dapd

Düsseldorf.  Migranten, die in ihrem Heimatland einen Berufsabschluss erworben haben, sollen diesen künftig leichter anerkennen lassen können. Die rot-grüne Landesregierung hat sich darauf geeinigt, dass Ingenieure, Architekten oder Erzieher ihren Abschluss gesetzlich anerkannt bekommen.

Ausländische Berufsabschlüsse sollen in NRW künftig schneller und leichter anerkannt werden. Die rot-grüne Landesregierung will nach den Sommerferien ein „Anerkennungsgesetz“ auf den Weg bringen, das bis zu 80 000 Einwanderern in 165 Berufen die Anerkennung ihrer in der Heimat erworbenen Abschlusszeugnisse ermöglicht. Es sei „wirtschaftlicher Irrsinn“, dass in Zeiten des Fachkräftemangels diplomierte Ingenieure als Hilfskräfte angestellt würden, sagte Landesarbeitsminister Guntram Schneider (SPD).

Das geplante Landesgesetz ergänzt eine seit April geltende Bundesregelung um zahlreiche landesrechtlich geregelte Berufsgruppen wie Ingenieure, Architekten oder Erzieher. Schneider versprach für die Anerkennung von Abschlüssen ein „klares, einheitliches und faires Verfahren“. Einwanderer dürften nicht länger als drei Monate auf einen Bescheid warten.

Kommentar
Taxifahrer mit Diplom - von Tobias Blasius
Taxifahrer mit Diplom - von Tobias Blasius

Der Ingenieur aus Indien soll in Deutschland nicht länger Taxi fahren, sondern den Fachkräftemangel lindern. So platt, so gut. Zahlreiche Gesetzesinitiativen auf Bundes- und Landesebene zur besseren Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen wollen mittlerweile die bürokratische Blockade insbesondere von gut qualifizierten Nicht-EU-Bürgern auf dem deutschen Arbeitsmarkt beenden.

Politik, Wirtschaft und zunehmend auch die Öffentlichkeit stimmen darin überein, dass sich eine Industrienation mit schrumpfender Bevölkerungszahl nicht länger bei der Stellenbesetzung eine Verriegelung gegenüber ausländischen Zeugnissen und Zertifikaten leisten kann. Deshalb zielt das von der Landesregierung angekündigte „Anerkennungsgesetz“ grundsätzlich in die richtige Richtung. Es bleibt allerdings abzuwarten, wie viele gut qualifizierte Einwanderer sich wirklich erfolgreich durch das Dickicht aus Bundes-, Landes-, Kommunal- und Kammerzuständigkeiten schlagen.

Zudem dürfte es nicht leicht werden, faire Bewertungsmaßstäbe für vergleichbare Abschlüsse und Qualifikationen zu finden, ohne deutsche Standards zu schleifen. Eine erste Bewährungsprobe könnte das neue Landesgesetz bereits erfahren, wenn demnächst ausreichend Erzieher gefunden werden müssen, um im August 2013 den Rechtsanspruch auf Kinder-Betreuung einzulösen.

Über die Vergleichbarkeiten von Abschlüssen sollen die Bundesagentur für Arbeit und die zuständigen Kammern befinden. Interessierte können sich über eine Telefon-Hotline (0201-3101100) und die kommunalen „Beratungsstellen zur beruflichen Entwicklung“ informieren. Schneider stellte klar, dass berufliche Standards durch das neue Anerkennungsgesetz nicht gesenkt würden.

NRW will Beratungsnetz für Migranten auf kommunaler Ebene aufbauen

Anders als der Bund setze NRW zugleich auch auf eine umfangreiche Beratung der Migranten, sagte Schneider: "Wir wollen auf kommunaler Ebene ein Beratungsnetzwerk aufbauen." Während die Beratung kostenlos bleiben soll, ist die Anerkennung des Abschlusses für die Interessenten gebührenpflichtig. Die erwarteten Kosten bezifferte das Ministerium auf bis zu 600 Euro.

Nach Schätzung des Ministeriums verfügen in NRW zwischen 60.000 und 80.000 Zuwanderer über qualifizierte Berufsabschlüsse, die hierzulande nicht anerkannt seien. Deshalb könnten viele Fachkräfte nicht in ihren Berufen arbeiten. Schneider sprach von einem "gesellschaftlichen Offenbarungseid", wenn deshalb Menschen etwa mit einem Ingenieursdiplom als Hilfskräfte arbeiten müssten.

Das neue Gesetz sei deshalb auch "Ausdruck unserer Wertschätzung gegenüber den Zugewanderten und ein wichtiger Schritt zur Chancengleichheit", merkte Schneider an. Zugleich sei damit ein "weiterer Baustein in der Integrationspolitik" gesetzt. (mit dapd)

Tobias Blasius

Kommentare
17.07.2012
12:39
NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
von woelly | #14

Diese Spezialisten habe ich als Quereinsteger in meinem Berufsleben in den letzten 15 Jahren bei einigen Firmen im Maschienen- und Anlagenbau...
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1 Antwort
NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
von Klug99 | #14-1

Nein, ein Großteil der anerkannten Abschlüsse wird nicht in Firmen eingesetzt. Die wissen längst, dass diese Abschlüsse nicht zu gebrauchen, sprich nicht das dafür normal gezahlt Geld wert sind! Aber unsere öffentlichen Ämter müssen diese Ausbildungen sowohl für Einstellungen als auch für Sozialhilfen anerkennen, aber auch für entsprechende Selbstständigkeiten!
Das wird Otto-Normalo wieder viel, viel Geld kosten!

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NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
NRW will ausländische Berufsabschlüsse anerkennen
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2012-07-16 13:52
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