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NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern

15.08.2012 | 17:29 Uhr
Menschenmassen (hier bei der Cranger Kirmes) lösen seit der Loveparade-Katastrophe auch immer Befürchtungen aus. Trotzdem will die Landesregierung die Reglements für Großveranstaltungen wieder lockern.Foto: WAZ FotoPool

Nach der Loveparade-Katastrophe verschärfte die NRW-Landesregierung die Sicherheitsvorschriften für Feste aller Art. Das betraf auch Straßenfeste – viele Veranstalter gaben resigniert auf. Jetzt verspricht Innenminister Jäger Linderung.

Nach der Loveparade-Katastrophe vor zwei Jahren fiel die Reaktion der Politik wie so oft aus: gut gemeint, aber überzogen. In der allgemeinen Ratlosigkeit nach der Tragödie mit 21 Toten wollte die rot-grüne Landesregierung die Sicherheit bei Großveranstaltungen möglichst schnell verbessern. Doch der Erlass war in der Praxis oft schwer umsetzbar, wie viele Kommunen klagten. Ausrichter von Stadtfesten oder Festivals wussten oft nicht, welche Erlaubnis sie einholen mussten. Jetzt bessert das Land sein Handlungskonzept nach. Ein umfangreicher Leitfaden soll den Städten helfen, das Risiko einer Veranstaltung besser einzuschätzen.

Nach der Loveparade galt jedes Event mit 5000 Menschen unter freiem Himmel als „Großveranstaltung“ mit entsprechenden Auflagen der Behörden. Künftig soll nicht mehr die Besucherzahl für die Genehmigung entscheidend sein, sondern das kalkulierte Gefahrenpotenzial.

Ein Straßenfest ist ungefährlicher als eine Demo

Wichtig sind dabei Fragen wie: Handelt es sich um ein Straßenfest oder eine Demonstration? Wie viele Menschen strömen in welchem Zeitraum auf das Festgelände? Wird Alkohol ausgeschenkt? Wird Pyrotechnik eingesetzt?

Video
Herne, 10.08.2011: Attraktionen und Fahrgeschäfte gibt es viele auf der Cranger Kirmes. Doch welche sind familien-tauglich und wo gibt es den größten Adrenalinkick? DerWesten-Testerin Pia hat es herausgefunden.

„Nicht jedes Sommer- oder Schützenfest ist mit einer Großveranstaltung wie der Loveparade vergleichbar“, räumt auch das Innenministerium inzwischen ein. Der bisherige Erlass führte zum Ärger vieler Veranstalter dazu, dass auf beliebte Bürgerfeste von vornherein verzichtet wurde. Die Kommune Hückeswagen sagte sogar das für 2013 fest zugesagte NRW-Fest mit erwarteten 400.000 Besuchern wieder ab. Die Anforderungen an das Sicherheitskonzept, so der Bürgermeister, könne „eine Kleinstadt kaum umsetzen“.

Die Betroffenen haben an den Regeln mitgewirkt

Katastrophe von Duisburg
Drei Jahre Loveparade-Tragödie

Die Katastrophe mit 21 Toten beschäftigt Opfer und Ermittler, Behörden und Bürger. Aktuelle und ausgewählte Artikel, Videos und Fotos zur Aufarbeitung der Loveparade finden Sie auf unseren Spezialseiten.

An dem neuen Leitfaden haben auch Schausteller und Veranstalter mitgearbeitet. „Es ist praxisnah und hat breite Akzeptanz“, sagt Innenminister Ralf Jäger (SPD). Im Sicherheitskonzept muss etwa dargestellt sein, wie Besucherströme gelenkt werden, wie die An- und Abreise geregelt ist, welche Fluchtwege es gibt und welche Sanitäts- und Rettungsdienste einsatzbereit sind.

Cranger Kirmes 2012 in Bildern

Eine Veranstaltung könne künftig nur genehmigt werden, wenn alle Beteiligten – auch Feuerwehr und Polizei – grünes Licht geben, versichert Ministeriumssprecherin Claudia Roth.

Um die Zuständigkeiten am Veranstaltungstag eindeutig festzulegen, soll der Bürgermeister außerdem eine zentrale Ansprechperson benennen.

Theo Schumacher



Kommentare
19.08.2012
12:49
NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern
von JoachimMutz | #4

Die INKOMPETENZ der Verantwortlichen in Politik und Behörden muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden - es ist einfach paradox, wie man hier Äpfel mit Birnen vergleicht!
Die Erteilung der Genehmigung LOPA-2010 war ein Verbrechen an der Menschheit... und die neue Definition der Großveranstaltungen war ein völlig unnötiges, überzogenes Desaster für das bis vor der LOPA funktionieriende Gemeinwesen!
Die Absage des NRW-Tages 2013 im März 2012 belegt die Inkompetenz der Politik/Organisatoren - schließlich erfolgte der Zuschlag schon Anfang 2010 an die Kleinstadt Hückeswagen. - Die Eckdaten hätten doch viel eher vorliegen müssen (!) - dass weder der Anreiseverkehr ohne Bahn (!!!) noch die Situation in der sehr beengten Innenstadt dieses Großereignis hätten beherrschbar und sicher durchführbar erscheinen lassen... Beim bekannten Altstadtfest platzt Hückeswagen regelrecht aus den Nähten - und da sind gerade mal Fünfzigtausend oder mehr?

16.08.2012
03:23
NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern
von wolla | #3

Das war nach dem schlimmen Unglück doch nur blödsinniger rot/grüner Aktionismus.
Jäger hätte sich damal besser nicht so sehr für die unbedingte Durchführung der LP einsetzen sollen, dann hätte man sich diesen Stuss sparen können.

15.08.2012
21:19
NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern
von casella | #2

Nur weil in Duisburg eine unter politischem Druck stehende Stadtverwaltung mit massiver Geldnot - entgegen Warnungen von Fachleuten - eine Katastrophe organisierte, mussten nun wirklich nicht alle Stadtfeste und Kirmesveranstaltungen mit neuen Sicherheitskonzepten versehen werden - sprich:Leiden!

Erkenntnisse aus der Katastrophe von Duisburg in neue Regelwerke einzuarbeiten ist gut und einheitliche Bestimmungen - zumindest in NRW - sorgen neben einheitlichen Sicherheitsstandards auch für mehr Rechtssicherheit und Transparenz bei allen Beteiligten. So hat der - eigentlich vermeidbare - Tod von 21 jungen Menschen dann doch noch einen Sinn und Zweck für die Allgemeinheit.

15.08.2012
19:09
Köstlich:
von Tritt_Brettfahrer | #1

Auf einmal stellt Dirk Niebel fest, dass mit E10 Nahrungmmittel verbrannt werden. Vielleicht diskutiert er ja mit Peter Altmeier hinter hervor gehaltener Hand, dass 1 Liter reiner Biosprit 80 % mehr CO2 freisetzt als 1 Liter Kraftstoff aus Erdöl.
Und fast gleichzeitig die Erkenntnis von Ralf Jäger, dass die Auflagen nach der Loveparade selbst für kleine Großveranstaltungen nicht mehr zu stemmen sind. Vielleicht arbeit er ja zusammen mit Christian Lindner bereits an einem neuen Konzept.
Wenn jetzt auch noch Daniel Bahr erkennt, welches Gift mit den Energiesparlampen in die Schlafzimmer unserer Kinder gebracht wird und Günther Öttinger die Glühbirne wieder erlaubt, könnten man glatt meinen, unseren Politikern könnte der Verstand wieder gekommen zu sein. Diesen Glauben habe ich aber schon lange abgelegt und lasse mich durch solche durchsichtigen Aktionen auch nicht mehr missionieren.

2 Antworten
NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern
von Dieselpumpe | #1-1

Boh ey man, ein echt geiler Kommentar der sachlich kaum zu überbieten ist - toll!

Schade nur, dass die Politpussys den nicht begreifen.

NRW will Auflagen für Großveranstaltungen lockern
von Glucken-Mutti | #1-2

Coool !

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