NRW-Unis fürchten ums Geld
03.09.2010 | 16:08 Uhr 2010-09-03T16:08:00+0200
Düsseldorf.Rot-Grün will ein zentrales Wahlversprechen halten: die Abschaffung der Studiengebühren. Davon würden die Studenten und ihre Familien profitieren, und die Hochschulen sollen nicht darunter leiden, heißt es. Doch die Unis trauen dem Braten nicht.
„Die 249 Millionen Euro reichen voraussichtlich nicht für eine Voll-Kompensation”, sagt Uta Wilkens, Prorektorin an der Ruhr-Uni Bochum. 20 Millionen Euro stehen der Uni bisher im Jahr aus Studiengebühren zur Verfügung. Interne Rechnungen legen nahe, dass es künftig spürbar weniger sein könnte. Jedenfalls wenn man von 249 Millionen Euro ausgeht, die auf 35 Hochschulen mit 450 000 Studenten verteilt werden.
Wilkens stört, dass nur diese feste Summe genannt wird: „Es fehlt die Anpassung an die steigenden Studierenden-Zahlen von morgen. Wenn bald der doppelte Abiturjahrgang in die Unis kommt, wird mehr Geld benötigt, um allen eine gute Lehre anzubieten. Wir sind angespannt, weil wir keine Planungssicherheit haben.”
Bis zu 30 Prozent der Projekte könnten wegfallen
Angespannt ist man auch in Siegen. Rektor Holger Burckhart: „Für unsere Uni, die 500 Euro pro Semester an Studienbeiträgen erhebt, entspricht die angekündigte Kompensierung einem Studienbeitragsaufkommen von 300 bis 350 Euro. Das bedeutet, dass wir auf bis zu 30 Prozent der beitragsfinanzierten Projekte wie Tutorien und Lehraufträge werden verzichten müssen.“
Ähnliche Sorgen treiben die Rektorate in Münster, Köln und Bonn um. Besonders die Ankündigung der Ministerin, dass das Geld „nach der Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit” verteilt werden soll, wirft Fragen auf. „In Münster wurden im Wintersemester 2009/10 rund 66 Prozent der Studierenden in der Regelstudienzeit fertig, 34 Prozent nicht. Bekommen wir deshalb bald weniger Geld als andere?”, fragt Uni-Sprecher Norbert Robers.
Wird zügig studiert, bekommt die Uni mehr Geld
Die größte Hochschule in Westfalen rechnet sich aber auch einen Vorteil aus. Denn sie gehört zu den wenigen, die nicht die vollen 500 Euro Studiengebühren kassieren. 275 Euro sind es in Münster. Die Uni dürfte aber bald für jeden Studenten in der Regelstudienzeit mehr bekommen als diese Summe.
Die Landesregierung bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass es bei der Verteilung des Geldes auf die Studenten „in Regelstudienzeit” ankomme. Ein Nachteil sei das aber nicht, denn die Millionensumme werde ja gleichmäßig an alle Hochschulen verteilt.
Uta Wilkens, die Bochumer Prorektorin, sieht darin auch kein großes Problem: „Das ist eine wettbewerbliche Komponente, die den Hochschulen ja auch Vorteile bringen kann. Schon heute werden Mittel leistungsbezogen vergeben.” Wenn eine Universität viele Studierende bis zum Doktortitel führt oder viele schon früh mit ihrem Studium fertig werden, gibt es zusätzliches Geld.
Bedenken überwiegen
An der Universität Köln überwiegen derzeit jedenfalls die Bedenken. Uni-Sprecher Patrick Honecker: „Man verspricht den Hochschulen 249 Millionen Euro. Aber wer sagt denn, dass nicht an anderer Stelle Mittel für die Hochschulen gekürzt werden?“
Überhaupt, so Honecker weiter, sei es gar nicht so falsch gewesen, die Studenten an der Hochschul-Finanzierung zu beteiligen. Sollte sich das Land nun für die Abschaffung der Studiengebühren zusätzlich verschulden, „dann müssen kommende Generationen die Zeche bezahlen.”

02:19
@ Comenius: Zitat: Zu den heutigen Studiengebühren:
In vielen Senaten haben die studentischen Vertreter der Einführung der Studiengebühren in der jetzigen Höhe sogar zugestimmt.
Hatten die Studis denn in diesem Moment überhaupt eine Wahl?
Wenn Sie einem Hungerden der nichts zu Essen hat für 5€ ein Brötchen anbieten wird der, obwohl das seine letzten 5€ sind, zuschlagen und ihnen das Ding abkaufen.
Auch ich habe damals für Studiengebühren gestimmt, obwohl ich diesen Mist ablehne. Üm so mehr feier ich wenn dieser Mist endlich weg ist.
Und sie schreiben ganz richtig weiter Zitat:
Die Verwendung der Mittel wird öffentlich dokumentiert, man muss sich nur die Mühe machen, die Daten anzuschauen.
Ja ist das nicht toll. Über das Geld was uns allen gehört wir Rechenschaft abgelegt.Vor dem Volke! Ne feine Sache nicht war.
Würde ich mir bei eigentlich bei allen Ausgaben des Staates wünschen. Ein vernüftiges Berichtswesen für jeden Bürger einsehbar.
23:50
Rot-Grün will ein zentrales Wahlversprechen halten: die Abschaffung der Studiengebühren
Selten so gelacht. Grüne und Schein-Sozis wollen ein Wahlversprechen halten. Dann köennen wir ja bis zur nächsten Landatgswahl warten ;).
23:43
@gullideckel: Da haben Sie recht. Die Anteile für den Ausfallfonds fallen weg. Ausserdem haben viele Hochschulen Befreiungsklauseln, durch die viele Studierende im Moment gar nicht zahlen müssen. Wenn man das alles wegrechnet, sind 350€ pro Nase haben nicht unbedingt schlechter als der Status quo.
Zu den heutigen Studiengebühren:
In vielen Senaten haben die studentischen Vertreter der Einführung der Studiengebühren in der jetzigen Höhe sogar zugestimmt.
In Studierenden werden bei der Ausgabe eingebunden und müssen zustimmen.
Die Verwendung der Mittel wird öffentlich dokumentiert, man muss sich nur die Mühe machen, die Daten anzuschauen.
20:19
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19:35
Tja, dann sind die Professoren da wohl falsch informiert...
18:08
@Poster: Das große Problem mit den Studiengebühren ist, daß den Studenten (Fachschaften) ein gewisser Teil (50%) zusteht.
Das ist schlicht gesagt Quatsch! Absoluter Käse!
18:05
@seb: sie haben Recht.
Auch an der FH Aachen ist das Geld (nach kurzer Ermahnung vom Ministerium) ganz schnell verausgabt worden. Und zwar genau in die Projekte, die wir vorher als Studis über die Jahre verhindern konnten.
Was die Hochschulen nicht gerne hören sind aber zwei andere wichtige Fakten:
1. Der Ausfallfond (immerhin 14%) muss nicht mehr bedient werden
2. Die Verwaltungskosten (2%) fallen auch weg.
Deshalb ist die Argumentation mancher Gebührenbefürworter und das Gejammer einiger schlicht Blödsinn!
14:31
Kehr watt schrauben die da rum...
14:04
Das große Problem mit den Studiengebühren ist, daß den Studenten (Fachschaften) ein gewisser Teil (50%) zusteht. Dies wird leider zu oft in Müll investiert (Rucksäcke, Taschen, Bücher oder Tassen für Erstis), anstatt es vernünftig zu verwenden. Dazu kommt, daß die Uni das Geld aus den Studiengebühren nur für bestimmte Bereiche nutzen kann, und nicht, wie früher, so nutzen kann, wie sie will. Unterm Strich hat die Uni jetzt schon etwas weniger Geld zur Verfügung, als wie vor den Studiengebühren.
13:46
#5 Die Studierenden haben das nicht selbst zu verantworten, die Unis hätten sich auch mit 200€ oder 300€ an GEbühren zufrieden geben können, aber nein es musste ja so gut wie immer der Maximalbetrag sein. An der Uni Dortmund wurde davon ein tolles interkulturelles Begegnungszentrum gebaut, von dem so gut wie kein Student etwas hat, sondern ein reiner Repräsentativbau ohne Funktion ist. An der FH Dortmund war man gezwungen das Geld in private Notebooks (250€/Stück) für Informatikstudenten zu investieren, da das Geld sonst zu lang auf den Konten gelegen hätte und von der Zentralverwaltung anders eingesetzt worden wäre. Solche Beispiele gibt es viele, die Unis haben nur den großen Batzen Geld gerochen, sich aber nicht um die Studenten gesorgt.