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NRW-Städte suchen wegen Flüchtlingsandrang dringend Personal

08.03.2016 | 21:25 Uhr
NRW-Städte suchen wegen Flüchtlingsandrang dringend Personal
In vielen Städten fehlt Personal.Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   Kommunen in NRW suchen händeringend nach Personal. Der Bedarf liegt derzeit bei mehreren Tausend Stellen – auch wegen der Flüchtlinge.

Nach langen Jahren des Personalabbaus suchen Kommunen in Nordrhein-Westfalen teils händeringend Personal. Gesucht werden Verwaltungsleute, aber auch Erzieherinnen, IT-Fachkräfte, Juristen, Ingenieure und Ärzte. Hintergrund: Die Versorgung von Flüchtlingen erfordert zusätzliche Kräfte. Zudem benötigen eine Reihe von Städten weiteres Personal, weil sie durch Zuzug und Geburten weiter wachsen.

Herausragendes Beispiel ist Köln. 1000 zusätzliche Mitarbeiter will die Domstadt in den nächsten ein bis anderthalb Jahren einstellen, über die übliche Nachwuchsgewinnung hinaus. Im Internet und auf Plakaten wirbt Köln ab 15. März um Quereinsteiger. Eine solche Einstellungswelle habe es noch nie gegeben, so eine Sprecherin.

Duisburg sucht 77 neue Vollzeitkräfte

Auch andere Städte stellen kräftig ein. Duisburg z. B. will bis zu 77 Vollzeitkräfte einstellen und plant in diesem Jahr zusätzlich mit bis zu 130 befristeten Stellen, u. a. für die Bereiche Asyl und Integration. Essen geht von 250 Neueinstellungen aus – vor allem im Jobcenter, dem Sozialamt und bei der Ausländerbehörde.

Sprachkurse
Streit um Bezahlung für Flüchtlings-Sprachkurse in Bochum

Die Stadt Bochum hat für Sprachkurse für Flüchtlingskinder nach Mitarbeitern gesucht. Gewerkschaft befürchtet Lohndumping und prekäre Beschäftigung.

Je 14 neue Stellen sind es in Dinslaken und Moers, die vor allem mit Blick auf die Betreuung von Flüchtlingen geschaffen werden sollen. Zahlen, wie viel zusätzliches Personal die NRW-Kommunen insgesamt für die Flüchtlingsbetreuung benötigen, gibt es nicht. Aus einer Stichprobe in 30 NRW-Rathäusern hatte die Gewerkschaft Verdi einen Bedarf von 3000 bis 9000 Einstellungen errechnet. Allerdings stammt die Abfrage von November, die Gewerkschaft geht davon aus, dass die Zahlen nach oben korrigiert werden müssen.

„Notlösungen“ bei der Finanzierung

„Den Flüchtlingen muss geholfen werden“, betont Martin Neef, Kommunalfachmann bei Verdi, gegenüber der NRZ. Das nötige Personal dafür wird jedoch mitunter schwer zu finden sein. „Die Kommunen haben in den vergangenen 15 Jahren im Zuge des Sparwahns zu wenig eingestellt – das rächt sich jetzt bitterlich“, so Neef.

Der Bedarf für zusätzliches Personal ist da, heißt es beim Städte- und Gemeindebund. Bei der Finanzierung der neuen Stellen müssten sich die Kommunen bisher „mit Notlösungen“ behelfen, so Sprecher Martin Lehrer. Es gebe bisher zwar eine Vereinbarung, wie Kommunen die Kosten für die Unterbringung erstattet werden, die Finanzierung der Integration jedoch sei offen: „Das muss diskutiert werden“.

In Essen stand die Forderung nach mehr städtischem Personal schon seit Monaten auf der Wunschliste. Denn der immense Mehraufwand durch die Flüchtlingskrise traf auf einen stark ausgedünnten Mitarbeiterstamm im Rathaus: Hier waren in den vergangenen sechs Jahren mit Ach und Krach 690 Vollzeit-Jobs abgebaut worden, um den maroden Haushalt ins Lot zu bringen. Mit der Folge, dass die Mitarbeiter, so räumte Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) jüngst ein, „Tag für Tag am Rande Belastungsgrenze arbeiten - das darf kein Dauerzustand werden“. Die Mehrkosten von schon in diesem Jahr 3,2 Millionen Euro bringen Essen aber, das um seinen Haushaltsausgleich im nächsten Jahr ringt, in arge Nöte.

Erste Ausschreibung in Mülheim endete ergebnislos

In Düsseldorf ist von zusätzlichen Einstellungen keine Rede – im Gegenteil. In der Landeshauptstadt sollen in den nächsten Jahren im Zuge der Alters-Fluktuation sogar Stellen abgebaut werden. Die Amtsleiter haben von OB Thomas Geisel (SPD) den Auftrag erhalten zu prüfen, wie sie mit 20% weniger Mitarbeiter auskommen.

Auffangklassen
Hier gehen Dortmunds Flüchtlingskinder zur Schule

Die Zahl der Auffangklassen - derzeit sind es 145 - steigt weiter, die Aufnahmekapazität der Dortmunder Schulen stößt damit langsam an ihre Grenzen.

In Mülheim lässt sich derzeit noch nicht sagen, wie viel Personal die Stadt einstellt (2015 waren es 156 Mitarbeiter). Acht Flüchtlingsdörfer sollen in diesem Jahr noch eingerichtet werden. Die großen Einrichtungen wie die in Saarn werden allerdings von Hilfsorganisationen geführt. Fachkräfte muss man erst mal finden. Die Kommunen konkurrieren mit der privaten Wirtschaft, wo sich deutlich mehr verdienen lässt. Ingenieure z. B. sind rar. Acht neue Mitarbeiter sucht das für Immobilien zuständige Amt in Mülheim zurzeit. Die erste Ausschreibung endete ergebnislos. In Runde 2 meldeten sich immerhin zwei Kandidaten.

Koordination der Ehrenamtler

Die Flüchtlingskrise stellt keineswegs nur die Großstädte vor Herausforderungen. Auch kleine Kommunen müssen sich strecken: Die Stadt Emmerich hat 2015 drei neue Mitarbeiter für die Betreuung der Asylsuchenden eingestellt. Im 1. Halbjahr 2016 kommt ein weiterer Sachbearbeiter hinzu, und im Mai/Juni wird die neue Stabsstelle Asyl/Integration besetzt. „Dafür müssen wir Budget freischaufeln“, so Stadtsprecher Tim Terhorst. Rees hat zum 1. November 2015 eine zusätzliche Stelle geschaffen. Zum 1. April dieses Jahres soll eine Hausmeisterstelle für eine Unterkunft am Melatenweg besetzt werden. Zudem soll es eine Stelle zur Koordination der Ehrenamtlichen-Arbeit geben.

Holger Dumke und den Lokalredaktionen

Kommentare
09.03.2016
18:45
NRW-Städte suchen wegen Flüchtlingsandrang dringend Personal
von grautvorgarnichts | #1

Ja wie??? Auf einmal ist Kohle da ohne ENDE??? Ich dachte wir hätten über 2 Billionen Euro Schulden???

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2016-03-08 21:25
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