NRW-Parteien twittern im Wahlkampf ins Leere
05.05.2010 | 18:02 Uhr 2010-05-05T18:02:00+0200
Essen.Jürgen hört gerne die Pet Shop Boys. Er ist verheiratet mit Angelika. Und von Beruf NRW-Ministerpräsident. Das und mehr verrät das Facebook-Profil von Jürgen Rüttgers. Wie die anderen Spitzenkandidaten der Landtagswahl will er in Online-Netzwerken frisch herüberkommen, junge Wähler erreichen – eben ein bisschen Obama sein. Mit Erfolg? „Nein“, sagt Markus Beckedahl von Netzpolitik.org, einer renommierten Plattform für Medientransparenz. „Die meisten Politiker verstehen soziale Medien gar nicht.“
Das Vorbild ist der US-Präsident. Viele Veranstaltungen im Wahlkampf 2008 verlegte Barack Obama ins Internet. Der Aufruf zur Wahl bei Twitter, ein Bilderwettbewerb auf Facebook und aufwändige Bewegtbilder bei YouTube. Experten sind sich sicher, dass diese so genannten sozialen Medien großen Anteil an seinem Wahlsieg hatten. Weder Kosten noch Mühen hatten Obamas Wahlkämpfer gescheut: Ein Film-Team von 50 Personen produzierte rund 800 Videos. Allein 750 Millionen Dollar private Spenden standen ihm zur Verfügung. Rekordverdächtig.
Getwittert wird
in der dritten Person
Obamas Stärke: Die Menschen hatten auch bei 140 Zeichen kurzen Botschaften das Gefühl, er spreche sie persönlich an. Dabei hat der US-Präsident kürzlich gestanden, nie selbst getwittert zu haben. Hierzulande machen sich viele Spitzenkandidaten gar nicht erst die Mühe, persönliche Ansprachen zu suggerieren. Eigene Twitter-Profile haben sie überhaupt nicht. Was ihre Parteien für sie schreiben, steht meist in der dritten Person: Jürgen Rüttgers war gestern hier. Hannelore Kraft ist morgen dort.
Personalisierung – dieses Ziel interpretieren sie offenbar inhaltlich statt grammatikalisch. „In Deutschland werden sehr viele Befindlichkeiten, und damit viel Unnützes getwittert“, beobachtet Markus Beckedahl. Die CDU-Wahlkämpfer texten am 3. Mai: „Sitzen gerade mit Roland Koch beim Schnellrestaurant mit dem gelben M.“
Grüne mit eigenem Videokanal
Wen von den potenziellen Wählern das interessiert? Das wissen die Parteien oft gar nicht. „Wenn man sich in den USA anschaut, wie Auswertungsinstrumente genutzt werden, um Reaktionen in sozialen Netzwerken zu sammeln – da sind wir noch deutlich hinterher“, sagt Oliver Zeisberger. Er ist Online-Wahlkämpfer für Hannelore Kraft, also einer von denen, die für die SPD-Kandidatin twittern.
Zeisberger beschreibt damit ein zentrales Problem: Die Parteien nutzen die Netzwerke kaum als Netz. Sie spinnen ihre Fäden vor allem in eine Richtung. Was aus den anderen kommt, sehen sie nicht – oder wollen es nicht sehen. So ließ etwa die FDP unter einigen YouTube-Videos keine Kommentare zu. „Das enttäuscht viele Nutzer, die sich einen Dialog erhoffen“, glaubt Experte Beckedahl.
Er sei regelmäßig auf den verschiedenen Seiten unterwegs, sagt Beckedahl, weil er stets nach Innovationen suche. „Aber die gibt es kaum.“ Eine kleine Ausnahme macht er bei den Grünen, die etwa den eigenen Kanal „GrünTube“ geschaffen haben. Nicht zufällig liegen sie auch beim Twittern in NRW an der Spitze: Über 2000 Leser haben den Feed der Grünen abonniert. Nur zum Vergleich: Barack Obama zählt fast vier Millionen.
Schäfer-Gümbel war ein bisschen Obama
Ein bisschen Obama sein – daran durfte der hessische SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel vor der Landtagswahl 2008 zumindest schnuppern. Nach der Wahl aber ließ er einige Monate nichts von sich hören. Abonnenten der Linken in NRW warteten derweil bis Ende April, ehe nach fünf Monaten Stille wieder ein Twittern (zu deutsch: Zwitschern) zu vernehmen war. Wo die Konkurrenz tausende Twitter-Beiträge zählt, steht bei den Linken eine 76. Hier gilt wohl das zweifelhafte Motto: Dabei sein ist alles.

13:32
@ stefan.S.
kaust nur nach, was andere an verdummung verbreiten, die linke hat detailiert erklärt und für jeden leicht nachrechenbar, wie alles leicht zu finanzieren wäre. wenn man natürlich, wie deine spd, die banken, vermögenden schonen und sie mit steuergeldern immer mehr beschenken will, ist es nicht finanzierbar. die spd spitze regiert auch nur noch fürs kapital und zockt in dutzenden nebenjobs jährlich genau so millionen euros ab, wie die von csu, cdu und fdp. die sind in wahrheit unwählbar ;-)
07:19
Man könnte auch sagen,soziale Netzwerke(hä?)sind mitlerweile sowas von mainstream,dass man,wenn man cool überkommen will,die Finger davon lässt.
(Nicht,dass ich irgend einem Politiker diese Art zu denken zutrauen würde.)
02:40
Die sollten mal die Teams aus Amerika anschiffen. Die haben genug Erfahrung um die Massen zu manipulieren. Sicherlich können Sie auch hier Scheisse zu Gold machen.
23:50
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23:41
Wer Rüttgers nicht will, der muß Kraft wählen!
Die Linke ist unwählbar weil Sie Vorstellungen hat die einfach nicht zu finanzieren sind. Warum sollte nach den Vorstellungen der Linken Harz 4 Empfänger 500 Euro bezahlen? Ich möchte keine grichischen Verhältnisse haben nur weil wir uns weiter so verschulden um die Talkshow Fans (Harz4 Empfänger) 500 Euro zu geben! Wer Rüttgers nicht will muß Kraft wählen, alles andere ist vollkommender Blödsin! Sollten die Linken im Landtag kommen, dann kann Rüttgers entweder mit der FDP weiter regieren oder es kommt zu großen Koalition. Ich möchte das Rot Grün alleine regieren können, und das geht nur mit einer starken Sozialdemokratie!
22:27
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21:40
Wenn einer (oder eine) nichts zu sagen hat, dann fällt das eben auf. Egal, welches Medium dafür benutzt wird.
21:03
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20:14
Schwarze, Rote, Grüne, Linke, Gelbe, ganz egal, keiner hat verstanden, dass das Netz ganz neue Kommunikations- und Artikulationsmöglichkeiten bietet. Stattdessen haben sie alle einfach nur Angst, einen Trend zu verpassen oder die Kontrolle zu verlieren und Wählergruppen zu verlieren. Sie begreifen das Netz nicht als Chance zu neuen Kommunikationswegen und zur Einbeziehung politikferner Menschen; sie wollen das Netz kontrollieren und reglementieren. Genau damit werden sie völlig unglaubwürdig und beweisen immer wieder, dass sie Demokratie, Mitbestimmung, Teilhabe an der Macht weder verstehen noch akzeptieren werden.
Die Piraten sind derzeit die einzige Gruppierung/Partei, die aus dem Netz entstanden ist und die versucht, die neuen Möglichkeiten der Kommunikation zu nutzen, statt sie zu sabotieren.