NRW-Ministerin warnt, Ärzte sollen nicht zu Verkäufern werden

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NRW-Gesundheitsministerin Steffens (Grüne) hat die Ärzte gewarnt, durch den Verkauf von Zusatzleistungen die Beziehung zum Patienten zu belasten.

Düsseldorf.. Ärzte sollten durch kostenpflichtige Zusatzleistungen die Beziehung zum Patienten nicht belasten. „Wenn die Sprechstunde zur Verkaufsstunde wird, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in Gefahr“, warnte NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) gegenüber der WAZ. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse (TK) bieten Ärzte in NRW besonders häufig Leistungen gegen Bares an.

Ob Schwellentherapie beim Tennisarm, PSA-Test zur Früherkennung von Prostata-Krebs oder Augendruck-Innenmessung: 57 Prozent der Patienten in NRW sind laut TK von ihrem Arzt schon mal auf eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) angesprochen worden, die von der Krankenkasse nicht bezahlt wird. Nur in Baden-Württemberg lag die Quote mit 58 Prozent höher, in Sachsen dagegen bei nur 43 Prozent.

Viele Patienten nahmen Leistungen nicht in Anspruch

Allerdings nahmen nur 65 Prozent der NRW-Patienten die angebotene Leistung als Selbstzahler in Anspruch. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) hält viele Angebote für unnütz.

Nach der Forsa-Studie der TK bieten Zahnärzte, Gynäkologen und Augenärzte die Extras gegen Bargeld am häufigsten an. 40 Prozent der Frauenärzte und 25 Prozent der Augenärzte haben schon „ge-igelt“. Ministerin Steffens verlangte, dass Ärzte, die Igel-Leistungen anbieten, „offen über Nutzen, Risiken und Chancen der Wirksamkeit aufklären“. Keinesfalls dürften Patienten unter Druck gesetzt werden, Zusatzleistungen als Selbstzahler in Anspruch zu nehmen, forderte Steffens. Igel-Leistungen

24 Stunden Bedenkzeit verlangt

„Patienten sollten sorgsam abwägen, ob Igel-Behandlungen oder Untersuchungen den gewünschten Nutzen bringen“, sagte der Leiter der TK in NRW, Günter van Aalst. Im Internet lassen sich unter www.igel-monitor.de Einschätzungen der gesetzlichen Krankenkassen zu mehr als 30 Igel-Leistungen abfragen. Danach ergaben Studien zum PSA-Test (Kosten: 20 bis 30 Euro) kein eindeutiges Ergebnis über dessen Nutzen. Nicht belegt sehen die Experten auch den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung (Kosten 30 bis 120 Euro pro Sitzung), die Karies und Paradontose verhindern soll. Und auch die vorsorgliche Messung des Augeninnendrucks (Kosten: 10 bis 25 Euro) lässt aus Sicht von Kassenexperten keine zuverlässige Vorhersage über ein entstehendes Glaukom („grüner Star“) zu. Beim konkreten Glaukom-Verdacht zahlt zudem die gesetzliche Krankenversicherung.

Die Kassenärztliche Vereinigung warnte vor einer allgemeinen Ablehnung von Igel-Leistungen. Schließlich könnten Zusatzleistungen der Ärzte dem einzelnen Patienten durchaus nutzen. Ministerin Steffens sprach sich dafür aus, dass Patienten generell 24 Stunden Bedenkzeit eingeräumt werden, bevor sie eine Vereinbarung über Zusatzleistungen unterschreiben. Das lehne der Bund allerdings bisher ab, bemängelte Steffens. „Besonders kritisch ist es, wenn Ärzte sich von Patienten unterschreiben lassen wollten, dass sie für Folgeschäden selbst verantwortlich sind, wenn sie eine Igel-Leistung ablehnen.“