NRW-Ministerin Löhrmann macht Ernst mit Inklusion

Der Anblick von Rollstühlen soll für alle Schüler in NRW bald zum Alltag gehören.
Der Anblick von Rollstühlen soll für alle Schüler in NRW bald zum Alltag gehören.
Foto: dapd
Was wir bereits wissen
Das NRW-Kabinett hat mit seinem Referentenentwurf den Weg für ein „inklusives Schulsystem“ geebnet. Doch Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) rechnet noch mit viel Widerstand. Den gibt es bereits – und zwar von allen Seiten. Deshalb spricht Löhrmann von einer "Generationenaufgabe".

Düsseldorf.. Das Ziel ist der „Normalfall“: Möglichst viele Kinder mit und ohne Behinderung sollen in NRW gemeinsam lernen. Das Kabinett hat mit seinem Referentenentwurf den Weg für ein „inklusives Schulsystem“ geebnet. Doch Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) rechnet mit viel Widerstand, ehe das Gesetz im Sommer 2013 in Kraft tritt. „Ich stelle mich auf kritische Resonanz von allen Seiten ein“, sagt sie.

Löhrmann spricht von einer „Generationenaufgabe“, die sich nicht „mit der Brechstange“ verwirklichen lasse. Deshalb sollen dem ersten Gesetz weitere folgen. Schon jetzt gibt es viele Vorbehalte. Eltern behinderter Schüler sorgen sich, ob die volle Integration ihrer Kinder schnell genug gelingt. Wer ein nicht behindertes Kind hat, fragt sich oft, ob es an einer Inklusionsschule benachteiligt wird. Lehrer fühlen sich mit der Aufgabe überfordert.

Grundsätzlich sollen Kinder mit Behinderung das Recht auf einen Platz in einer allgemeinbildenden Schule erhalten, aber nicht in jeder. Die Aufsichtsbehörde muss den Eltern für ihr Kind mindestens eine Schule in zumutbarer Entfernung vorschlagen. Der Unterricht beginnt jeweils in Klasse 1 und Klasse 5 an einer weiterführenden Schule. Doch Eltern können sich auch weiter für den Besuch einer Förderschule entscheiden. Diese werden von Landesseite nicht abgeschafft. Es ist aber zu erwarten, dass – ähnlich wie die Hauptschulen – immer mehr Förderschulen auslaufen.

116.000 Kinder mit Förderbedarf

Förderbedarf haben in NRW insgesamt 116.000 Kinder. Derzeit besuchen 20 Prozent von ihnen eine Regelschule – mit dieser Quote rangiert NRW bundesweit im unteren Mittelfeld. Dafür stehen seit 2005 zusätzliche 1215 Lehrerstellen zur Verfügung. Innerhalb von zehn Jahren, so die Prognose, soll der Anteil von Schülern mit Handicap im gemeinsamen Unterricht auf 65 Prozent steigen.