NRW-Landtag leistet sich "Halal"-Panne beim Fastenbrechen

Die NRW-Landtag lädt seit zwei Jahren zahlreiche Vertreter muslimischer Gemeinden und Gruppen sowie Kirchenvertreter und Abgeordnete zum traditionellen Ramadan-Fastenbrechen ein.
Die NRW-Landtag lädt seit zwei Jahren zahlreiche Vertreter muslimischer Gemeinden und Gruppen sowie Kirchenvertreter und Abgeordnete zum traditionellen Ramadan-Fastenbrechen ein.
Foto: picture alliance / dpa
Peinliche Panne: Zum Ramadan-Fastenbrechen im NRW-Landtag bekamen Muslime Fleisch angeboten, das sie aus religiösen Gründen nicht essen dürfen.

Düsseldorf.. Dem Landtag in NRW ist beim traditionellen Ramadan-Fastenbrechen "Iftar" eine peinliche Panne unterlaufen: Am Buffet bekamen die rund 250 Gäste - darunter viele Vertreter muslimischer Gemeinden - Fleisch, das nicht den "Halāl"-Vorschriften des Islams entsprach.

Das bestätigte eine Sprecherin des Landtags am Dienstag auf Nachfrage. "Wir bedauern das sehr. Es war ein Fehler in der Verwaltung und ganz bestimmt keine Absicht", sagte die Sprecherin. Die Veranstaltung, zu der Landtagspräsidentin Carina Gödecke am 24. Juni eingeladen hatte, soll die interreligiöse Verständigung fördern.

Doch die Panne sorgte stattdessen für Irritation unter den Gästen. Der Fehler sei während des Essens aufgefallen, sagte Bekir Alboğa,Generalsekretär des Islamverbandes Ditib, der bei der Veranstaltung dabei war. "Als es sich herumgesprochen hatte, dass es kein Halāl-Fleisch ist, haben viele aufgehört zu essen." Sein Tischnachbar habe sich zuerst bei ihm nach dem Fleisch erkundigt. Über mehrere Ecken sei dann herausgekommen, dass es nicht den Speisevorschriften des Islams entsprach. Serviert wurden unter anderem Hühnerspieße und gebratenens Lammfleisch mit Gemüse.

Erlaubt ist nur Fleisch von Tieren, die geschächtet wurden

"Halāl" ist ein arabischer Begriff und bedeutet "zulässig". Die Vorschrift besagt, dass Muslime nur Fleisch von Tieren essen dürfen, die geschächtet wurden. Beim Schächten sterben die Tiere an einem einzigen großen Schnitt mit einem speziellen Messer an der Halsunterseite. Das Durchtrennen der großen Blutgefäße soll gewährleisten, dass die Tiere möglichst rückstandslos ausbluten. Der Verzehr von Blut ist nach den "Halāl"-Vorschriften nicht erlaubt.

Alboğa betonte, er sei sicher, dass der Fehler keine böse Absicht gewesen sei. "Das ist natürlich sehr ärgerlich, aber es kann passieren." Gestört habe ihn auch, dass Musik gespielt wurde, die seiner Meinung nach zu laut war . "Wir haben vorher 18 Stunden gefastet. Das war anstrengend. Schön wäre, wenn die Musik zur Atmosphäre passen würde." Alboğa kündigte an, seine Verbesserungsvorschläge dem Landtag schriftlich zukommen zu lassen. Er wünsche sich, dass die Gemeinschaft der Muslime stärker in die Organisation einbezogen werde.

Auch jüdische Vertreter betroffen

Dalınç Dereköy hat erst nach dem Essen von dem Irrtum erfahren. Der Vorstandsvorsitzende des Kreises Düsseldorfer Muslime fordert mehr kulturelle Sensiblität. "Es grenzt an Ironie, dass die Speisevorschriften im Islam, die in der Politik auf Landes- und Bundesebene diskutiert werden, bei dieser Veranstaltung nicht berücksichtigt werden." Die Situation sei unangenehm und peinlich gewesen. Er fühle sich jedoch nicht beleidigt, sondern sei dennoch dankbar, dass der NRW-Landtag zu dieser Veranstaltung einlädt.

Die Panne betraf im Übrigen nicht nur die anwesenden Muslime. Auch zwei Vertreter jüdischer Gemeinden hätten vom Buffet gegessen, sagte Dereköy. "Juden dürfen nur koscheres oder Halāl-Fleisch essen."

Panne passierte schon zum zweiten Mal

Mitgegessen hat auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Ali Baş. "Wir haben uns nichts dabei gedacht, weil es auf dieser Veranstaltung im Vorjahr Halāl-Fleisch gegeben hatte. Es ist ärgerlich, aber kein Weltuntergang, wenn wir es unwissentlich zu uns genommen haben", sagte der Politiker.

Seit drei Jahren findet die Veranstaltung in dieser Form statt. Schon 2013 sei das Fleisch nicht "Halāl" gewesen, sagte die Landtagssprecherin, "doch da wurde es nicht problematisiert." 2014 hätte man allerdings darauf geachtet. Die Sprecherin kündigte an, dass sich dieser Fehler nicht wiederholen werde.