NRW hinkt bei der Windkraft hinterher

200 neue Windräder sind laut Branchenverband jährlich nötig, um die Ausbauziele der Landesregierung zu erreichen.
200 neue Windräder sind laut Branchenverband jährlich nötig, um die Ausbauziele der Landesregierung zu erreichen.
Foto: dpa
Ökoenergie-Branche fordert im NRZ-Gespräch „mehr Schwung für Energiewende“

Essen.. Zwölf moderne Windräder, jedes 200 Meter hoch, drehen sich auf der Königshovener Höhe bei Bedburg im Rhein-Erft-Kreis. Der erste Abschnitt eines der leistungsstärksten Windparks in Nordrhein-Westfalen ist vor wenigen Wochen auf der ehemaligen Garzweiler-Fläche in Betrieb gegangen. Die Betreiber RWE und Stadt Bedburg wollen in den nächsten Monaten weitere neun Räder der 3,2-Megawatt-Klasse folgen lassen. Ende des Jahres soll der Park dann 58.000 Haushalte klimafreundlich mit Strom versorgen.

Ein Leuchtturmprojekt für die Energiewende in NRW. In der Branche freilich wünscht man sich, viele andere Vorhaben wären ähnlich fortgeschritten. Deutschlandweit dürfte 2014 wohl ein Rekordjahr für die Windkraft gewesen sein. Mit einem erwarteten Nettozubau von 3350 Megawatt ist das gesetzliche Ausbauziel um mehr als ein Drittel übertroffen worden. NRW legt auch zu, kommt bei dem Tempo aber nicht mit. „Die Energiewende braucht hier mehr Schwung“, fordert Jan Dobertin, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien im Gespräch mit der NRZ.

Zahlen liegen hier bislang erst fürs erste Halbjahr vor. 45 Windräder, insgesamt 110 zusätzliche Megawatt: Mit diesem Zubau lag NRW im Ländervergleich nur auf Rang 8; Spitzenreiter Schleswig-Holstein installierte die vierfache Leistung neu. Wenn der Ausbau an Rhein und Ruhr in Halbjahr zwei im gleichen Tempo weitergegangen ist, ergibt sich ein Zubau nur auf dem Vorjahresniveau. Dreimal so viel werde eigentlich benötigt, sagt Dobertin, und verweist auf die selbstgesteckten Ausbauziele der Landesregierung bei den erneuerbaren Energien. 30% des Strombedarfs sollen 2025 aus regenerativen Quellen kommen, Ende 2013 war es aber erst etwa 10%. Rund 200 Windräder (Gesamt: 630 Megawatt) müssten laut Dobertin Jahr für Jahr hinzukommen, um das NRW-Ausbauziel zu erreichen.

Das Problem: Die planerischen Hausaufgaben sind in NRW vielerorts noch nicht erledigt. „Ich erhoffe mir mehr Geschwindigkeit“, sagt Branchenvertreter Dobertin. Der Landesentwicklungsplan ist weiter in Arbeit. Und bei der Regionalplanung sind die Behörden derzeit dabei, die Vorrangflächen für die Windkraft auszuweisen – für den Bereich der Bezirksregierung Düsseldorf sind mindestens 3500 Hektar die Vorgabe. Zudem wartet die Branche weiter auf den überarbeiteten Windkrafterlass aus dem Hause von Umweltminister Remmel (Grüne).

Folge des EEG-Gesetzes

Die Erwartungen an die Windkraft sind umso größer, weil der Ausbau in anderen Bereichen der erneuerbaren Energie stark schwächelt – eine Folge schon der gekürzten Förderung aus dem Eneuerbaren-Energien-Gesetz. Bei der Photovoltaik kamen bis November 2014 in NRW nur 12 000 Anlagen mit insgesamt 198 Megawatt hinzu – 40% weniger als im Vorjahr. 2013 hatte es insgesamt knapp 21 700 neue Anlagen gegeben (371,4 Megawatt). In anderen Bereichen ist der Ausbau fast zum Erliegen gekommen. Beim Biogas rechnen Fachleute für 2014 mit weniger als zehn, vor allem kleinen Neu-Anlagen. Mehr dürften es wohl auch bei der Wasserkraft nicht werden.

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