NRW-Großstädte erfüllen Quote für Kita-Plätze - aber das reicht nicht
06.01.2013 | 13:23 Uhr 2013-01-06T13:23:06+0100
Köln. Ab August soll es für ein Drittel aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz in den Kindertagesstätten in NRW geben. Viele Großstädte in NRW erfüllen diese Quote bereits, doch noch immer fehlen Angebote für Unterdreijährige. Doch die Platznot macht erfinderisch.
Viele Großstädte in Nordrhein-Westfalen haben jetzt schon die bis zum Sommer geforderte Quote für U3-Plätze in Kitas erreicht. Landesweit werden bis dahin Betreuungsplätze für 32 Prozent der unter Dreijährigen angestrebt. Gemeinsam mit den Plätzen bei Tagesmüttern sollen das etwa 144 000 sein. In Köln, Düsseldorf oder Münster sind die Plätze längst geschaffen. Reichen werden sie nach Einschätzung vieler Kommunen aber nicht.
"Die Quote ist zu niedrig", sagte Georg Epp, Leiter des Bielefelder Jugendamts, der Nachrichtenagentur dpa. "Für größere Städte in NRW muss man damit rechnen, dass 50 bis 55 Prozent der Eltern einen Kita-Platz beantragen."
Die Bundesländer haben 580 Millionen Euro für 30.000 zusätzliche Kita-Plätze bekommen. Das Bundesfamilienministerium hält damit an dem Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für Kleinkinder fest. Derzeit geben es keine Anzeichen, dass der Rechtsanspruch nicht zu halten wäre.
Bielefeld will leere Schulgebäude für Kitas nutzen
Deshalb suchen die Städte nach Alternativen. In Bielefeld prüfe man, ob die Kinder zunächst in leeren Schulgebäuden oder Containern unterkommen könnten, erklärte Epp. Köln wolle unter anderem potenzielle Tageseltern motivieren, sagte Stadtsprecherin Nicole Trum.
Auf der Suche nach Übergangslösungen hat der Deutsche Städte- und Gemeindebund eine Art "Kita-Platz-Sharing" ins Gespräch gebracht. Denkbar sei etwa, dass sich Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kinder teilten, sagte der Christian Schramm, Präsident des kommunalen Spitzenverbandes, am Freitag in Berlin. Nicht jedes Kind brauche einen kompletten Kita-Platz.
Düsseldorf hat Kita-Plätze für 38 Prozent der unter Dreijährigen
Zurzeit gibt es in Düsseldorf Kitaplätze für 38,4 Prozent (6721 Plätze) der unter Dreijährigen, Köln liegt bei rund 32 Prozent (9359). Bielefeld, Bonn und Münster haben die 32-Prozent-Marke nach eigenen Angaben auch schon geknackt, Aachen wird sie bis zum 1. August dieses Jahres erreichen.
Ein neue Stellenbörse soll Engpässe bei Erziehern beheben. NRW-Familienministerin Schäfer (SPD) reagiert auf einen Appell von Ruhrbischof Overbeck. Er hatte eine Öffnung der Kitas auch in den Abendstunden und nachts vorgeschlagen. Viele Eltern seien auf ein flexibles Betreuungsangebot angewiesen.
Als eine der wenigen großen Städte wird Duisburg wohl knapp an der Vorgabe vorbeischrammen: Momentan liegt die Quote dort bei 28 Prozent - damit aber immer noch zwei Prozentpunkte höher als der derzeitige NRW-Durchschnitt. (dpa)

18:37
...und wenn in diesem Artikel Duisburg schon namentlich genannt wird:
Die in den Kommunen und auch in Duisburg für die Betreuung der Tagesmütter zuständigen Abteilungen der Jugendämter sind personell so dünn wie nur möglich ausgestattet. Eher bekommen die Wirtschaftsbetriebe einen zweiten Vorstand, als dass ein zusätzlicher Sachbearbeiter für die Betreuung von Tagespflegepersonen eingesetzt wird.
Aber hinterher jammern!
Herr OB Link: Hier sind sie gefordert.
18:27
So lange die Politik die angehenden Tagesmütter so wie bisher im Regen stehen lässt, wird sich die Quote auch nicht so schnell erreichen lassen. Das fängt an mit der in der Regel gegebenen "steuerlichen Selbständigkeit", die dazu führt, dass die steuerlichen Dinge selbständig geregelt werden müssen (Meldung beim Finanzamt als "Selbständiger Freiberufler"), Zahlung von Einkommensteuervorauszahlungen, Erstellen von Steuererklärungen etc. Es erfordert eine eigenständige Krankenversicherung (freiwillig gesetzlich oder privat) und die eigenständige Meldung bei der Rentenversicherung (da nach wie vor Rentenversicherungspfllicht besteht). Krankengeld ist keineswegs gesichert, es sei denn die Tagesmutter sichert sich für diesen Fall zusätzlich selbst ab. Es endet bei den so kinderfreundlichen Mitmenschen, die keineswegs bereit sind, Kinderbetreuung in ihrem privaten Umfeld zu dulden.
13:37
Quoten müssen nicht unbedingt etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun haben. Deshalb sind sie meistens wenig hilfreich.
Natürlich sind Quoten keine Kristalkugel, die haargenau die Zukunft abbilden. Aber sie sind ein Instrument, das abbilden will, dass 1. der Bedarf an Betreuungsplätzen in Städten und Gemeinden abhängig von der Anzahl der dort vorhandenen Kinder ist und dass 2. nur ein gewisser Anteil dieser Kinder Plätze braucht und dass 3. dieser Anteil in Großstädten höher und auf dem Land niedriger ist.