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NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen

21.01.2011 | 15:53 Uhr
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
Sylvia Löhrmann (Grüne), Schulministerin in Nordrhein-Westfalen, hat 17 Gemeinschaftsschulen genehmigt. Foto: dapd

Düsseldorf.   NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann hat die ersten Gemeinschaftsschulen genehmigt. Im kommenden Schuljahr wird es 17 solcher Einrichtungen in NRW geben. Zwei Anträge wurden abgelehnt.

In NRW gehen im kommenden Schuljahr die ersten 17 Gemeinschaftsschulen auf Probe an den Start. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will einen „Schulkampf“ vermeiden und bot der CDU Gespräche über ein gemeinsames Schulgesetz an. Die CDU stellt aber zur Bedingung, dass Realschulen und Gymnasien weiter in „erreichbarer Nähe“ angeboten werden.

Genehmigungen für Gemeinschaftsschulen zum Schuljahr 2011/12 gibt es für: Ascheberg, Bad Honnef, Billerbeck, Blankenheim, Bochum, Bornheim, Burbach, Finnentrop, Kalletal, Köln (zwei), Langenberg, Lippetal, Morsbach, Neuenrade, Rheinberg und Sprockhövel. Zwei Anträge aus Altenbeken und Köln (Rochus-Straße) wurden abgelehnt, weil entweder die Schülerzahl nicht gesichert war (Altenbeken) oder eine direkte Konkurrenz zum Gymnasium bestand (Köln).

Gemeinschaftsschulen müssen mindestens dreizügig sein

Die Gemeinschaftsschulen sind zunächst als Modellversuch auf sechs Jahre angelegt. Kinder lernen in den Klassen 5 und 6 gemeinsam - ab Klasse 7 können die Träger entscheiden, ob Kinder weiter gemeinsam oder in schulformbezogenen Bildungsgängen lernen. Weil nach ihren Angaben zum Schuljahr 2012/13 weitere 40 Träger die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule erwägen, will Löhrmann die Schulform noch 2011 im Gesetz verankern.

Zehn Gemeinschaftsschulen bilden sich aus Haupt- und Realschule. Sechs aus einer Hauptschule. Eine aus einer Verbundschule. Gemeinschaftsschulen bieten auch gymnasiale Standards an. Entweder sie verfügen über eine eigene gymnasiale Oberstufe oder sie kooperieren mit anderen Oberstufen an Schulen. Eigene Oberstufen planen Finnentrop, Lippetal, Rheinberg und Blankenheim. Alle neuen Gemeinschaftsschule nutzen bestehende Schulgebäude. CDU und FDP fürchten aber einen „Schulkannibalismus“ und eine Schwächung benachbarter Schulen, wenn Pendler fehlen. Der Chef des Philologenverbandes, Peter Silbernagel, sprach von „Etikettenschwindel“, wenn sich Hauptschulen in Gemeinschaftsschulen umbenennen.

Löhrmann sicherte zu, sie werde die Gemeinschaftsschule „nicht zwangsweise“ durchsetzen. Zwar hält Rot-Grün am Ziel fest, bis 2015 rund 30 Prozent der Schulen in Gemeinschaftsschulen umzuwandeln. Dies ist aber nur nach einer Änderung des Schulgesetzes möglich. Aus CDU-Sicht muss Rot-Grün auch die Landesverfassung ändern, die einen organisatorisch selbstständigen, erreichbaren Hauptschulgang verpflichtend vorschreibt. In einem integrierten System ist das nicht gegeben.

Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag benötigt

Löhrmann geht auf „Schmusekurs“ zur CDU, weil sie für eine Verfassungsänderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag benötigt. CDU-Landeschef Norbert Röttgen signalisierte Gesprächsbereitschaft. Die CDU rückt von der Hauptschule ab, will aber ein vielfältiges Schulwesen mit Realschulen und Gymnasien erhalten. Die Ministerin räumte Konflikte vor Ort bei der Genehmigung von Gemeinschaftsschulen ein und schloss Klagen nicht aus. Um Nachbarschulen im Bestand zu schützen, hat NRW fünf der 17 neuen Gemeinschaftsschulen mit weniger Schülern genehmigt als beantragt.

Die Lehrergewerkschaften GEW und VBE begrüßten die bevorstehende Genehmigung der Gemeinschaftsschulen. VBE-Landeschef Udo Beckmann erwartet, dass die Nachfrage weiter steigen wird. Sieben Gemeinschaftsschulen planen auch den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen. Gemeinschaftsschulen erhalten einen „Lehrerzuschlag“ von 0,5 Stunden pro Klasse und Woche. Teilweise sollen Schüler in Klassen mit unterschiedlichem Tempo unterrichtet werden.

Wilfried Goebels

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Kommentare
22.01.2011
11:00
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von dr.einnstein | #15

@12 von r.kant

Es ist schon witzig, dass hier Leute vor Verblödung warnen, die selber noch nicht einmal verstanden haben, was eine Gemeinschaftsschule überhaupt ist.

22.01.2011
10:21
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von Linker-Genosse | #14

@ demokratischundsozial

Zu: In Niedersachsen soll von der CDU die Oberschule eingeführt werden, das ist sowas ähnliches. Also revolutionär ist das gerade nicht.

Stimmt, da es diese Schulform schon sehr lange gibt. Also: Nichts neues.

22.01.2011
09:53
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von demokratischundsozial | #13

In Niedersachsen soll von der CDU die Oberschule eingeführt werden, das ist sowas ähnliches. Also revolutionär ist das gerade nicht. Viele Eltern, die ihr Kind nicht aufs Gymnasium schicken können oder wollen, sind daran interessiert, das die Schule im Ort oder im Stadtviertel bleibt. Konservative Bildungsideologen werden sie daran nicht hindern können.

22.01.2011
09:36
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von r.kant | #12

Gant Toll! Dann lernen unsere Kinder jetzt gemeinsam, damit dann alle Kinder gemeinsam gleich blöd werden.

Bei der nächsten PISA-Studie werden wir dann hinter Kirgisien liegen. Aber zumindest haben die Grünen und die SPD in NTRW ihr Gleichschaltungs-Erfolgserlebnis

21.01.2011
21:15
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von Linker-Genosse | #11

@ Neusser

Schauen Sie sich einmal diese Seite an, da wird unter anderem das Thema Manipulation an Schulen behandelt.

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2011/schulchaos101.html

21.01.2011
20:07
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von Neusser | #10

Jetzt wird NRW künftig bei den Pisa-Studien immer den ersten Platz belegen. Das hat NRW dann der neuen Schulministeriin Frau Löhrmann von den Grünen zu verdanken. Ich bin schon gespannt auf das nächste Pisa-Ergebnis

21.01.2011
19:39
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von Linker-Genosse | #9

@kolli

Zu: Nur verstehe ich nicht wieso das jetzt Gemeinschaftsschule heissen muss, wo in NRW Gesamtschulen doch schon etabliert sind?

Sie haben hier nur zwei Schularten aufgeführt.
Die Realität sieht bundesweit mit ihren 16 verschiedenen Schulministerien allerdings noch ganz anders aus. Es dürfte sich hierbei sogar um rund 100 Schularten handeln.

21.01.2011
19:36
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von Linker-Genosse | #8

@Poulver

Um Ihre Bildungslücke bezüglich der Schulreform zu schließen, empfehle ich Ihnen sich einmal folgende Seite anzusehen:

http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2011/schulchaos101.html

21.01.2011
19:04
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von kolli | #7

@6 Die Gründe warum man Schulen zusammenlegt sind mit schon klar. Nur verstehe ich nicht wieso das jetzt Gemeinschaftsschule heissen muss, wo in NRW Gesamtschulen doch schon etabliert sind? Werden nicht auch in integrativen Gesamtschulen die Schüler gemeinsam unterrichtet oder ab welchen Schuljahr trennt man dort nach Leistung?

21.01.2011
17:58
NRW gibt Startschuss für gemeinsames Lernen
von dr.einnstein | #6

@5 von Poulver

Das herkömmliche dreigliedrige System funktioniert aber nicht mehr. In kleineren Gemeinden wird es durch sinkende Schülerzahlen in absehbarer Zeit keine Haupt- und Realschule mehr nebeneinander geben können. Das heißt dann für die Schüler ohne Gymnasialempfehlung lange Schulwege zu Nachbarorten.
Und das nur aus rein ideologischen Gründen.
Übrigens: Gymnasien gibt es weiterhin überall. Sie müssen sich also um die Bildung der Eliten keine Sorgen machen.

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