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"Nicht mehr genug Kraft" - Papst Benedikt tritt am 28. Februar zurück

11.02.2013 | 11:51 Uhr
Papst Benedikt XVI. gibt sein Pontifikat am 28. Februar ab. Foto: dapd

Rom.  Papst Benedikt XVI. gibt sein Pontifikat am 28. Februar ab. Das kündigte das katholische Kirchenoberhaupt laut einem Sprecher am Montag bei einer Vollversammlung der Kardinäle in einer auf lateinisch gehaltenen Rede an. Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst von seinem Amt zurücktritt.

Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Das kündigte das katholische Kirchenoberhaupt am Montag bei einer Vollversammlung der Kardinäle in einer auf lateinisch gehaltenen Rede an, wie ein Sprecher des Vatikans sagte.

 "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben." Daher verzichte er auf das Amt des Bischofs von Rom, sodass am 28. Februar, um 20.00 Uhr, der Stuhl des Heiligen Petrus vakant sein werde.

Papst Benedikt XVI. war im April 2005 zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt worden. Er ist mittlerweile 85 Jahre alt. Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst von seinem Amt zurücktritt.

Ein Nachfolger für Papst Benedikt XVI. soll bis Ostern feststehen. "Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen, sagte der Sprecher.

Kann der Papst zurücktreten?

Ein Papst wird auf Lebenszeit gewählt, doch ist nach dem Kirchenrecht auch ein Rücktritt möglich. Hierfür muss das Kirchenoberhaupt keine Gründe nennen, auch muss niemand den Rücktritt annehmen. Allerdings muss der Rückzug freiwillig erfolgen. In dem von Johannes Paul II. reformierten Kanonischen Recht (Can. 332 § 2) heißt es: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch dass er von irgendwem angenommen wird."

Papstrücktritt
Bedauern und Überraschung über Rücktritt von Benedikt XVI.

Der angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt XVI. sorgt in Deutschland für große Betroffenheit und Überraschung. Politiker und Organisationen verleihen ihrem Mitgefühl und ihrem Respekt vor dem Würdenträger Ausdruck. Andere Gläubige hoffen auf einen Neuanfang.

Normalerweise endet die Amtszeit einen Papstes mit dessen Tod. Freiwillig zurückgetreten ist bisher nur ein Pontifex: Coelestin V. im Jahr 1294. Der frühere Einsiedler mit dem Geburtsnamen Pietro del Murrone war im Sommer gegen seinen Willen gewählt worden, fühlte sich jedoch machtlos gegen die Korruption der Kurie und trat im Dezember 1294 zurück. Als Rücktrittsgründe nannte er Unerfahrenheit und Krankheit. Danach wollte Coelestin V. Einsiedler werden. Sein Nachfolger Bonifatius VIII. nahm ihn jedoch in Haft. Coelestin starb 1296 und wurde später heiliggesprochen.

Daneben gab es jedoch eine Reihe von Päpsten, die auf politischen Druck zurücktraten, besonders im Mittelalter. So machten sich vor dem Konzil von Konstanz (1414 bis 1418) drei Päpste das Amt streitig: Johannes XXIII., Benedikt XIII. und Gregor XII. Das Konzil, das die Einheit der Kirche wiederherstellen sollte, setze die ersten beiden ab. Gregor XII. wurde gezwungen, auf sein Amt zu verzichten.

Häufig wurden Päpste auch durch ihre politischen Gegenspieler aus dem Amt gedrängt. So ließ der deutsche König Heinrich III. 1046 durch die Synode von Sutri drei Päpste absetzen, denen unter anderem Ämterkauf vorgeworfen wurde.

Völliger Rückzug aus der Öffentlichkeit erwartet

Im Fall eines Rücktritts bleibt der Papst im Range eines Bischofs im Ruhestand. Die Kirche behandelt den Rücktritt formal wie den Todesfall eines Papstes: Das heißt, es wird nun das normale Verfahren zur Neuwahl des Kirchenoberhaupts eingeleitet. Die Kardinäle versammeln sich so schnell wie möglich in Rom, um einen Nachfolger für Benedikt zu bestimmen.

Papst-Rücktritt
Letzter Rücktritt vor Papst Benedikt liegt 719 Jahre zurück

Coelestin V. trat im Jahr 1294 als Gottes Stellvertreter auf Erden ab. Der alte Herr mochte lieber Mönch sein. Zuvor hatte er die Regeln zur förmlichen Abdankung des Papstes erlassen. Andere Päpste gaben den Stuhl Petri erst auf Druck frei.

Unter Kirchenexperten herrscht Einigkeit, dass sich der Papst im Fall eines Rücktritts sofort und vollständig aus allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben der Kirche zurückziehen müsste. Nur so könne gewährt werden, dass der Zurückgetretene nicht die Wahl seines Nachfolgers beeinflusst. Papst Johannes Paul II. hatte einmal gesagt, er könne sich einen "emeritierten Papst" nicht vorstellen. Generell gilt als Voraussetzung für einen katholischen Priester, dass er körperlich in der Lage sein muss, die Messe zu feiern.

Papst Benedikt tritt zurück

  1. Seite 1: "Nicht mehr genug Kraft" - Papst Benedikt tritt am 28. Februar zurück
    Seite 2: Die Erklärung des Papstes auf Radio Vatikan

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