Neuer Präsident als Symbolfigur im Kampf gegen Mafia in Italien

Rom..  Kaum gewählt, schon ein Rekord. Sergio Mattarella wird in die Geschichte Italiens eingehen als der Staatspräsident mit dem kürzesten ersten Satz, 18 Wörter im Italienischen: „Mein Gedanke gilt hauptsächlich, vor allem den Schwierigkeiten und den Hoffnungen unserer Mitbürger. Und jetzt ist’s gut. Danke.” Und dann fuhr Sergio Mattarella davon in seinem grauen privaten Fiat Panda – und zwar zu jener Gedenkstätte, wo die Nazi-Besatzer 1944 insgesamt 335 römische Geiseln abgeschlachtet haben. Stilles Gedenken. Die erste Symbolhandlung des neuen Staatsoberhaupts.

„Grauer Mann in grauen Anzügen“

Als „grauen Mann in grauen Anzügen” bespötteln ihn die in Italien, die ihn nicht so mögen, und die schärfste Kritik an Sergio Mattarella lautet: „Er lächelt nie.“ Ansonsten glich die Wahl des 73-jährigen Verfassungsrichters am Samstag durch die vereinten Kammern des Parlaments einem Triumphzug: 665 Stimmen bekam Mattarella da, das waren 160 Stimmen mehr als zur absoluten Mehrheit erforderlich. Vor allem aber waren es 220 Stimmen mehr, als Mattarellas „Erfinder“ an eigenen Abgeordneten aufbieten konnte. Das heißt: Regierungschef Matteo Renzi hat mit List und Druck und Taktik einen Erfolg erzielt. Mattarella gilt als untadeliger Verfassungsjurist mit Rückgrat. „Bei Bedarf wird er auch denen Nein sagen, die ihn gewählt haben.“ Mit diesen Worten zerstreute Renzi alle Vorwürfe, er habe eigens einen blassen Kandidaten gesucht, um selber nicht im Schatten zu stehen. International ist Mattarella ein unbeschriebenes Blatt; die letzten drei Jahre hat er als Verfassungsrichter praktisch nur über Akten gesessen; seit dem Tod seiner Frau 2012 hat er in einem kleinen Apartement des Obersten Gerichts gewohnt, zurückgezogen.

Doch Mattarella hat eine lange politische Vergangenheit: Sieben Legislaturperioden saß der Sohn eines mehrfachen Ministers bis 2008 im Parlament, zuerst für die Democrazia Cristiana, linkskatholischer Flügel; nach dem Untergang der DC vor 20 Jahren landete er bei den Sozialdemokraten, deren Gründungsmanifest er – für Romano Prodis „Olivenbaum“-Bündis – mitverfasst hat.

Mattarella gilt aber auch als Symbolfigur im Kampf gegen die Mafia: Seinen älteren Bruder Piersanti, damals Gouverneur von Sizilien, hatte 1980 die Cosa Nostra erschossen; er starb buchstäblich in Sergios Armen.