Neuer BKA-Chef kämpfte in Bremen gegen Rocker und Clans

Holger Münch ist neuer BKA-Präsident und folgt auf Jörg Ziercke. Bislang war er stellvertretender Leiter der Bremer Innenbehörde.
Holger Münch ist neuer BKA-Präsident und folgt auf Jörg Ziercke. Bislang war er stellvertretender Leiter der Bremer Innenbehörde.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Zuletzt war er Polizeipräsident in Bremen und sagte Rockerbanden und kriminellen Clans den Kampf an. Holger Münch gilt als Mann des Ausgleichs. Der Chef der größten Polizeibehörde Deutschlands ist Nachfolger von Jörg Ziercke.

Mainz.. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) hat den 53-jährigen Bremer Holger Münch am Mittwoch in sein Amt als ranghöchster deutscher Polizist eingeführt. Er löst Jörg Ziercke als Chef des Bundeskriminalamtes (BKA) ab, der die Behörde mit 5000 Mitarbeitern und einem 500-Millionen-Etat elf Jahre steuerte und jetzt in den Ruhestand geht.

Zierckes Jahre waren die nach den Terroranschlägen 2001 in den USA – dramatische Zeiten mit zwei ausgeführten und vielen vereitelten Terrortaten, dem Wegfall der Vorratsdaten-Speicherung, aber auch mit der Aufklärung der Nazi-Vergangenheit früherer BKA-Spitzenbeamter und zehn zunächst unaufgeklärten Morden der rechtsextremen Täter des NSU.

Für den Fehlschlag, die neonazistische Motivation der Mordserie und das dahinter stehende Tätertrio nicht erkannt zu haben, hat sich Ziercke, der in der Politik hohes Ansehen genießt, entschuldigt. Dabei war das BKA bei den Ermittlungen der Länderpolizeien oft außen vor gelassen worden.

Kinderpornografie Die Zeiten sind nicht mehr ganz so gefährlich wie unter dem legendären BKA-Chef Horst Herold, der in den 80er-Jahren mit Computern den Kampf mit der Roten Armee Fraktion (RAF) aufnahm. Auch hat Holger Münch bisher nicht das Image des Haudegens. Obwohl der Familienvater von 1987 bis 1991 in Meckenheim als Aufklärer und Personenschützer arbeitete, kümmerte er sich viel um Organisationsfragen. In Bremen jedoch richtete er als Polizeipräsident auch die Bekämpfung der Rockerkriminalität neu aus und musste im kriminellen Milieu gegen Tatverdächtige aus 30 Familien der Mhallamije-Kurden vorgehen. Die leben in der Hansestadt in einer Art Parallelgesellschaft. Münchs Leitgedanke war: Nicht die Volksgruppe ist kriminell, sondern einige Clanführer sind es. Der Jugend müsse geholfen werden.

Themen der inneren Sicherheit

Nicht ausweichen können wird der parteilose Polizist den großen Themen der inneren Sicherheit: Dürfen Fahnder bald doch auf gespeicherte Telefon- und Internetdaten zurückgreifen? Können sie die Daten der möglichen Straßenmaut nutzen? Werden sie am Tatort gefundene DNA einsetzen können, um im Labor Gesichtsform und Herkunft unbekannter Täter zu rekonstruieren?

Experten glauben, dass die Technik dazu schon in wenigen Jahren verfügbar ist. Absehbar Münchs Jahre.