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Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen

02.02.2009 | 23:06 Uhr

Essen. Babys in völlig verdreckten Kleidern, unterernährte Kinder, heillos überforderte Eltern. Für Kinderärzte sind diese Bilder eher Alltag als Ausnahme. Jetzt ist in NRW ein Meldesystem an den Start gegangen, das rund 900 000 Kinder vor Verwahrlosung schützen soll.

Vorsorgeuntersuchungen tun in der Regel auch gar nicht weh. Foto: WR

Die Meldepflicht für Kinderärzte wird in einem Drittel der Kommunen in Nordrhein-Westfalen schon umgesetzt. Die restlichen Kreise und Städte sollen in den nächsten Monaten folgen.

Die Ärzte melden alle Kinder, die an einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen haben, der „Zentralen Stelle gesunde Kindheit“. Diese Daten werden dann mit den Melderegistern abgeglichen. Bringen Eltern ihre Kinder nicht zur Früherkennung, bekommen sie eine Erinnerung.

„Wenn die Kinder dann trotzdem nicht zur Vorsorge zum Arzt gebracht werden, muss das Jugendamt eine Gefährdungsanalyse vornehmen“, erklärt Barbara Löcherbach, Sprecherin des NRW-Familienministeriums. Die Mitarbeiter entscheiden nach eigenem Ermessen über das weitere Vorgehen.

Kindeswohl vor Elternwohl

Für die Behörden ist das in NRW neu eingeführte Meldesystem ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Verwahrlosung von Kindern. Dr. Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein weiß, dass dieser Schritt nicht unumstritten war. „Es gab einige Auseinandersetzungen, weil durch die Meldepflicht die Elternfreiheit beeinträchtigt würde. Aber letztendlich geht das Wohl der Kinder vor.“

Wie groß das Problem ist, weiß der Kinder- und Jugendarzt aus Solingen aus seinem Praxisalltag. „Wir sehen mehrmals in der Woche Fälle von Verwahrlosung“, stellt er fest. Das reicht von verfaulten Zähnen über dreckige Bekleidung bis hin zur emotionalen Vernachlässigung. „Es gibt auch Eltern, die kümmern sich zwar um das Kind, nehmen aber gar keinen Kontakt zu ihm auf, schauen es nicht an“, erzählt er. „Da sehen wir dann Erziehungsinkompetenz. Diese Eltern brauchen Hilfe.“

Die Meldepflicht soll aber auch die Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen unterstreichen. Bei der Früherkennung können Defizite in der Entwicklung sowie gesundheitliche und psychische Störungen erkannt werden. Allerdings nehmen nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums nur rund 75 Prozent aller Kinder lückenlos bis zur Grundschulzeit an allen Untersuchungen teil.

Tücken der Technik

Die Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen. Foto. ddp

Eigentlich sollte das Meldesystem für Nordrhein-Westfalen Anfang 2009 schon komplett einsatzbereit sein, aber die Tücken der Technik haben die Arbeit behindert. „Der Datenpool ist noch nicht komplett. Das liegt unter anderem daran, dass die Meldebehörden ihre Daten mit unterschiedlicher Software pflegen. Um nun alle Namen zusammenzutragen, müssen wir noch die nötigen Schnittstellen einrichten“, erklärt Mirko Kösterke, Sprecher des Landesinstituts für Gesundheit und Arbeit NRW (LIGA). Die Daten von rund 900 000 Kindern müssen dafür gesammelt werden.

Momentan liegen die Datensätze von etwa einem Drittel der Kreise und Städte vor. „Die Ärzte bekommen dann von uns ein Starterkit und können direkt anfangen“, so Kösterke. „Die Meldebereitschaft der Mediziner ist durchweg positiv.“ Insgesamt nehmen in NRW rund 10 700 Ärzte teil.

Zurzeit sammelt die „Zentrale Stelle gesunde Kindheit“ die Benachrichtigungen der Ärzte. Eltern werden noch nicht angeschrieben, weil die Fehlerquote zu hoch wäre. Schließlich fahren viele Familien auch zu Praxen außerhalb ihrer Stadt oder ihres Kreises. „Damit beginnen wir erst, wenn wir in NRW alle Daten komplett haben“, sagt der LIGA-Sprecher. Spätestens Ende März soll es soweit sein. Dann werden auch die Jugendämter eingebunden.

Eine Evaluation will das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit dann nach einem Jahr vornehmen.

Ein wichtiger Schritt

Nach Ansicht von Dr. Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein ist die Meldepflicht ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Vernachlässigung von Kindern. „Aber man darf nicht erwarten, dass man damit Missbrauch und Misshandlung verhindern kann“, betont er. „Eltern werden ihre Kinder kaum mit offensichtlichen Spuren der Gewalt zu uns bringen.“

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Annika Rinsche

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Kommentare
03.02.2009
15:12
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von M.Kohlhaas | #20

Es ist eine typisch deutsche Wesensart, dass Dinge ständig komplizierter und mit zunehmend größeren Heerscharen von Personal und damit höheren Kosten geregelt werden.
Anstatt ein Irres System von Meldungen und Nachkontrollen durch diverse Ämter einzurichten, sollte man die eigentlich Verantwortlichen, nämlich die Eltern, in die Pflicht nehmen.
Die Eltern haben die Aufgabe, b.B. durchgeführte Vorsorgeuntersuchungen nachzuweisen.
So wäre es wesentlich effizienter, wenn Eltern selber mit dem Untersuchungsbeleg etc. zum Jugendamt gehen müßten, was allenfalls 1 Std pro Monat erfordern würde.
Dann könnte z.B. die Zahlung von Kindergeld o.ä. hiervon abhängig gemacht werden.
....es könnte so einfach sein...

03.02.2009
13:12
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von doowopwop | #19

Spruch von meiner Oma : drum prüfe, wer sich ewig bindet...

nicht der beste Disco-Tänzer ist der beste Vater, nicht der beste Stecher ist der beste Vater...nicht der das meiste Gel im Haar und die meisten Schrauben und Nägel im Kopf sind die besten Väter...
nicht der sonnengebräunteste ist der beste Vater....

03.02.2009
13:08
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von doowopwop | #18

dass sich der andere Elternteil seiner Verantwortung entzieht...

das ist doch klar....die Jungs wollen ihren Spass..aber keine Verantwortung...das sollten die Mädchen langsam auch mal wissen

03.02.2009
13:05
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von doowopwop | #17

dass sich der andere Elternteil seiner Verantwortung entzieht...
mh...heute ist es doch ein Scheidungsgrund, wenn
ein Elternteil die PS2-Sation mehr benutzt als der andere

03.02.2009
12:47
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von DanielaPolley | #16

zu 14
ziemlich daneben

Allein erziehend zu sein ist kein Hobby, sondern weist zumeist auf die Tatsache hin, dass sich der andere Elternteil seiner Verantwortung entzieht.
Das ist übel, denn die Erziehung eines Kindes ist viel Arbeit. Allein erziehen heißt meist, mit halben Gehalt, Teilzeit ohne St-Klasse III, Job, Kind, Haushalt und das Leben meistern. Also steht diesen Menschen doch eher Respekt anstelle von Hohn und Spott zu.

03.02.2009
11:20
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.02.2009
11:14
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von KevinKohlrabi | #14

Natürlich haben auch viele degenerierte Deutsche
einen nicht unerheblichen Anteil an der Misere...
wenn eine alleinerziehende Frau, 2 Kinder von 3-4 Vätern hat, dann ist das schon bedenklich..
Väterlicherseits sind dann meist alle Männer
der nörlichen und südlichen Hemnisphäre beteiligt.

03.02.2009
10:47
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von KevinKohlrabi | #13

@Berndbruns
Ich muß leider, nach allem was bekannt ist, davon ausgehen. dass in Migrantenkreisen die Kinder einen höheren Stellenwert haben als in manchen entwurzelten deutschen Asi-Familien oder überforderten alleinerziehenden Frauen

mh..da muß man unterscheiden....Jungen haben einen höheren Stellenwert als Mädchen...und das
Pauken von 1400 Jahren alten Koran-Thesen halte ich auch für eine
Art von Kindesmißbrauch.

Auch sind Impfungen (Masern, Röteln, Windpocken, Kinderlähmung usw.) verpönt bis verboten, da nicht halal, d.h. mit tierischen Grundstoffen hergestellt.

03.02.2009
09:47
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von DanielaPolley | #12

Es kommt noch so weit, dass hier niemand mehr Kinder in die Welt setzen möchte,im Hinblick auf den stengen Blick eines Kinderarztes, der hinter jedem Kratzer eine Mißhandlung sieht und hinter jedem verschmutzten Kind, eine Verwahlosung. Vor 30 Jahren waren wir allen ständig schmutzig, weil wir nicht den Tag vor TV oder PC verbrachten. Wir hatten blaue Flecken, ständig kaputte Knie, oder Lehmverschmierte Hosen. Aber wir durften KInd sein.

03.02.2009
01:26
Neue Meldepflicht soll Kinder vor Verwahrlosung schützen
von radieschen | #11

Es könnte eine Lösung sein. Nur muss auch hier gewissenhaft und lückenlos gearbeitet werden.

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