Das aktuelle Wetter NRW 18°C
CDU-Politiker

Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel

29.07.2012 | 19:06 Uhr
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
Uwe Barschel wurde 11. Oktober 1987 in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel „Beau Rivage“ tot aufgefunden.Foto: dapd

Berlin.   Fast 25 Jahre nach dem mysteriösen Tod von Uwe Barschel haben die Ermittler fremdes DNA-Material auf den Kleidern des Politikers gefunden. Der genetische Fingerabdruck liefert neues Futter für die Theorie, dass der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zum Todeszeitpunkt nicht allein war.

Es ist einer der spektakulärsten Polit-Krimis in Deutschland, gespickt mit Verschwörungstheorien und Ermittlungspannen. Seit Jahrzehnten wird darüber spekuliert, ob der mysteriöse Tod des CDU-Politikers Uwe Barschel Selbstmord oder doch Mord war. Nun kommt neue Bewegung in den 25 Jahre alten Fall. Nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ haben die Ermittler des Kieler Landeskriminalamts DNA-Spuren einer unbekannten Person auf Barschels Kleidern aus der Todesnacht entdeckt. Der genetische Fingerabdruck liefert neues Futter für die Theorie, dass der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein zum Todeszeitpunkt nicht allein war.

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Werner Kalinka, der als einer der besten Kenner der Barschel-Affäre gilt, hat die DNA-Untersuchungen 2010 angeregt. Im Gespräch mit dieser Zeitung forderte er die Lübecker Staatsanwaltschaft nun auf, erneut dem Verdacht nachzugehen, dass der Politiker ermordet wurde.

Test war 1987 noch nicht möglich

Am 11. Oktober 1987 wurde Barschel in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel „Beau Rivage“ tot aufgefunden. Während zunächst einiges – etwa Schlafmittel im Körper des Toten – auf Selbstmord hindeutete, gehen heute viele Experten davon aus, dass Barschel umgebracht wurde. Ein Hämatom an dessen Stirn, ein abgerissener Hemdknopf und Schuhfarbe auf dem Badewannenvorleger sind Anhaltspunkte dafür. Ein denkbares Mordmotiv wäre, dass Barschel über illegale Waffengeschäfte im Bilde war. Doch was sich damals genau in Zimmer 317 abgespielt hat, ist bis heute unklar.

Mysteriöser Todesfall
DNA-Analyse soll Neues im Fall Barschel bringen

Eine DNA-Analyse soll im Fall des vor mehr als 20 Jahren tot aufgefundenen CDU-Politikers Uwe Barschel neue Erkenntnisse bringen: Kleidungsstücke des Toten sollen auf fremdes Genmaterial untersucht werden.

Raum für Spekulationen bieten zudem die Ermittlungspannen, angefangen von kaum brauchbaren Polizeifotos vom Tatort und achtlos weggeworfenen Medikamentenpackungen bis hin zu gravierenden Lücken im ersten Obduktionsbericht. Damals war den Schweizer Ermittlern offenbar nicht aufgefallen, dass Barschels Leichnam Verletzungen hatte. Vor einem Jahr musste die Lübecker Staatsanwaltschaft einen schweren Patzer einräumen, die von 1994 bis 1998 ein Verfahren wegen Mordverdachts geleitet hatte: So war ein auf Barschels Hotelbett sichergestelltes Haar aus der Asservatenkammer verschwunden. Immer wieder kamen daher Gerüchte auf, dass manche staatliche Stellen gar kein Interesse an der Aufklärung des Falls hätten. Diesen Verdacht wiederholte der damalige Chefermittler Heinrich Wille in seinem Buch „Ein Mord, der keiner sein durfte.“

Staatsanwaltschaft will Spur nicht verfolgen

Dass die Kieler LKA-Experten Barschels Kleidung noch einmal unter die Lupe genommen haben, ist Kalinka zu verdanken. Er hat die Lübecker Staatsanwaltschaft 2010 aufgefordert, die Utensilien des Politikers auf genetische Spuren hin zu untersuchen. Das war 1987 so noch nicht möglich.

Das nun gefundene DNA-Material lässt offenbar keinen Rückschluss auf das Geschlecht der Person zu. Es soll aber noch gut genug sein, um es mit möglichen Verdächtigen vergleichen zu können. Die Lübecker Staatsanwaltschaft will die neue Spur dennoch nicht weiterverfolgen. „Die Untersuchungsergebnisse bieten keine zureichenden Anhaltspunkte, die es erlaubten, eine Linie zu eventuell tatverdächtigen Personen zu ziehen“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Thomas-Michael Hoffmann der „Welt am Sonntag“. Kalinka kann dies nicht nachvollziehen. „Ich erwarte, dass die Staatsanwaltschaft ihre Haltung noch einmal überdenkt.“

Daniel Freudenreich



Kommentare
31.07.2012
08:01
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
von hercules150 | #5

Das wird nie Aufgeklärt, weil es nicht auf geklärt werden soll und an einen Selbstmord glaubt doch so wieso keiner. Damals nicht und Heute auch nicht.

30.07.2012
15:36
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
von buntspecht2 | #4

DNA-Spur unbrauchbar

30.07.2012
08:34
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
von randori20 | #3

Vielleicht sind es einfach nur die DNA Spuren, der Kraft, die die Kleidung nach der letzten Reinigung in der Hand hatte. Es gibt wohl noch tausend andere einfache Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit hier die DNA eines mutmaßlichen Täters zu haben dürfte die unwahrscheinlichste sein.

29.07.2012
23:20
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
von donfernando | #2

Hoffentlich hat man die DNA Proben der in den letzten 25 Jahren verstorbenen Verdächtigen aufbewahrt, damit man was zum Vergleichen hat....

29.07.2012
23:00
Neue DNA-Spur im Fall Uwe Barschel
von bonafide | #1

Hmm..wahrscheinlich hatte der seine Geliebte dabei.
Wer interressiert sich denn heute noch für den Tod von Barschel?
Der war lebend suspekt und wirkte immer irgendwie "wie beim lügen erwischt" und sein Tod wurde genauso suspekt durch die Medien gejagt. Verschwörungstheorien sind immer gut für den Verkauf.

Aus dem Ressort
EU-Außenminister beraten über Ukraine und Irak
EU
Die Außenminister der 28 EU-Staaten beraten in Mailand über die sich verschärfende Krise in der Ukraine. Von dem informellen Treffen werden keine Entscheidungen erwartet, sagten Diplomaten.
Russische Soldaten in der Ukraine - Putin fordert Waffenruhe
Ukraine-Krieg
Die Warnungen aus dem West haben Russlands Präsident Wladimir Putin nicht aufgehalten: 1000 russische Soldaten befinden sich nach westlichen Angaben auf ukrainischem Terrain. Merkel und Obama sind sich einig: Das darf nicht folgenlos bleiben. An ein militärisches Eingreifen ist aber nicht zu denken.
Arbeitsmarkt laut Studie seit Hartz IV nicht besser geworden
Sozialreform
Zwei Untersuchungen der Uni Duisburg befassen sich mit Hartz IV. Nach zwölf Jahren ist der Arbeitsmarkt nicht gesünder geworden, sondern nur zu Lasten der Arbeitnehmer flexibilisiert worden und darum erstarrt. Eine weitere Studie besagt, dass Menschen in Städten stärker von Leistungen abhängig sind.
Christen im Irak - Enttäuscht von den muslimischen Nachbarn
Irak
Bei der Eroberung der irakischen Stadt Mossul durch IS-Terroristen musste die christliche Gemeinde fliehen. „Mein Volk ist verzweifelt. Wir brauchen Hilfe“, sagt der Erzbischof von Mossul, Emil Shimoun Nona, bei seinem Besuch in Deutschland. Er dankte den Lesern der Funke-Gruppe für ihre Spenden.
Obama schließt Eingreifen von US-Militär in der Ukraine aus
Ukraine-Konflikt
US-Präsident Barack Obama hat eine militärische Lösung der Ukraine-Krise ausgeschlossen. Bei der diskutierten Ausweitung der Bekämpfung der Terror-Miliz IS in Syrien und Irak trat Obama bei am Donnerstag auf die Bremse: "Wir haben noch keine abschließende Strategie", sagte der US-Präsident.
Umfrage
Ein Landtags-Abgeordneter der Grünen hat in Dortmund Zigarettenplakate überklebt — eine Straftat. Meinen Sie auch, dass Tabakwerbung komplett verboten werden muss?

Ein Landtags-Abgeordneter der Grünen hat in Dortmund Zigarettenplakate überklebt — eine Straftat. Meinen Sie auch, dass Tabakwerbung komplett verboten werden muss?