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Guttenberg

Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel

13.12.2011 | 15:25 Uhr
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
Karl Theodor zu Guttenberg bei der Pressekonferenz zu seinem neuen Job bei der EU-Kommission.

Essen.  Karl Theodor zu Guttenberg wird die EU-Kommissarin Kroes in Sachen Internet beraten. Doch was soll der Freiherr eigentlich genau machen? Netzaktivisten und -politiker sind ratlos. Ihre Befürchtung: Der US-Datenlobby ist mit der Besetzung ein einflussreicher Posten geschenkt worden.

Karl Theodor zu Guttenberg stößt derzeit auf wenig Gegenliebe. Seine Comeback-Versuche von Halifax über Zeit-Interview bis zu seinem neuen Posten als Internetberater der niederländischen EU-Kommissarin Neelie Kroes sind in den Medien zerrissen worden. Zu früh, zu eitel, zu selbstgerecht – so oder ähnlich werden seine Auftritte wahrgenommen.

Doch seine neue Stelle als EU-Internetberater kostet den Freiherr nicht nur Sympathiewerte, sie sorgt bei Netzaktivisten und Internetpolitiker für Entsetzen und große Sorge. Christopher Lang, Pressesprecher der Piratenpartei, versteht nicht „wie ein ehemaliger Zensor, jemand, der sich für die Vorratsdatenspeicherung stark gemacht hat, die Netzgemeinde vertreten soll“. Das Vertrauen zwischen Netzaktivisten und Guttenberg sei erheblich gestört „immerhin waren wir es, die seine Doktorarbeit entlarvt haben“. Zudem, davon ist Lang überzeugt, besitze Guttenberg „keinerlei Kernkompetenzen“ im Bereich Netzpolitik.

Netzpolitik liegt Guttenberg tatsächlich am Herzen – doch besonders freiheitlich waren seine Ansichten bisher nicht

Das sieht auch padeluun, Gründer und Vorsitzender des Datenschutzvereins FoeBud sowie sachverständiges Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft im Bundestag, ähnlich. Guttenbergs neue Anstellung sei nicht mehr als ein „Praktikum mit Reisekostenzuschuss“, fachlich befähige ihn überhaupt nichts zum Netzberater. „Da gibt es andere Politiker in Deutschland, die man hätte berufen können, Dorothee Bär (CSU), zum Beispiel.“ Doch Kroes hat sich für den geltungsbedürftigen Franken entschieden. Warum? Das Thema Netzpolitik liegt Guttenberg tatsächlich am Herzen, doch in einer völlig anderen Weise, als es die liberale Kommissarin Neelie Kroes bislang verfolgte.

Guttenberg ist als nicht näher definierter „herausragender Staatsmann“ Mitglied des amerikanischen Thinktanks „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) , einer den Republikanern nahe stehenden Denkfabrik in Washington. Immer wieder gab es zwischen der EU und den USA Konflikte über die Weitergabe von Daten zur Terrorismusbekämpfung. Nicht wenige befürchten nun, dass die Platzierung des Freiherren in Brüssel ein geschickter Coup der amerikanischen Datenlobby sein könnte. padeluun meint: „Guttenberg hat sich bisher klar auf eine Seite geschlagen; die der Überwachung und Kontrolle. Er ist als amerikanischer Lobbyist in Brüssel“.

Was soll der Freiherr als Internetberater eigentlich machen? Das weiß keiner so genau.

Das befürchtet auch Jan Philipp Albrecht, der für die Grünen im EU-Parlament sitzt. Der Internetexperte hat die Berufung Guttenbergs zum Anlass für eine Anfrage an das EU-Parlament genommen. Albrecht will wissen, wie die Entscheidung zustande kam, welchen Mehrwert sich die Kommission vom Engagement des Freiherrn verspricht – und was der ehemalige Verteidigungsminister in seinem neuen Job denn überhaupt machen werde.

Eine Frage, die bisher niemand wirklich beantworten kann. Guttenberg soll sich im Sinne der „Guten“ einsetzen, die im arabischen Frühling für ihre Bürgerrechte kämpfen. Software und Hardware an Blogger verteilen, „einfache und hilfreiche Werkzeuge, um die Zensur zu umgehen“, so beschreibt Kroes das Aufgabenfeld ihres neuen Beraters. Denn: „Die Freiheit der Meinungsäußerung ist eines der vordringlichsten Bürgerrechte in der Europäischen Union.“ Wie konkret Guttenbergs Engagement für die Freiheit der arabischen Welt aussehen soll, darüber zerbricht sich zum Beispiel Stephan Urbach den Kopf.

Urbach unterstützt den arabischen Frühling mit elektronischer Infrastruktur

Urbach, der sich auch in der Piratenpartei engagiert, macht seit Monaten das, was nun auch Guttenbergs Aufgabe werden soll. Mit „Telecomix“, einem losen Netzwerk von internationalen Computerfreaks, unterstützt er die Revolutionen im nahen Osten mit Know-How und Zensur-Umgehungs-Tricks. Als Aktivist des elektronischen Hilfsdienstes verschickt Urbach Faxe mit Telefonnummern, über die sich die Oppositionellen in Ägypten oder Syrien an der Zensur vorbei ins Netz einwählen können, er schmuggelt Videos und Berichte aus Syrien an deutsche Medien und prangert an, wie westliche Softwarefirmen die Zensur des Regimes unterstützen. Europäische Netzaktivisten wie Urbach stellen die Infrastruktur bereit, derer sich die Bürgerrechtler im arabischen Frühling bedienen.

Ägypten jubelt

 

Viele befürchten, dass Guttenberg neuer Job Kalkül sein könnte

In Guttenbergs Agenda kommen sie dagegen nicht vor. „Guttenberg redet von Bloggern, großen Playern in den USA – dabei sind die gar nicht so wichtig für die Bewegung“, so Urbach. Ob Unwissenheit oder politische Absicht; Urbach befürchtet, dass der neue EU-Netzberater sich auf Firmen, Geheimdienste und ein oder zwei bekannte Blogger konzentrieren wird. Beim Graben der virtuellen Tunnel wird der Freiherr wohl nicht behilflich sein. „Er hat ausdrücklich nicht die Aktivisten in Europa erwähnt – und bisher hat er uns auch immer bekämpft, zum Beispiel in der Vorratsdatenspeicherung“, so Urbach weiter.

padeluun, Albrecht und Urbach – sie alle eint eine Befürchtung: dass Guttenbergs neuer Job mehr ist als nur ein PR-Coup, mehr als eine Rückkehr aufs politische Parkett. Sein bisheriges Engagement im Bereich Internet, Freiheit und Kontrolle, das offensive Werben seiner Frau für mehr Sperren im Netz, seine Mitgliedschaft im CSIS – all das deute darauf hin, dass ihm mit dem unbezahlten Job in Brüssel ein Schachzug gelungen ist, auf den er lange hingearbeitet hat – und den er in seinem Sinne nutzen wird.

Guttenberg-Zitate

 

Charlotte Theile

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Kommentare
14.12.2011
09:42
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von ejd | #23

Keine Angst. Gutti wird das Rad nicht neu erfinden. Er wird halt wie bisher weitermachen und andere Ideen kopieren.

13.12.2011
22:45
Guttenberg in die Produktion
von Stefan2 | #22

Guttenberg hat in Bezug auf die Plagiatsaffäre einmal selbstkritisch bekannt, wenn er drei Handlungsoptionen gehabt habe, habe er sich immer für die schlechteste entschieden. Dabei ist es wohl leider geblieben.

Ich habe den Eindruck, bei ihm ist die Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen, die Moralbildung noch nicht vollendet. Normalerweise vollzieht sie sich in weiten Teilen im Jugendalter. Bei Herrn Guttenberg vollzieht sie sich leider zu unser aller Lasten, nämlich vor der Weltöffentlichkeit, mit unserem Steuergeld und ungewissem Ausgang.

Drei bis vier Jahre in der Produktion wären dafür sicher besser geeignet. Dort würde er wahrscheinlich auch erstmal ziemlich viel kaputt machen, aber davon wären nicht so viele Menschen betroffen und es wäre nicht so teuer für die Gemeinschaft.

13.12.2011
21:30
Scharlatanismus
von heidelbergensis | #21

Vielleicht kommen seine Jünger mal so ganz langsam dahinter,was für ein grosser nichtsnutziger Scharlatan dieser Mann ist.
Aber der Gute Deutsche läuft ja immer irgendeinen Idioten hinterher und paar Jahre später ist das Geschrei groß.

13.12.2011
20:14
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von silera | #20

Solangsam werden die Pöstchen in Brüssel aber sowas von knapp , und es warten draußen noch ne ganze Menge Gescheiterte.

13.12.2011
19:53
EU nur noch als Satire gut
von J.Amazonas | #19

Das Verhalten der EU kann man nur noch als Realsatire interpretieren: Koch-Mehrin wird zeitweilig Mitglied des Forschungsausschusses, als sie gerade ihren Doktor wegen Plagiat aberkannt bekam, Guttenberg wird Internet-Berater, nachdem gerade seine Doktorarbeit in Form einer freihändigen Netz-Collage bekannt wurde.
Jetzt wird wahrscheinlich Berlusconi noch für die Medienregulierung zuständig werden.
Einfach lachhaft. Die wollen von den Bürgern gar nicht geachtet werden. Die legen es darauf an, sich unbeliebt zu machen. Was soll das? Einfach eine Machtdemonstration? Pure Präpotenz?

2 Antworten
Könnte das der wahre Zweck sein: - die EU unmöglich machen?
von J.Amazonas | #19-1

Zuende gedacht: Guttenberg wird von Amerika nach Europa geschickt, nicht, um dies Europa aus Amerika fernzusteuern, sondern um es vor seinen Bürgern endgültig unmöglich zu machen.

Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von scouti | #19-2

@#19-2: Nannte man das nicht mal Sabotage?

13.12.2011
19:47
Gutti ist nicht die Knete ausgegangen
von meigustu | #18

sondern er ist Statthalter der Rothschilds dieser Erde in Brüssel geworden. Wenn der neue italienische Präsident von den Beraterfirmen kommt, die diese Krise gesteuert haben dann ist Guttenbergs neuer Posten nur der Einstieg.

Wir brauchen endlich ein demokratisches föderales Europa, statt dieser Kommissardiktatur.

13.12.2011
19:43
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von DifesSanoscri | #17

Und morgen holt die nette Nelly
den Dauerqualmer Helmut Schmidt
als Gesundheitsberater nach Brüssel.
Das Brüsseler Kompetenzniveau steigt und steigt ...
:-)

1 Antwort
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von Erpunktkapunkt | #17-1

Wobei ich Herrn Schmidt in diesem Falle noch mehr Glaubwuerdigkeit und Kompetenz zutrauen wuerde, als Herrn von und zu Klau und Klemm...

Verrueckte Welt

13.12.2011
19:42
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von DerMerker | #16

Ist GUTTI die Knete ausgegangen?!?
Er braucht bestimmt wie Stoiber einen Gut bezahlten Versorgungsjob ohne Inhalt!
Der Europäische Steuerzahler wird es schon richten!

13.12.2011
19:27
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von Schnuffie | #15

Mit was haben wir es verdient, dass wir uns so schnell wieder mit Herrn Guttenberg beschäftigen(müssen)! Ich kann den Namen bald nicht mehr hören, trozdem ist er überall in den Medien präsent.Der Mann hat ein Problem, er braucht die Aufmerksamkeit.

13.12.2011
19:01
Netzaktivisten befürchten Lobby-Coup Guttenbergs in Brüssel
von meuer4 | #14

Hat man da den Bock zum Gärtner gemacht?

Diese Angelegenheit hat definitiv einen sehr seltsamen Beigeschmack!!!

Die Politik aus Brüssel erschließt sich so schon den Meisten nicht mehr!!!

Das wir jetzt aus Amerika durch IHN beraten werden sollen, wenn das mal gut geht. Die Bedenken sind alle durchaus berechtigt!!!!

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