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Israel

Netanjahu von Wählern abgestraft - viel Zuspruch für Politneuling

23.01.2013 | 08:56 Uhr
Netanjahu von Wählern abgestraft - viel Zuspruch für Politneuling
Der Politneuling Jair Lapid mit seiner gemäßigten Partei Jesch Atid wies bei Parlamentswahl in Israel Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in die Schranken.Foto: ap

Jerusalem.   Der israelische Ministerpräsident Netanjahu ist von den Wählern abgestraft worden. Sein rechter Block Likud-Beitenu kam nach offiziellen Angaben nur auf 31 der 120 Sitze im Parlament. Großer Gewinner der Wahl vom Vortag war der frühere TV-Journalist Jair Lapid. Im Parlament herrscht jetzt ein Patt.

Überraschung bei der Parlamentswahl in Israel: Nach Auszählung von 99,8 Prozent der Stimmen zeichnete sich am Mittwochmorgen ein Patt zwischen den beiden dominierenden politischen Lagern ab. Sowohl der rechtskonservative Block um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch die Mitte-Links-Opposition kamen laut Medienberichten auf jeweils 60 der 120 Mandate. Da das amtliche Endergebnis noch nicht feststeht, könnten sich aber noch leichte Veränderungen ergeben.

Nach dem jüngsten Stand hätte Netanjahu die sicher geglaubte Mehrheit verfehlt und müsste sich wohl mit dem Politneuling Jair Lapid arrangieren, dessen der Mitte zugerechnete Partei unerwartet gut abschnitt. Beobachter gingen davon aus, dass der bisherige Ministerpräsident wieder mit der Regierungsbildung beauftragt wird: Er hätte wohl die größten Chancen, da zum gegnerischen Lager auch arabische Parteien zählen, die bisher noch nie in eine Koalition eingebunden waren. Netanjahu hatte die Neuwahlen in Erwartung eines sicheren Sieges vor drei Monaten angesetzt. Der frühere Fernsehmoderator Lapid mit seiner Partei Jesch Atid ("Es gibt eine Zukunft") mischte die Parteienlandschaft jedoch erfolgreich auf und stellte die Prognosen auf den Kopf.

Noch in der Nacht hatte es nach einer hauchdünnen Mehrheit für Netanjahus Lager ausgesehen, obgleich er einen herben Denkzettel verpasst bekam. Sein rechtskonservatives Bündnis aus Likud und Israel Beitenu konnte demnach 31 der 120 Parlamentssitze erwarten - deutlich weniger als die bislang 42 Mandate und auch weniger als nach letzten Umfragen zu erwarten war. Mit seinen bisherigen Koalitionären aus dem nationalistischen und ultrareligiösen Lager durfte Netanjahu dennoch auf eine wackelige Mehrheit aus 61 Mandaten hoffen.

Lapid will "gemeinsam Großes leisten"

In Rede vor Anhängern machte sich Netanjahu trotzdem für eine breit aufgestellte Regierungskoalition stark. "Die Hochrechnungen zeigen klar, dass die israelischen Bürger wollen, dass ich weiter als Ministerpräsident diene und eine möglichst breite Mehrheit(skoalition) bilde", schrieb er zudem auf seiner Facebook-Seite. Netanjahu deutete eine Reform der zahlreichen Sonderregeln für ultraorthodoxe Juden an und sprach vom Streben nach einem "echten Frieden" mit den Palästinensern, was Lapids Hauptforderungen entgegenkommt.

Nach den ersten Hochrechnungen bot er Lapid, dessen Partei demnach mit 19 Sitzen die zweitstärkste Fraktion bilden könnte, telefonisch die Zusammenarbeit an. "Wir haben die Gelegenheit, gemeinsam Großes zu leisten", gab Likud seine Botschaft wieder. Lapid hatte vergangene Woche in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP betont, er stehe nicht als "Feigenblatt" für einen unnachgiebigen Kurs im Friedensprozess zur Verfügung.

Sollte Netanjahu nun tatsächlich wie angekündigt ein breites Koalitionsbündnis anstreben, könnte dies gravierende Auswirkungen auf die Friedensbemühungen im Nahen Osten haben. So haben seine Gegner der politischen Mitte bereits erklärt, sich einer Regierung unter Netanjahu nicht anzuschließen, falls er keinen ernsthaften Vorstoß zu einer Friedenslösung mit den Palästinensern unternehme. Die Friedensverhandlungen sind in Netanjahus letzter Amtszeit ins Stocken geraten. (dapd)



Kommentare
23.01.2013
17:38
Es kann erst mal dahingestellt bleiben, wohin diese israelische Parlamentswahl führen wird,
von Ani-Metaber | #2

es wird auch einem Lapid, nach allem was bekannt ist, wichtiger sein, Geld für seine Klientel zu bekommen, als den Alltag und die Perspektiven der Palästinenser zu verbessern, wie dapd Glauben machen könnte.

Und wie ist der Alltag?
Ein angeblicher Angriff mit Molotowcocktails auf israelische Soldaten soll Anlass gegeben haben, dass heute in der Nähe von Hebron zwei palästinensische Frauen angeschossen wurden, von denen eine verstarb.

http://www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/palestinian-woman-shot-dead-by-idf-soldier-another-wounded.premium-1.495882

„IDF jeep firebombed, return fire kills Palestinian“
http://www.jpost.com/Defense/Article.aspx?id=300671
lauten dazu israelische Schlagzeilen.
Daraus auch zu entnehmen: Ein weiterer Palästinenser im Alter von 16 Jahren soll dem ihm zugefügten Kopfschuss erlegen sein, den er am letzten Freitag in Bethlehem von israelischen Soldaten erhalten hatte.

Chancen nach der Wahl?
Was wird man in Berlin nun machen, um dies zu beenden?

5 Antworten
Netanjahu von Wählern abgestraft - viel Zuspruch für Politneuling
von Der.Luedenscheider | #2-1

Der Wortlaut ist: "Initial investigation reveals that an IDF officer was ambushed by firebombs near the Al-Aroub refugee camp and opened fire, wounding two women. "

Das englische "ambush" ist zu übersetzen mit "aus dem Hinterhalt angreifen". Haaretz meldet also einen hinterhältigen Angriff von Palästinensern auf einen Jeep mit israelischen Soldaten.

2 Tote zuviel - Hintergrund darf geklärt werden
von Ani-Metaber | #2-2

Wenn Angaben zweifelhaft sind, sollte man den Konjunktiv benutzen. Unstrittig ist der Tod der Personen.
Zudem wird angegeben, nach dem behaupteten Vorfall eines „Angriffs“, sei man ausgestiegen und habe geschossen – darüber mag man spekulieren.

Den Angaben des Militärs hingegen – die ja auch als deren benannt werden – wird z.B in der Post das Zeugnis von Palästinensern entgegengestellt – die keineswegs diesen vorausgegangenen Bewurf melden. Zudem gibt es den kritischen Punkt, ob es ein Militärfahrzeug war.

Letzteres lässt den Kenner aufhorchen, denn dann bliebe möglichen Angreifern nur noch die Möglichkeit, anhand des Kennzeichens – palästinensisch oder israelisch – über die Herkunft der heran fahrenden Insassen zu spekulieren.
Spekulieren also, das möchte ich nicht, obwohl über verdeckte Operationen der Dunedain gerade in letzter Zeit berichtet wurde. Ich beschränke mich auf das unstrittig benannte.
Woche für Woche tote Palästinenser und wurden die in Funk und Fernsehen berichtet?

Netanjahu von Wählern abgestraft - viel Zuspruch für Politneuling
von Der.Luedenscheider | #2-3

Trotzdem bleibt die Übersetzung von "ambush" unstrittig. Da braucht man im deutschen nicht "angeblich" schreiben. Es war ein Hinterhalt, wie Haaretz gemeldet hat. Sonst hätte man dieses Wort nicht benutzen dürfen. Es geht um die korekteÜbersetzung aus dem englischen. Und Ihre ist mit dem "angeblich" sachlich falsch.

Wer wen und wie mit Brandbomben beworfen hat und warum die Reaktion der IDF Soldaten so ausgefallen ist, darüber streiten sich beide Parteien. Das geht aus den englischen Nachrichten hervor.

hier geht es nicht um das Übersetzen von "ambush"
von Ani-Metaber | #2-4

Beide Artikel geben an, es handelte sich diesbezüglich um die Angaben der schießenden Soldaten - die Aufnahme dieser Aussagen ist erst einmal "die Investigation".
Die Aussagen schließen ein, auf angeblich fliehende Personen geschossen zu haben - sie schreiben also am wesentlichen vorbei -
und wenn Sie sich bei Haaretz nicht registrieren lassen wollen, dann folgende Ausschnitte:
"According to a deputy commander of the Judea regional brigade, Shahar Matana, the incident occurred when he and another IDF officer were on their way from Jerusalem...The two officers left their car and one of them allegedly opened fire while the other gave chase after the young people."
und weiter:
"The two soldiers were not in the course of a military operation when the incident occurred ...There were other IDF soldiers less than a kilometer from the scene who could have been called upon to handle the disturbance. The actual shooting occurred 40 meters from the road."

Ein Grund nie mehr auf Sie einzugehen !

Netanjahu von Wählern abgestraft - viel Zuspruch für Politneuling
von Der.Luedenscheider | #2-5

"..the incident occured..." Welcher Vorfall denn? Ganz eindeutig in der Schlagzeile erkennbar: "Initial investigation reveals that an IDF officer was ambushed ..."

"Erste Untersuchungen ergaben, dass ein IDF Soldat in einen Hinterhalt geraten ist..."

Ein klar eindeutige Aussage. Da gibt es nichts dran zu deuten oder umzuinterpretieren. Wenn das schon selbst Haaretz schreibt.

23.01.2013
10:37
Gelöschter Kommentar.
von TakaTuka | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator gelöscht.

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