Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Erneuerbare Energie

Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt

17.07.2013 | 16:29 Uhr
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
Windräder bedrohen die Artenvielfalt, klagen Naturschützer.Foto: Nico Pointner

Düsseldorf.  Generell haben sie natürlich nichts gegen Windkraft. Trotzdem kritisieren Naturschützer das Vorhaben der Landesregierung, in Wäldern tausende neue Windräder aufzustellen. Die Umweltschützer sehen dadurch die Artenvielfalt bedroht. Der Konflikt stellt die Organisation vor eine Zerreißprobe.

Ausgerechnet der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird für Naturschützer in NRW zum Störfaktor. Sie sehen durch die Energiewende mit dem geplanten Zuwachs bei der Windkraft die Artenvielfalt bedroht. Die Absicht von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), in Wäldern tausende neue Windräder zu bauen, ruft im Naturschutzbund (NABU) viele Kritiker auf den Plan. „Das ist ein Riesenspagat für uns“, sagt Landeschef Josef Tumbrinck, „ich hoffe nicht, dass es uns zerreißt.“

Grundsätzlich verschließt sich auch der NABU dem Vorhaben der Landesregierung nicht, etwa Nadelwälder verstärkt für die Windkraft-Gewinnung zu öffnen. Beim Bau neuer und leistungsstärkerer Anlagen – dem „Repowering“ – müsse aber mehr Rücksicht auf den Artenschutz genommen werden. Schon seit einigen Jahren seien sogar „Allerweltsarten“ wie Feldlerche oder Kiebietz massiv bedroht.

Windkraft als Eingriff in Natur und Heimat

Viele Mitglieder, so Tumbrinck, sähen in der Windkraft einen Eingriff in die Natur und ihre Heimat. Da Ausbau und Standortsuche aber Sache einer jeden Kommune seien, entspreche die Planung vor Ort im Ergebnis häufig „Kraut und Rüben“.

Er warf der Landesregierung vor, die gesamte Steuerung der Energiewende nicht bei der Regionalplanung belassen zu haben, wo es mehr Fachkompetenz gebe. „Auch untereinander stimmen sich die Kommunen meist nicht ab“, sagte er. Dass öffne einer „mangelhaften und interessengeleiteten“ Planung Tür und Tor.

Kommentar
Grün-grüner Konflikt - von Theo Schumacher

Früher, also vor Fukushima, war alles so einfach: Atomkraft gegen Windkraft, Kohlemeiler gegen Solarzellen. Die Welt der Energieerzeugung schien klar aufgeteilt in böse und gut – ein Zustand, mit dem sich vor allem Umweltschützer bequem eingerichtet hatten.

Remmel schätzt das Potenzial von Windenergie in NRW auf bis zu 71 Terawattstunden Strom pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so viel, wie alle privaten Haushalte an Rhein und Ruhr verbrauchen. Um dies auszuschöpfen, müsse die Zahl der rund 2900 Windanlagen in NRW verdoppelt werden, sagte er bei der Vorstellung einer Studie vor einigen Monaten. Demnach versprechen Wälder in den Regierungsbezirken Arnsberg und Köln die größte Windausbeute – vor allem auch auf Flächen, die der Sturm „Kyrill“ verwüstet hat.

Naturschützer spüren Gegenwind

Aber auch die Naturschützer spüren Gegenwind. Bei einer Anhörung im Landtag hatte der Landesverband für Erneuerbare Energien vor übertriebenem Artenschutz gewarnt: „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.“ Der Verband sprach sich dafür aus, Windkraftflächen auch in Vogel- und Landschaftsschutzgebieten auszuweisen, weil ansonsten nicht genug Windzonen zur Verfügung stünden.

Rückenwind und Hilfe für den Artenschutz erhofft sich der NABU von einem neuen Leitfaden, der derzeit in Remmels Haus für die Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen erarbeitet werde. Als positiv strich Tumbrinck heraus, dass Rot-Grün den Naturschutzetat in diesem Jahr auf 36 Millionen Euro verdoppelt habe.

Theo Schumacher



Kommentare
19.07.2013
08:15
heulen-jammern-jaulen
von meigustu | #7

statt eine vernünftige Lösung zu suchen wie man ein "Sperrschild" für die Vögel errichtet.

Mein Gott wo wären wir heute wenn sich unsere Urgrosseltern heulend in die Keller gesetzt hätten statt Zukunft zu gestalten.

2 Antworten
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Otto99 | #7-1

Zum Glück haben unsere Urgrosseltern den Quatsch mit den Windrädern nicht mitgemacht, sonst ginge es uns heute wie den Nordkoreanern.

Man muss das wohl eher bedauern, das unsere Großeltern sich für Importenergie entschieden haben
von meigustu | #7-2

wenn man bedenkt, dass wir zu einem Großteil nur für die Spinnereien einiger Wüstenscheichs malochen. Die 70 Jahre hätten mit Sicherheit gereicht eine Energieerzeugung zu entwickeln, die unabhängig von Brennstoffimporten ist.

Aber Vorwürfe kann man der Generation sicherlich nicht machen, denkt man daran, das die aus einem Trümmerhaufen ein lebenswertes Land gemacht haben. Vorwürfe kann man der Generation machen, die trotz bester Voraussetzungen die falschen Energietechnologie beibehalten haben.

19.07.2013
07:40
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von blauaeugelchen | #6

Als damals die Windmühlen und Wassermühlen eingeführt wurden, ob da wohl irgendjemand auch so ein doofes Theater gemacht hat????

3 Antworten
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Otto99 | #6-1

Die waren aber nicht so hoch wie der Kölner Dom.

Da oben sind deutlich weniger Vögel zu finden
von meigustu | #6-2

als in Höhe traditioneller Windmühlen.

Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Pit01 | #6-3

#6
Die lasen auch noch keine Zeitung ;-)

18.07.2013
17:52
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von xxyz | #5

Tja wenn (Wald-)Bauer A viel Geld für die Verpachtung von ein paar qm seines Grundes für eine Windanlage erhält, sind natürlich andere, deren Häuser an Wert verlieren, sauer.
Da hat die empfindliche Öko-Seele dann auch ganz schnell Probleme mit dem Infraschall, obwohl wir ihn gar nicht wahrnehmen können. Das liegt dann wohl eher am Neid, dass der Nachbar mit den verpachteten Flächen mit dem Schwimmen im Geldspeicher beschäftigt ist.

Dass Banken, Projekt-Firmen etc. an der Gelddruckmaschine insbesondere im Norden verdienen ist ein anderes Thema. Aber wir in NRW überweisen ja mit unserer Stromrechnung gerne riesige Beträge ins Bayernland (Solar) und in den Norden (Wind).

Was soll eigentlich das Austauschen von Anlagen?
Ist es nicht sinnvoller, einfach eine 2. zu bauen? Die Nutzungsdauer dürfte bisher ja kaum überschritten worden sein. Entlang von Strassen etc. ist doch genug Platz.

Die Ökos müssen auch mal gestalten. BW hat über EnBW immer noch AMWs trotz grüner Regierung.

18.07.2013
16:34
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von jessiesrevenge | #4

tja wenn man die alten Zechengebiete nicht als Touristenattraktion und neue Industriefläche nutzen würde, wäre sicher genug Platz gewesen, so is natürlich eher dumm gelaufen, bin mal gespannt wie da wieder rauskommen wollen lol...

18.07.2013
14:33
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von donfernando | #3

Tja, es ist alles nicht so einfach. Ein grün-grüner Konflikt, wobei die Grünen derzeit ein bisschen so aussehen, als seien sie einfach irgendwie gegen alles, was auf den Tisch kommt. Notorische Nörgler eben.
Man könnte schon fast annehmen, die Frau Merkel hätte das irgendwie geahnt, als sie sozusagen im Alleingang diesen Atomausstieg in die Tat umsetzte. Also dass es dadurch aber ziemlich eng wird für die Grünen, wenn einer herkommt, und ihre Forderungen erfüllt.
Denn wer will die "Spinner" noch wählen, wenn es wegen ihrer Artenvielfalt bald gar keine Energiegewinnung mehr gibt...?




18.07.2013
14:28
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Broncezeit | #2

Tja ihr lieben Grünen, da steckt ihr wohl in einer Zwickmühle.

18.07.2013
14:27
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Ex-Leser | #1

Diese sogenannten Natürschützer fürchten sich vor allem:

Atomstrom, "Kohlestrom", "Windstrom", Wasserkraft, Solarstrom, Gezeitenkraftwerke.

Nur vor der Steckdose, da haben sie keine Angst.

Aber ich kann se ja verstehen, ich habe letztens erst wieder so einen Haufen geschredderter Vögel unter so einer Windkraftanlage gesehen.

2 Antworten
Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von DKWF12 | #1-1

Die Behauptung: Windräder würden Vögel schreddern, erstaunt mich, bei 12 – 16 Umdrehungen in der Minute und den Abständen zwischen den Rotorblättern, immer wieder.

Naturschützer fürchten wegen Windrädern um Artenvielfalt
von Pit01 | #1-2

#1
Komisch, ich habe noch nie tote Vögel unter einer Windkraftanlage gesehen. Halluzinationen?

Aus dem Ressort
Putins fliegende Museen steigen zu Machtdemonstrationen auf
Russland
Die Nato ist beunruhigt über außergewöhnlich umfangreiche Manöver der russischen Luftwaffe über den europäischen Meeren. Seit Dienstagnachmittag seien mehrere Langstreckenbomber und andere Militärflugzeuge an den Nato-Grenzen identifiziert worden. Auch deutsche Kampfjets stiegen auf.
Kobanes Kurden erhalten Verstärkung und hoffen auf die Wende
Syrien
Die kurdischen Verteidiger von Kobane wittern Morgenluft. Endlich traf die langersehnte Verstärkung ein. Die Türkei erlaubte, wohl auf massiven Druck der USA, den Truppen, die Grenze nach Syrien zu überschreiten. Steht nach Ankunft der Peshmerga eine Wende im Kampf gegen IS-Terroristen bevor?
Wut in der GDL - Weselsky "will nur sein Ego befriedigen"
Streik
Nicht alle Mitglieder der Lokführer-Gewerkschaft GDL wollen der harten Linie ihres Chefs Claus Weselsky folgen. In der Gewerkschaft herrsche ein Klima der Angst, sagen sie und fordern den streitbaren Gewerkschaftsboss auf, von seiner kompromisslosen Haltung im Tarifkonflikt mit der Bahn abzurücken.
Gesundheitsministerin streicht Beamten die Grippe-Impfung
Sparzwang
Das Spargebot der Landesregierung macht auch vor den eigenen Mitarbeitern nicht halt: Im NRW-Gesundheitsministerium fällt dieses Jahr die betriebliche Grippeschutzimpfung aus. Den Mitarbeitern wird empfohlen, sich beim Arzt impfen zu lassen. Der eingesparte Betrag hält sich in Grenzen.
In Nigeria entführter Deutscher ist wieder frei
Befreiung
Der deutsche Mitarbeiter eines Bauunternehmens ist wieder frei. Der Mann war in Nigeria von Bewaffneten entführt, ein zweiter Mann erschossen worden. Zwischenzeitlich hatte es geheißen, die Kidnapper verlangten Lösegeld. Zu Einzelheiten um die Befreiung hielt sich das Unternehmen nun bedeckt.
Umfrage
Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet . Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?

Samstag ist Feiertag, die Geschäfte haben geschlossen - dafür sind am Sonntag in vielen Städten die Geschäfte geöffnet. Was halten Sie von verkaufsoffenen Sonntagen?