Nach Bürgermeister-Rücktritt - Wie es in Tröglitz weitergeht

Markus Nierth fühlt sich vom Landkreis und der Nachbarschaft, aber auch den Parteien alleingelassen.
Markus Nierth fühlt sich vom Landkreis und der Nachbarschaft, aber auch den Parteien alleingelassen.
Foto: Jan Woitas/Archiv
Was wir bereits wissen
Der Rücktritt des Bürgermeisters nach Anfeindungen von Asylgegnern brachte das kleine Tröglitz in die Schlagzeilen. Nun sucht der Ort nach Auswegen.

Tröglitz.. Über Nacht richteten sich Anfang März alle Augen auf den kleinen Ort Tröglitz im südlichen Sachsen-Anhalt. Der ehrenamtliche Bürgermeister der 2700-Einwohner-Ortes war zurückgetreten, weil Rechtsextremisten direkt vor seiner Haustür gegen ein geplantes Asylbewerberheim demonstrieren wollten. Markus Nierth fühlte sich nicht ausreichend geschützt - und alleingelassen von Landkreis, Parteien und Nachbarschaft.

Damit trat der parteilose Ortsbürgermeister eine bundesweite Debatte los. Noch am Wochenende nannte es Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) "unerträglich", dass mittlerweile eine ganze Reihe von Bürgermeistern samt Familien bedroht würden, weil sie sich für Flüchtlinge einsetzten. Im "Tagesspiegel" sagte er den Betroffenen "vollste Solidarität" zu.

Doch in Tröglitz muss es irgendwie weitergehen. Am Dienstag will der zuständige Landrat auf einer Versammlung den Stand der Planungen vorstellen.

Worum geht es?

Rechte Gewalt Der Burgenlandkreis möchte in Tröglitz 40 Flüchtlinge in einem Mehrfamilienhaus unterbringen. Wenige Tage nach Nierths Rücktritt wurden entsprechende Pläne vom Kreisrat beschlossen. Zuvor hatten sich die Gerüchte schon monatelang im Ort ausgebreitet. Viele Tröglitzer waren verunsichert, mehrere NPD-Mitglieder organisierten jeden Sonntag Anti-Asyl-Demos. Eine engagierte Gruppe um Nierth lud derweil zu Friedensgebeten in die Kirche ein.

Was passiert jetzt in Tröglitz?

Der Ortsteilbürgermeister ist zurückgetreten, die Demonstrationen haben aufgehört. Zuletzt brachten die Asylheim-Gegner Mitte März rund 180 Teilnehmer eines Protestmarsches auf die Straße - Tröglitzer wie Angereiste. Seitdem ist Ruhe. Es sei bisher keine weitere Versammlung angemeldet, sagte ein Sprecherin des zuständigen Burgenlandkreises.

Die Friedensgebete in der Tröglitzer Kirche hingegen sollen auch im April und im Mai weitergehen. "Etwa 100 Menschen kommen bisher jeden Sonntag", schätzt Pfarrer Matthias Keilholz. Viele Tröglitzer seien seit Nierths Rücktritt aktiv geworden. Es gebe Überlegungen für einen Runden Tisch, um ehrenamtliche Hilfe für die künftigen Nachbarn zu organisieren.

Womit wird sich die Einwohnerversammlung beschäftigen?

Landrat Götz Ulrich (CDU), der zu dem Treffen in Tröglitz am Dienstagabend eingeladen hat, formuliert es so: "Ich weiß, dass es unter der Tröglitzer Bevölkerung viele Fragen zur Unterbringung der Asylbewerber gibt." Sie sollen an dem Abend beantwortet werden. Zudem will eine Initiative die "Tröglitzer Erklärung" vorstellen.

Nazi-Drohungen "In diesem Positionspapier erklären wir, dass wir den Flüchtlingen freundlich begegnen und Vorurteile abbauen wollen", sagt Pfarrer Matthias Keilholz. Er hofft, das möglichst viele Tröglitzer die Erklärung unterschreiben und mittragen. "Viele Vorurteile sitzen in den Köpfen der Menschen sehr fest."

Wer wird neuer Ortsteil-Bürgermeister?

Das ist weiterhin offen. Zwei Monate ist Zeit, um einen Nachfolger zu bestimmen, gerechnet vom Rücktritt Anfang März. Bis dahin füllt Nierths Stellvertreter Joachim Laake die Lücke. Dieser sei 71 Jahre alt und werde wohl nicht kandidieren, sagt Manfred Meißner. Er ist der Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Elsteraue. Ende April könnte in einer Sitzung des Ortschaftsrates der neue Bürgermeister gewählt werden. Acht Tröglitzer gehören dem Gremium an, darunter Nierth. Einen konkreten Kandidaten gibt es laut Meißner noch nicht. (dpa)