Mutmaßlicher Top-Terrorist stirbt kurz vor Prozess in USA

New York..  15 Monate nach ­seiner Entführung in Libyen durch einen US-Kommandotrupp ist der mutmaßliche Al-Kaida-Terrorist Abu Anas al-Libi in New York gestorben. Das meldete die „Washington Post“ unter Berufung auf seinen ­Anwalt. Al-Libi hätte in Kürze wegen Mordverschwörung vor Gericht stehen sollen. Am 12. Januar sollte die Auswahl der Geschworenen beginnen.

Anschläge auf Botschaften

Al-Libi (50), eigentlich Nasi ­Abdul-Hamed al-Rukai, soll für zwei Sprengstoffanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mitverantwortlich gewesen sein. Damals waren 224 Menschen getötet worden, darunter zwei CIA-Mitarbeiter. Laut Anklage soll er 1993 und 1995 die Botschaft in Nai­robi ausspioniert und den Sprengstoffanschlag drei Jahre später vorbereitet haben. Die Anschläge sollen eine Vergeltung der Al-Kaida für einen US-Militäreinsatz in Somalia gewesen sein.

Der Libyer war einer der meistgesuchten Terroristen der Welt; die USA hatten fünf Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Wegen der beiden Anschläge sollten neben Al- Libi auch der Saudi Chalid ­al-Fauas und der Ägypter Adel Abdel Bari vor Gericht gestellt werden. Al-Libi soll sich in den frühen 90er-Jahren der Terrororganisation von Osama bin Laden angeschlossen haben. Er hatte um politisches Asyl in Großbritannien gebeten, kehrte nach dem gewaltsamen Sturz des libyschen Macht­habers Muammar al-Gaddafi aber in seine Heimat zurück.

Er litt an Leberkrebs

Am 5. Oktober 2013 war Al- Libi in der libyschen Hauptstadt Tripolis von einem amerikanischen Kommando gefasst und auf das Kriegsschiff „San Antonio“ gebracht worden. Von dort aus kam er nach New York in eine Klinik. Der ­„Washington Post“ zufolge litt er an Leberkrebs.

Die damalige libysche Regierung hatte die Verschleppung Al-Libis aus Tripolis als Ver­letzung der libyschen Souve­ränität verurteilt. Die USA erhofften sich von Al-Libi Informationen über Al-Kaida.