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Muslimisches Leben zeigen

06.07.2007 | 00:34 Uhr

Mit der 29-jährigen Islamkunde-Lehrerin Lamya Kaddor startet im Internet des ZDF eine Sendereihe mit Muslimen über Muslime in Deutschland

Duisburg. In 3264 Sendungen hat das "Wort zum Sonntag" nicht die Sprengkraft entwickelt, die das "Wort zum Freitag" mühelos hervorrief - und das war bloß ein Arbeitstitel. Für die Pläne des ZDF, im Internet eine Sendung mit Muslimen über Muslime in Deutschland aufzubauen. Die schärfsten Worte der Diskussion fand Markus Söder, der CSU-Generalsekretär, also gleichsam ihr hauptamtlicher Raufbold: "Deutschland braucht keinen Moschee-Sender", verkündete er und fantasierte öffentlich vor sich hin, "aggressive Islamgruppen könnten diese Internet-Plattform für ihre Zwecke nutzen".

Hallo? Wir reden über das ZDF. Bekannt aus Funk und Fernsehen.

Nun ist die Sendung seit Freitag als "Forum am Freitag" im Netz, ein Titel, der beim schlimmsten Willen keine Angriffsfläche mehr bietet; und statt bitterer Prediger vor grünem Hintergrund kriegt man die 29-jährige Lamya Kaddor vor einer Bücherwand zu sehen. Teilnehmerin am Integrationsgipfel, keine Kopftuchträgerin, gläubige Muslima und liberal zurecht: "Islam und Westen kann man zusammenbringen", sagt sie.

Die Islamwissenschaftlerin steht im Zentrum der Auftaktsendung und erzählt darin aus ihrem Beruf: Islamkunde zu unterrichten an einer Hauptschule in Dinslaken. Was kein Religionsunterricht ist, sondern Wissensvermittlung über den Islam und seine Werte. "Wenn mich ein Schüler nach Ehrenmord fragt, verurteile ich das als Mensch", sagt Kaddor, "als Lehrerin frage ich: Wie kann jemand das muslimisch begründen? Aus dem Koran geht das nicht hervor."

Lamya Kaddors Eltern kamen aus Syrien her, der Vater war Maschinenbauer. In Ahlen wird sie geboren, wohnt heute in Duisburg, arbeitet in Dinslaken und Münster. Hat beide Staatsangehörigkeiten, weil man die syrische nicht ablegen kann. "Mein Interesse an der Sendung ist, Muslimen und Nicht-Muslimen muslimisches Leben zu zeigen anhand von Personen", sagt sie. Genau das ist das Konzept des Forums: In jeder Woche steht ein anderer Muslim im Mittelpunkt. Lehrer, Schriftsteller, Theologen, Filmemacher, Verbandsvertreter. Zusammen mit Chats und Diskussionsforen soll die Sendung, so Programmdirektor Thomas Bellut, "eine Plattform für den Dialog zwischen den Kulturen schaffen und so einen Beitrag zur Integration leisten."

Reichlich Dialogbedarf, allerdings innerislamisch, entstand schon, als Lamya Kaddor vor fünf Jahren in Dinslaken antrat. Die meist türkischen Eltern ihrer Schüler erwarteten "eine Kopftuchträgerin mittleren Alters, die perfekt türkisch spricht" - all das ist sie nicht. Und hatte anfangs ihre Probleme: "Was ich über den Islam unterrichte, entspricht nicht immer deren Vorstellungen." Öfter seien Eltern zum Hodscha geeilt, um nachzufragen, ob es mit dem Islam der Frau Kaddor seine Richtigkeit habe: "Der hat das dann bestätigt, und dann war es gut." Bis heute erfreut sie sich an dem Satz eines Kindes, das nach einer solchen Rückversicherung zu ihr sagte: "Unsere Eltern müssen auch lernen." Angelegt ist das Forum auf zunächst ein Jahr, Zukunft im Fernsehen nicht ausgeschlossen; und schon die Redaktion "Kirche und Leben", die es verantwortet, gilt als vergleichsweise geimpft gegen Söders "aggressive Islamgruppen": Sie ist nämlich ausgeglichen besetzt.

Aus Katholiken und Protestanten.

Von Hubert Wolf

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