Muslimische Verbände fordern islamische Feiertage in NRW

Das Ramadan-Fest am Ende des Fastenmonats ist für Muslime einer der höchsten Feiertage. Deshalb fordern Islam-Verbände, dass dieser Tag auch in NRW als offizieller Feiertag anerkannt wird.
Das Ramadan-Fest am Ende des Fastenmonats ist für Muslime einer der höchsten Feiertage. Deshalb fordern Islam-Verbände, dass dieser Tag auch in NRW als offizieller Feiertag anerkannt wird.
Foto: Pavel Rahman/AP/dapd
Was wir bereits wissen
Der Vertrag, den islamische Verbände mit der Stadt Hamburg geschlossen haben, weckt Begehrlichkeiten: Nun fordern auch Muslime in NRW die Einführung islamischer Feiertage. Beim islamischen Religionsunterricht sind die Muslime in NRW nach Angaben aber weiter als die Hamburger.

Essen.. Muslime in NRW gucken in diesen Tagen neidisch nach Hamburg. Dort haben islamische Verbände und die Stadt einen Vertrag unterzeichnet, der islamischen Bürgern in der Hansestadt eigene Feiertage zusichert. Sobald der Vertrag in Kraft getreten ist, dürfen muslimische Arbeitnehmer zum Ramadan-Fest am Ende des Fastenmonats und am Opferfest zu Hause bleiben. Allerdings müssen sie entweder Urlaub nehmen, auf ihren Lohn verzichten oder die Arbeitszeit nachholen. Eine ähnliche Regelung haben mehrere Bundesländer vor einigen Jahren für den evangelischen Buß- und Bettag geschaffen.

Eine solche Regelung wünschen sich Muslime in NRW auch. "Wer an einem muslimischen Feiertag frei haben will, muss das beantragen", erklärt Erol Pürlü, Dialogbeauftragter des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Ob muslimische Schüler an den Feiertagen dem Unterricht fernbleiben dürfen, entscheidet die Schulleitung. Im Sinne einer gleichberechtigen Behandlung mit Christen fordert der VIKZ, dass NRW eine ähnliche Regelung einführt wie Hamburg. Der VIKZ ist einer von fünf Vertragspartnern der Stadt Hamburg. Daneben haben der Landesverband der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), der Rat der Islamischen Gemeinschaften (Schura) und die Alevitische Gemeinde das Abkommen unterzeichnet.

Im DITIB-Regionalverband Essen ist man überzeugt davon, dass islamische Feiertage über kurz oder lang auch in NRW eingeführt werden. "Das wird auf jeden Fall kommen", sagt Kassenführer Murat Karaca. Für ihn steht gar nicht im Mittelpunkt, dass Arbeitnehmer an den beiden höchsten islamischen Feiertagen nicht arbeiten müssen. "Mir würde es schon reichen, wenn die Kinder nicht zur Schule müssten", sagt der Vater von drei Kindern.

Arbeitskreis der Grünen schließt sich Forderung nach islamischen Feiertagen an

Die Idee findet Anklang in der Politik. Der Arbeitskreis Grüne MuslimInnnen, eine Gruppierung mit nach eigenen Angaben 15 bis 20 aktiven Mitgliedern innerhalb des Grünen-Landesverbandes, schließt sich der Forderung an. "Bislang sind muslimische Arbeitnehmer darauf angewiesen, dass ihr Chef kulant ist und ihnen an Feiertagen frei gibt", sagt Hasret Karacuban, Sprecherin des Arbeitskreises. Mit einem Staatsvertrag wie in Hamburg hätten Muslime einen Rechtsanspruch, auf den sie sich berufen können.

Allerdings rechnet Karacuban nicht damit, dass ein solcher Vertrag in NRW in naher Zukunft geschlossen wird. Dafür sei der Dialog zwischen der Landesregierung und dem Koordinierungsrat, der Muslime (KRM), der die islamischen Verbände in den Verhandlungen mit der Landesregierung vertritt, noch nicht weit genug fortgeschritten.

Katholische Kirche äußert sich noch nicht zu islamischen Feiertagen in NRW

Der Islamrat, einer der Dachverbände islamischer Verbände in Deutschland, möchte sich zu dem Thema nicht äußern. Aktuell gebe es keinen Anlass, diese Diskussion anzuheizen, sagte ein Sprecher. Beim Ditib-Landesverband in Köln war kein Sprecher zu erreichen.

Das Kommissariat der Bischöfe, das in landespolitischen Belangen für die fünf Bistümer in NRW spricht, bittet um Geduld. Man habe sich bislang nicht mit den Bischöfen absprechen können, deshalb könne man zu diesem Thema noch nicht Stellung beziehen.

Islamunterricht startet nach 30 Jahren Planungsphase

Das zweite große Thema, dass die Muslime in Hamburg mit dem Staatsvertrag angehen, ist der islamische Religionsunterricht. Der Vertrag sieht vor, dass die muslimischen Gemeinden und die evangelische Kirche gemeinsam die Verantwortung für den gemeinsamen Religionsunterricht an staatlichen Schulen übernehmen. Wie genau das in der Praxis funktioniert, soll in einer fünfjährigen Probephase getestet werden.

"Da sind wir in NRW schon weiter", sagt VIKZ-Sprecher Pürlü. An NRW-Schulen startet bereits nach den Sommerferien der Islam-Unterricht. Die Inhalte dieses neuen Schulfachs legt ein Beirat fest. in dem Vertreter der Landesregierung und der islamischen Gemeinden sitzen. Die christliche Kirche bleibt außen vor. Verfassungsrechtler befürchten aber, dass das Beirats-Konstrukt verfassungswidrig sein könnte, weil es die Trennung zwischen Staat und Kirche verwässert. Zudem fehlen noch Lehrer, erst 2019 werden die ersten Absolventen des neuen Studiengangs "Islamische Religionslehre" für den Schuldienst zur Verfügung stehen.

NRW ist damit das erste Bundesland, das einen solchen bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht einführt. Die Planungen dafür haben nach Angaben der Landesregierung vor 30 Jahren begonnen. Wenn sie das lesen, haben Muslime in Hamburg vielleicht auch einen Grund, neidisch nach NRW zu gucken.