Muslime demonstrieren vor Medienhäusern für Meinungsfreiheit

Moscheegemeinden in Deutschland starten an diesem Freitag an vielen Orten Mahnwachen für Pressefreiheit.
Moscheegemeinden in Deutschland starten an diesem Freitag an vielen Orten Mahnwachen für Pressefreiheit.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Muslime in Deutschland wollen sich an diesem Freitag schützend vor die Medien stellen - mit Mahnwachen für Pressefreiheit, auch an Rhein und Ruhr.

Köln.. Moscheegemeinden in ganz Deutschland veranstalten an diesem Freitag Mahnwachen für Meinungsfreiheit vor dem ZDF in Mainz, dem Springer-Verlag in Berlin, RTL in Köln und anderen Medienhäusern. Organisiert werden die Kundgebungen nach den Freitagsgebeten von der Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion, Ditib. Deren Vorsitzender Nevzat Yasar Asikoglu sagte am Donnerstag in Köln, nach den Anschlägen von Paris reichten politische Stellungnahmen nicht aus. "Wir sind nicht bereit, diesen Anschlag tatenlos hinzunehmen." Deshalb beteiligen sich Imame, Ditib-Funktionäre und Gläubige an den Mahnwachen.

"Auch wir Muslime sind verantwortlich für die Freiheit und die Werte unserer Gesellschaft", sagte Asikoglu. "So wie wir es nicht akzeptieren können, dass unsere Moscheen angegriffen, ja sogar in Brand gesteckt werden, so können wir auch nicht akzeptieren, dass unsere Freiheiten angegriffen und unser gesellschaftlicher Frieden vergiftet wird."

"Wir wollen in Deutschland Flagge zeigen"

Auf die Frage, ob es nicht Defizite in Sachen Meinungsfreiheit in der Türkei gebe, um die sich die Ditib ebenfalls kümmern sollte, sagte deren Generalsekretär Bekir Alboga: "Wir wollen in Deutschland Flagge zeigen und unsere Stimme erheben." Wenn es in der Türkei Probleme gebe, müssten sie dort gelöst werden.

Paris-Attentat Die Ditib hatte Verlage und Sender in ganz Deutschland angesprochen und die Idee für die Mahnwachen vorgestellt. Nicht alle hätten sich dafür ausgesprochen, teilte die Ditib mit. Das wichtigste Gegenargument sei gewesen, dass auch gut gemeinte und solidarische Kundgebungen vor Medien deren Unabhängigkeit berührten. Die Mahnwachen fänden deshalb nur vor Verlagen und Sendern statt, die ausdrücklich zugestimmt hätten.

Am prominentesten wird die Veranstaltung vor dem ZDF in Mainz besetzt sein, zu der die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner erwartet werden. Das Verlagshaus Axel Springer in Berlin begrüßte die Aktion ausdrücklich: "Wir freuen uns über die Geste der Solidarität, die die Ditip mit ihrer Mahnwache für die Meinungsfreiheit gegenüber allen Journalisten zum Ausdruck bringt", heißt es in einer Mitteilung. (dpa)