Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Syrien

Mursi brüskiert Iran mit Kritik an syrischem Regime

30.08.2012 | 13:34 Uhr
Mursi (l.) ist der erste ägyptische Präsident, der seit 1979 in den Iran kommt - und brüskiert die Gastgeber.Foto: rtr

Teheran.  Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi nannte beim Gipfeltreffen der blockfreien Staaten die syrische Führung ein "Unterdrückungsregime". Damit brüskierte er auch die Gastgeber - einen der letzten Verbündeten Syriens. Eigentlich war die Reise Mursis nach Teheran als Zeichen der Annäherung eingestuft worden.

Zum Beginn des 16. Gipfeltreffens der blockfreien Staaten im Iran hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi am Donnerstag für einen Eklat gesorgt. Seine Äußerung, Syriens Führung unter Staatschef Baschar al-Assad sei ein "Unterdrückungsregime", veranlasste die Delegation des Landes zum Verlassen des Konferenzsaals und brüskierte den mit Damaskus verbündeten Gastgeber. Kritik an der Uno übte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei.

"Die einige Tage nach Tunesien begonnene Revolution in Ägypten war eine Säule des Arabischen Frühlings, sie setzte sich in Libyen sowie im Jemen fort und nimmt heute das Unterdrückungsregime in Syrien ins Visier", sagte Mursi bei dem Gipfel in der iranischen Hauptstadt Teheran. "Ägypten ist bereit, mit allen Seiten zusammenzuarbeiten, um das Blutvergießen zu beenden", fügte er hinzu. Mursi ist der erste Präsident Ägyptens seit dem Jahr 1979, der den Iran besucht.

Reise nach Teheran sollte Zeichen der Annäherung sein

Syriens Außenminister Walid al-Muallim, der bei dem Gipfel in Teheran anwesend war, sagte dem Staatsfernsehen seines Landes zufolge, seine Delegation habe zu Beginn von Mursis Rede den Saal verlassen, weil dieser sich in "innersyrische Angelegenheiten" einmische und den Konflikt in Syrien weiter anfache. Teheran ist einer der letzten Verbündeten Assads, der einen im März 2011 begonnen Aufstand in seinem Land blutig niederschlagen lässt.

An dem zweitägigen Blockfreiengipfel in Teheran nehmen etwa 30 Staats- und Regierungschefs teil. Mit dem Treffen übernimmt der Iran für drei Jahre den Vorsitz der im Jahr 1955 während des Kalten Kriegs gegründeten Blockfreiengruppe. Ihr gehören etwa 120 Staaten an - vorwiegend aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Video
Damaskus, 30.08.12: Syriens Präsident Baschar al-Assad hat der Türkei die Schuld an der Gewalt in seinem Land gegeben. "Die Türkei trägt direkte Verantwortung für das Blutvergießen in Syrien", erklärte Assad in einem TV-Interview am Mittwoch.

Die Reise des früheren Muslimbruders Mursi in den Iran war eigentlich als Geste der Annäherung zwischen Kairo und Teheran eingestuft worden. Mitte August hatte Mursi eine Vermittlungsgruppe mit Vertretern aus Ägypten, dem Iran, Saudi-Arabien und der Türkei angeregt, um die Krise in Syrien beizulegen. Teheran, das nach internationaler Anerkennung strebt, reagierte darauf positiv.

Teheran übte Kritik am UN-Sicherheitsrat

Bereits zur Eröffnung des Gipfels äußerte Chamenei in Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon scharfe Kritik am UN-Sicherheitsrat. Dieser übe eine "offensichtliche Diktatur" aus, sagte er. Das Gremium habe eine "irrationale, ungerechte und vollkommen antidemokratische Struktur". Zugleich versicherte Chamenei, der Iran werde "niemals nach einer Atomwaffe streben".

Teheran erhofft sich von dem Gipfel, der unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfindet, Unterstützung gegen die vom Westen verhängten Strafmaßnahmen wegen seines Atomprogramms . Der Iran wird verdächtigt, heimlich an einer Atombombe zu bauen, was die Führung in Teheran jedoch vehement zurückweist.

Ban entgegnete Chamenei, das Land müsse sich "vollständig den einschlägigen Resolutionen des Sicherheitsrats unterordnen und mit der Internationalen Atomenergiebehörde zusammenarbeiten". Dies sei "im Interesse des Friedens und der Sicherheit in der Region und der Welt". Zudem verurteilte Ban die Leugnung des Holocausts durch iranische Spitzenpolitiker sowie Drohungen gegen Israel. (afp)


Kommentare
31.08.2012
15:59
Mursi brüskiert Iran mit Kritik an syrischem Regime
von Biker72 | #2

und hier ein Interview mit Jürgen Elsässer, seinerseits Journalist und Autor mit internen Infos aus dem betroffenen Syrien. Den Regler vorschieben und ab Min. 13:30 mal mithören. Sehr interessant ;-)

https://www.youtube.com/watch?v=x2is6kxloUU

30.08.2012
18:45
Mursi brüskiert Iran mit Kritik an syrischem Regime
von schweinenacken | #1

Kirchen in Syrien von "Freier syrischer Armee" geplündert.

http://www.politaia.org/terror/syrische-rebellen-plundern-christliche-kirchen/

Aus dem Ressort
Israels Außenminister macht sich über Ashton lustig
Konflikte
Israels Außenminister Avigdor Lieberman hat sich über Kritik der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton an der Siedlungspolitik lustig gemacht.
Obama will Irans UN-Botschafter an Einreise hindern
Diplomatie
US-Präsident Barack Obama hat ein Gesetz unterzeichnet, das darauf abzielt, den neuen iranischen UN-Botschafter Hamid Abutalebi an der Einreise in die USA zu hindern.
Osterruhe in der Ukraine? Timoschenko will Runden Tisch
Ukraine-Krise
Nach dem Genfer Friedenstreffen tut sich in der Ukraine wenig für eine Umsetzung der Beschlüsse. Nun schlägt Ex-Premier Timoschenko einen Runden Tisch vor. Eine echte Entspannung gibt es bisher nicht. Russlands Präsident Putin fordert die Ukraine auf, Gas-Schulde in Milliardenhöhe zu begleichen.
Rats-Bewerber will von Kandidatur zurücktreten - zu spät!
Kommunalwahl
Aus der Partei ist Ralf Welters, der für Bündnis 90/Grüne bei der Kommunalwahl antritt, schon ausgetreten. Nun will er auch seine Kandidatur für den Rat zurück ziehen - geht aber nicht, sagt die Duisburger Stadtverwaltung.
Hannelore Kraft prophezeit Groko Konflikte mit Bundesrat
Energiewende
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihren Gestaltungsanspruch im Bundesrat bekräftigt. Die Große Koalition habe im Bundesrat keine Mehrheit. Im Interview spricht sie über ihr Bekenntnis zu Bildung und Infrastruktur, das Verhältnis von rot-grün in NRW und das Gelingen der Energiewende.
Umfrage
Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?

Vermutlich wegen einer erhaltenen WhatsApp-Nachricht starb am 17. Februar eine 21-jährige Autofahrerin bei einem Unfall auf der B54 in Herdecke. Lassen Sie sich beim Autofahren vom Handy ablenken?