Müntefering gibt Lafontaine die Schuld an SPD-Krise
15.10.2009 | 06:27 Uhr 2009-10-15T06:27:00+0200
Hamburg. Kurz vor seinem Abgang rechnet SPD-Chef Franz Müntefering noch einmal mit Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine ab. Er schiebt ihm die Schuld für das Wahldebakel der SPD zu. "Lafontaine hat die linke Mitte in Deutschland beschädigt, aus niederen persönlichen Motiven."
Der scheidende SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sieht in Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine den Hauptschuldigen für das Debakel der Sozialdemokratie bei der Bundestagswahl. «Er hat die Partei verlassen, dann verraten und anschließend ganz gezielt gegen uns organisiert», sagte Müntefering der Wochenzeitung «Die Zeit» und fügte hinzu: «Lafontaine hat die linke Mitte in Deutschland beschädigt, aus niederen persönlichen Motiven.»
Die PDS hätte nie eine Chance gehabt, auch in den Westländern aufzutrumpfen, wenn der ehemalige SPD-Vorsitzende Lafontaine das nicht organisiert hätte. «Da ist viel an Wählerschaft abgezogen, was wir nicht mit vergleichbar populistischen Antworten hätten halten können», sagte Müntefering. Wenn man später einmal über diese Jahre spreche, werde sich Lafontaine besonders viel sagen lassen müssen. «Deshalb finde ich die Geschwindigkeit mancher, ihm nun Signale zu senden, dass man miteinander könnte, armselig», sagte Müntefering.
"Enkel der SED müssen in der Demokratie ankommen"
Trotz dieses Vorbehalts hält der SPD-Chef ein Linksbündnis im Bund prinzipiell für machbar. «Die Kinder und Enkelkinder der SED müssen in der Demokratie ankommen können. Man kann und darf ihnen die Hand entgegen strecken», sagte Müntefering. Über Koalitionsoptionen solle die SPD aber erst 2013 entscheiden: «Jetzt darüber reden bringt nichts.»
Über persönliche Versäumnisse oder Fehler während seiner Amtszeit will Müntefering nicht öffentlich sprechen. «Ich behaupte doch nicht von mir, dass ich ohne Fehl bin. Aber ich halte das für eitle Egozentrik, damit hausieren zu gehen. Das geht mir gegen den Strich», sagte Müntefering. Diese Art von «demonstrativer Selbstkasteiung» lehne er ab: «Da sage ich mal jetzt, was für ein schwacher Mensch ich bin und was ich alles falsch gemacht habe. Ich erstatte Selbstanzeige - wie peinlich.»
Müntefering verteidigt autoritären Führungsstil
Der SPD-Chef beschrieb seine «Art des Politikmachens» mit dem Motto «sammeln und führen». Die Truppen zusammenholen und dann zeigen, wo es hingehe. «Sammeln ist vielleicht nicht meine Stärke dabei, das will ich nicht bestreiten», räumte Müntefering ein. Und: «Vielleicht schleppt man die Fahnen manchmal so weit voraus, dass die anderen dich nicht mehr sehen, kann ja sein.»
Der SPD-Chef verteidigte zugleich seinen autoritären Führungsstil. «Im Regierungshandeln kann man nicht durch eine Art Parteibefragung klären, was man jetzt machen darf oder nicht, ja oder nein», sagte Müntefering und appellierte an seine Partei, sich offensiv zu den vergangenen elf Regierungsjahren zu bekennen: «Dieses Stück ist in der Geschichte der SPD ein stolzes Stück und ein gutes Stück.» (ddp)

18:13
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07:36
Als langjähriger Genosse möchte ich mich besonders bei Müntefering bedanken, dem es gelungen ist, aus einer ehemaligen Arbeiterpartei einen billigen CDU/FDP abklatsch zu machen. Das ist wohl noch keinem gelungen, eine Partei in so kurzer Zeit in die Bedeutungslosigkeit zu manövrieren. Und es gibt immer noch Parteimitglieder die klatschen wenn Müntefering erscheint. Politisch ist dieser Mann für mich für immer unten durch. Gut das es die Linke gibt und einen Lafontain, der noch Rückgrat besitzt
23:43
Der alte Mann mit seinem krankhaften Realitätsverlust, der (in Union mit anderen dubiosen Pseudo-Sozialdemokraten) die SPD an den Rand des Ruins geführt hat. soll jetzt lieber höchst leise den gestrandeten Tanker verlassen. Sein Abgang kann für die Rettung dieser Traditionspartei nur hilfreich sein.
11:28
Jetzt ist die SPD wohl voll am Arsc....
11:01
Danke, >> #173 selbstdenke_hilft <<, es freut einem eben doch, wenn man Reaktionen auf eigene Kommentare im Forum von selbstdenkenden Menschen bekommt, und nicht nur das teilweise saudumme Nachgeplapper von Meinungsmitläufern ohne eigene Meinung.
Und zu >> #174 wimmel <<
Ihrer Meinung über Oskar Lafontaine kann ich mich auch nur vorbehaltlos anschließen.
Ich bin gleichfalls der Ansicht, dass er einer der ganz wenigen Politiker ist, die den nötigen wirtschaftspolitischen Sachverstand und entsprechenden Weitblick hat.
Der Eine oder Andere hier erinnert sich sicher noch an seine Wahlkampf um die Kanzlerschaft gegen Kohl nach der Wiedervereinung. Der Kohl hat die Menschen getäuscht und ihnen das Blaue von Himmel versprochen. Der Lafo dagegen hat eine langsame und kontrollierte Zusammenführung der beiden Staatsysteme verlangt und hat dies sehr einleuchtend begründet. Und wie wir heute wissen, hatte der Mann ja sowas von recht.
Aber die Menschen im Osten haben natürlich Kohls Irrtümern (ich sage dazu, das war eine gezielte und geplante Täuschung) über die blühenden Landschaften viel lieber geglaubt und an den finanziellen Folgen beißen wir uns noch heute, und in den nächsten Jahrzehnten erst recht noch unsere Nachfolgegenerationen ganz erheblich die Zähne aus.
Und dann erdreistet sich noch ein Münte, den folgenden Ausspruch zu tun :
>> Enkel der SED müssen in der Demokratie ankommen <<.
Das sagt ausgerechnet der Boss der Partei, die in den letzen Jahren der sozialdemokratischen Wirtschaft den Rücken in einer Form gekehrt hat, wie es sich nicht mal der Kohl getraut hat.
Ich meine, nach 20 Jahren muss man auch den meisten der ehemaligen SED-Anhänger zugestehen, dass sie kapiert haben, dass die alten Zeiten endgültig und unwiederbringlich vorbei sind und sich mittlerweile eine andere Meinungslage zugelegt haben.
Aber wenn man eben keine schlagkräftigen Argumente gene den politischen Gegner weiß, dann ist Denunziation eben immer noch ein probates Mittel.
Nur dumm, dass immer mehr Bürger politisch erwachsen werden und solche Manöver der Hilflosigkeit zu leicht durchschauen.
20:18
@ 174 wimmel
Genau so ist es.
Jetzt hauen sie alle auf den Mann ein , immer nach dem Motto, und willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein.
20:14
Ich sage D A N K E Oskar
14:31
Das ganze rechte Gezumpel das sich hier, in der glücklicherweise Minderheit, präsentiert, ist einfach nur noch als lächerlich zu bezeichnen.
Wenn die SPD nur einen Bruchteil des Rückgrades eines Lafontaines besitzen würde, wären Sie Heute nicht dort, wo Sie sind und auch noch hinkommen werden.
Der Mann hat doch mit faßt allem was er gesagt oder gemacht hat Recht.
Siehe Kosten der Wiedervereinigung, Beweggründe die SPD zu verlassen, oder die Vorhersage des Zusammenbruches der Finanzmärkte um nur mal einige zu nennen.
Von Ihm fühlt sich die rechte Wirtschaftsklientel erkannt und angegriffen, deshalb auch die Hetze gegen Ihn.
12:36
@ #172 Erklärbär;
Sehr gute Zusammenfassung, wesentlicher a-sozial-Reformen unter sPD Verantwortung => DANKE !!!
Leider fürchte ich, dass die Einsicht ausbleibt, zumindest so lange, bis man selbst betroffen bzw. getroffen ist und die Einschläge kommen ja immer näher ...
Relativ sicher, können sich nur noch abhängig Beschäftigte im öffentlichen Dienst (i. w. S.) fühlen ...
Es bleibt zu hoffen, dass bis zu den Wahlen in NRW, die Erkenntnis zugenommen hat und die deplatzierte Linken-Verunglimpfung durchschaut wird ...
09:59
zu: #168 von Stefan.S,
Zitat: Was die Linke treibt, ist pure Volksverdummung.
Ach ja, lieber Stefan S. ??
Und als was würden Sie das bezeichnen, was die SPD in den letzten Jahren getrieben hat ?
Gegen umfangreichste Demonstrationen (Sie erinnern sich doch sicher: Wir sind das Volk; weg mit Hartz-IV, skandierten die Demonstanten) wurde die Agenda 2010 auf Gedeih und Verderb durchgesetzt, tausende von Familien (ja, hinter den vielbejammerten armen Kindern stecken auch immer ganze Familien) in die Armut gejagt, ihr Angespartes fürs Alter dem unsozialen Umverteilungswillen von Schröder und Konsorten, die sich in ihrem Größenwahn einbildeten, Sozialpolitik neu erfinden zu müssen, geopfert.
Nicht genug, dann kam Müntes Rente mit 67, die nichts anderes als ein Rentenkürzungs-und damit Verarmungsprogramm für zukünftige Rentnergenerationen ist. Und auch damit nicht genug, die SPD scheute sich auch nicht, eine der übelsten aller politischen Nachkriegsbetrügereien, die Mehrwertsteuerlüge, durchzusetzen.
Und an allem war der Müntefering ganz wesentlich mitbeteiligt. Und dessen nicht genug, nun schiebt er den durch ihn mitverschuldeten Absturz seiner Partei dem Lafontaine zu.
Das, lieber Stefan S., das ist die wahre Volksverdummung.
Und bevor Sie über Die Linken in umfassender Unwissenheit herziehen, sollten sie sich erst mal mit der politischen Landschaft der letzten Jahre ernsthaft auseinander setzen.
Aber offenbar sind Sie ein einfacher politischer Meinungsmitläufer, der einfach nur den Roten deren Argumente, die von totaler Hilf- und Ideenlosigkeit zeugen, nach dem Munde redet.
Sorry, dass ich etwas hart mit Ihnen ins Gericht gehe, aber wenn ich derart undifferenziertes Geschwätz lese, dann packt mich die kalte Wut.