Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Israel

Mord im Luxushotel

18.02.2010 | 18:41 Uhr
Mord im Luxushotel

Jerusalem.Der israelische Geheimdienst Mossad wird der Ermordung eines hochrangigen Hamasfunktionärs in Dubai im Januar verdächtigt. Nun könnte der Vorfall diplomatische Konsequenzen haben, da die vermeintlichen Mörder gefälschte europäische Pässe nutzten. Österreich soll als „Kommandozentrale“ für die Aktion gedient haben.

Dubais Polizeichef Dahi Khalfan Tamim ist völlig überzeugt: „Unsere Ermittlungen haben mit einer Sicherheit von 99 Prozent ergeben, dass der Mossad hinter dem Mord an Mahmud al Mabhuh steckt.“ Diese Aussage verwickelt Israel in diplomatische Schwierigkeiten, da das Einsatzteam, mindestens elf Personen, mit Hilfe gefälschter europäischer Pässe nach Dubai einreisten.

Zwei weitere verdächtige Palästinenser wurden in Jordanien verhaftet und an Dubai ausgeliefert. Die beiden Männer hatten in der Vergangenheit für eine Spezialeinheit des palästinensischen Geheimdienstes der Fatah, der politischen Rivalin der Hamas, gearbeitet. Diese Einheit war früher für den Kampf gegen die Hamas und die Ermordung hochrangiger Mitglieder berüchtigt. Die beiden Verdächtigen waren im Jahr 2007 aus dem Gazastreifen geflüchtet, nachdem die Hamas dort in einem gewaltsamen Putsch die Macht übernommen hatte. Ein weiteres Mitglied der Hamas soll unter dem Verdacht der Kollaboration mit Israel in Syrien verhaftet worden sein.

Die Suche nach den vermeintlichen Mossad Agenten, die mit den gefälschten Pässen eingereist waren, geht weiter. Sechs der Pässe waren britisch, drei irisch, einer französisch und einer deutsch. Am Donnerstag luden die Außenministerien in London, Dublin und Paris den israelischen Botschafter vor, um eine Erklärung für den Missbrauch ihrer Pässe einzufordern. Auch Berlin verlangte Aufklärung.

Die gefälschten Pässe sind der einzige Hinweis, der den Mord in Dubai im Januar mit Israel verbindet: Mehrere Pässe trugen die Namen und Nummern echter britischer und deutscher Staatsbürger, die vor Jahren nach Israel eingewandert waren. Die irischen Pässe waren auf fiktive Namen ausgestellt und trugen falsche Nummern. Nach den Gesprächen in Dublin und London erklärten Israels Botschafter, dass sie keine konkreten Informationen besäßen. Israel hat den Mord weder bestätigt noch abgestritten. „Ich weiß nicht, warum angenommen wird, dass ausgerechnet Israel diese Pässe genutzt hat“, sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman.

Die Details der Ermittlungen aus Dubai lassen aber erkennen, dass nur ein Geheimdienst über die notwendigen Ressourcen verfügt, um eine so komplexe Aktion durchzuführen. Mabhuh, ein Gründer und hochrangiger Funktionär der Kassam Brigaden, des bewaffneten Arms der radikalislamischen Hamas, wäre für den Mossad ein lohnendes Ziel gewesen. Mabhuh war für die Entführung und den Tod zweier israelischer Soldaten verantwortlich. Vor seinem Tod organisierte er den militärischen Nachschub der Hamas und schmuggelte Waffen aus dem Iran, darunter auch Raketen, über den Sudan und Ägypten in den Gazastreifen.

Mabhuh war am 20. Januar in einem Luxushotel in Dubai mit Stromschlägen kampfunfähig gemacht und danach erstickt worden. Wenige Stunden nach dem Mord flogen alle Täter von Dubai nach Europa, Südafrika und Hongkong. Seither fehlt jede Spur.

Gil Yaron

Facebook
 
Kommentare
13.03.2010
16:58
Mord im Luxushotel
von Benjamin Goldmann | #10

Wieso glaubt alle Welt, der Mossad habe Mabhuh auf dem Gewissen?

11.03.2010
20:39
Mord im Luxushotel
von Heinz Harzt | #9

Wenn Österreich hier als Kommandozentrale gedient hat, dann ist aus Österreich ja nach all dem Schlechten auch einmal etwas Gutes zu vermelden.

03.03.2010
17:06
Mord im Luxushotel
von Semir Yilmaztürk | #8

Die Europäer sollen rotestieren wegen der Verwendung ihrer Ausweise, aber damit sollte essich gehabt haben. Die Tat als solche, einen Massenörder zur Strecke zu bringen, ist nicht zu beanstanden.

24.02.2010
16:45
Mord im Luxushotel
von Karim D. | #7

Ebend! Genau so ist es. Das israelische Kommando will solche Aktionen verhindern und die Täter bestrafen. Wenn Dubai, China oder der Sudan es nicht tun, das waren ja wohl die Reiseländer des Hamasmörders, dann müssen die Israelis dies eben selbst tun. Sonst existiert ihr Staat bald nicht mehr.

24.02.2010
08:41
Mord im Luxushotel
von Andreas Bergwardt | #6

Mabhuh hatte sich vor knapp einem Jahr noch auf Al Dschazira mit einem selbst durchgeführten Mord an zwei Juden gebrüstet. Er war damals wohl als orthodoxer Jude verkleidet vorgegangen. Und so jemand läuft frei rum und kann in alle Welt fliegen? Es ist unglaublich, dies ist der Skandal!

23.02.2010
19:02
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.02.2010
13:53
Mord im Luxushotel
von redemir | #4

Wieso läßt Dubai denn eigentlich einen Terroristen einreisen?

23.02.2010
10:19
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.02.2010
08:54
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.02.2010
17:06
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3421825/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.