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Wahlkampf

Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler

18.09.2012 | 14:24 Uhr
Ihm steht das Wasser bis zum Hals: Die Chancen von Mitt Romney im Wahlkampf schwinden.Foto: afp

Washington.  Ein heimlich aufgenommenes Video bringt Obamas republikanischen Gegenkandidaten Mitt Romney in Verruf. 47 Prozent der Amerikaner, sagt der Multi-Millionär, seien vom Staat und dessen Leistungen "abhängig" und werden so oder so Obama wählen. Meinungsumfragen sehen die Chancen des Republikaners deutlich schwinden.

Obama-Herausforderer Mitt Romney bleibt sich selbst der größte Feind. Sieben Wochen Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Amerika verstrickt sich der Republikaner immer tiefer in eine Serie von Pannen und Peinlichkeiten. Nach seinen Äußerungen zu den jüngsten Gewaltausbrüchen im arabischen Raum, die in den US-Medien überwiegend als Beleg für mangelnde außenpolitische Trittsicherheit bewertet wurden, bringt den Republikaner jetzt eine auf Video festgehaltene Wählerbeschimpfung in Misskredit.

Bei einer privaten Spenden-Gala vor einigen Wochen sagte der Republikaner, dass 47 Prozent der Wähler so oder so für Obama stimmen werden, “weil sie vom Staat abhängig sind, weil sie sich für Opfer halten, die glauben, der Staat trage Verantwortung für sie, weil sie glauben, dass sie einen Anspruch auf Krankenversicherung , Essen und Wohnen und was auch immer haben“. Seine Aufgabe, so Romney, sei es nicht, sich „um diese Leute zu kümmern“, die keine Einkommenssteuer zahlten, und sie davon zu überzeugen, selbst für ihr Leben einzustehen; sie würden sowieso Obama wählen – „egal, was passiert“.

"Beleidigende und spalterische Sicht"

Das Video, vom Magazin „Mother Jones“ veröffentlicht, sorgte am Montagabend für hektische Reaktionen. Das Obama-Lager sprach von „schockierenden“ Einlassungen, die zeigten, von welch spalterischem Geist Romney durchdrungen sei. Seine eigenen Strategen, intern laut Medienberichten über die Positionierung Romneys zerstritten, versuchten die „beleidigende und spaltende Sicht“ des mehrfachen Millionärs (Los Angeles Times) einzufangen. Mitt Romney sei daran gelegen, „alle Amerikaner aus der Abhängigkeit von staatlichen Hilfen zu bringen, indem er zwölf Millionen neue Jobs schafft“, sagte Sprecherin Gail Gitcho. Romney selbst erklärte bei einem Wahlkampf-Termin Kalifornien, er nehme in der Sache nichts zurück, seine Wortwahl sei gleichwohl “nicht sehr elegant” gewesen.

US-Wahlkampf
"Hustler"-Boss ärgert Romney

Der amerikanische Porno-Verleger Larry Flynt hat eine Million Dollar für Informationen über Steuerdaten des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney ausgelobt. In großen Zeitungsanzeigen will der Verleger Tipp-Geber locken.

Demoskopen halten die von einem anonymen Kameramann aufgenommenen Tiraden Romneys für brandgefährlich. Sie zeigten die Distanz des Kandidaten zu den Lebenslagen weiter Teile der Bevölkerung. Bereits jetzt bescheinigen seriöse Meinungsumfragen dem Republikaner klare Rückstände auf den Amtsinhaber. Vor allem in den erwartungsgemäß entscheidenden Bundesstaaten Ohio, Virginia, Florida hat der Multi-Millionär in den vergangenen vier Wochen an Ansehen deutlich eingebüßt. Nach heutiger Berechnung würde Obama alle drei Staaten gewinnen und damit nach Ansicht von Wahlforschern die nötigen 270 Stimmen im Wahlmänner-Gremium gewinnen, das Anfang Dezember auf der Basis des Volksvotums vom 6. November den Präsidenten bestimmt.

Romneys politische Konzepte bleiben vage und unverbindlich

Die renommierte Internet-Seite „Politico“ stellte in ihren Foren bereits die Frage zur Debatte: „Ist die Wahl schon gelaufen?“ Querschnitts-Antwort: Romney hat aus dem Parteikonvent der Republikaner in Tampa keinen Honig saugen können. Seine politischen Konzepte bleiben vage und unverbindlich. Dazu kommen Patzer wie seine Obama-kritischen Einlassungen zu den tödlichen Kollateralschäden des weltweit für Unruhe sorgenden Videos, das den Islam schmäht. Fazit: Gelingt Romney bei den mit Spannung erwarteten Fernseh-Debatten, zu denen nach Schätzungen von Meinungsforschern ab 3. Oktober zwischen 60 und 80 Millionen Amerikaner zwecks abschließender Meinungsbildung einschalten werden, kein Umschwung, dann werde das Weiße Haus in demokratischer Hand bleiben.

Video
Clint Eastwood – als Schauspieler eine Ikone, für sein Spätwerk als Filmregisseur bewundert. Und dann das: Für seinen rüden Anti-Obama-Auftritt vor dem republikanischen Parteikonvent muss der 82-jährige Star viel Kritik einstecken.

Als Besorgnis erregend, konstatiert das konservative „Wall Street Journal“, müsse die Romney-Kampagne empfinden, dass der ehemalige Manager in seiner Domäne, der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik, mittlerweile von Obama überholt wird . Das zum Murdoch-Konzern gehörende und im Republikaner-Lager den Takt angebende Blatt brachte einen in Parteikreisen verbreiteten Verdruss über den „Mangel an Substanz“ in der Wahlkampagne Romneys auf den Punkt. Romney möge mit der Phrasendrescherei aufhören („ich werde Amerika zu alter Größe führen“) und endlich nachvollziehbar erklären, wie er sich in punkto Arbeitsmarkt, Steuern, Staatsverschuldung und Bürokratie-Abbau von Obama unterscheiden will.

Dirk Hautkapp



Kommentare
19.09.2012
22:06
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von feierabend | #19

Meine Güte es gibt wahrlich Wichtigeres als amerikanische Wahlkämpfer, die sich und ihre Ambitionen und Visionen nicht im Griff haben... zum Beispiel Mr,.Kim in Nordkorea und der Kampf der Republiken gegen Sklavenhaltung dort und die beispiellosen Grausamkeiten in totalitären Arbeitslagern - wo Kinder ermordet werden vor den Augen ihrer Eltern und Eltern vor den Augen ihrer Kinder. Schwäche ist verzeihlich und menschlich - aber was sind das für "Menschen" die derartige Staatsführung praktizieren und was sind wir für Menschen, das wir soetwas dulden? Haben wir seit 1933 wirklich nichts dazugelernt . und was können wir schwache Menschen angesichts derartiger Grausamkeiten wirklich tun? Das sind doch Fragen die uns beschäftigen sollten. Wir sind eitel geworden, satt, und blind für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

19.09.2012
11:54
Doppelmoral
von matrix666 | #18

Obama führt Kriege wie sein Vorgänger Bush, aber als Friedensnobelpreisträger sind das "gute" Kriege....:))) Das Geld hätte er lieber für seine Wähler ausgegeben.

19.09.2012
10:43
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von drasos | #17

#15

NEIN er hat NICHT recht

JEDER Bürger hat das MENSCHENRECHT auf eine Wohnung,genug zu essen und eine Krankenversicherung die ihn KOSTENLOS medizinisch betreut...

Das ist keine Sozialromantik sondern das RECHT eines jeden Menschen

Wer so etwas abstreitet ist endweder mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden und kennt "das wahre Leben" überhaupt nicht oder er lügt bewusst um eigene Interessen zu wahren....

Das Interessante ist ja das die Republikaner es schon als "Sozialismus" bezeichnen nur wenn man eine Krankenversicherungspflicht für alle fordert....

So etwas nenne ich mal weltfremd...

1 Antwort
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von Ergonomy | #17-1

on drasos | #17

"JEDER Bürger hat das MENSCHENRECHT auf eine Wohnung,genug zu essen und eine Krankenversicherung die ihn KOSTENLOS medizinisch betreut..."

Träumen Sie weiter, wenn das so währe, braucht ja niemand mehr etwas zu tun.


"Wer so etwas abstreitet ist endweder mit dem goldenen Löffel im Mund geboren worden und kennt "das wahre Leben" überhaupt nicht oder er lügt bewusst um eigene Interessen zu wahren.."
Nö ,der arbeitet genau um diese Menschenrechte zu finanzieren.

19.09.2012
10:38
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von drasos | #16

Der Staat müsste sich noch viel mehr einmischen...das er es nicht macht ist Teil des Problems weltweit....

Man hat den Spekulanten und Bossen über Jahrzehnte freie Hand gelassen und selbst Gesetze den "Bedürfnissen des Marktes " angepasst und dabei die Bedürfnisse der Menschen vergessen...Hauptsache die Arbeitslosigkeit sinkt,Hauptsache die Zahlen stimmen...

Das die Bosse das ausgenutzt haben und immer mehr immer mehr forderten liegt in der Natur de Sache...und darf keinen wundern...

JETZT wird es aber Zeit die Uhr wieder zurückzustellen denn wenn (wie auch in den USA) 10% der Reichen 90% des Vermögens besitzen und sich um Abgaben "kreativ" herumdrücken dann läuft etwas gewaltig schief...

Da nützt es auch nichts das diese 10% (wie in Deutschland) 50% der Vermögensabgaben zahlen..denn diese Zahlen sind angesichts der angehäuften Vermögens lächerlich

Es muss eine Umverteilung stattfinden von oben nach unten und da die 10% das niemals freiwillig machen müssen sie gezwungen werden.

19.09.2012
10:20
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von Ergonomy | #15

Eigentlich hat er doch Recht, man darf es nur nicht sagen.

18.09.2012
21:07
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von meinemeinungdazu | #14

Glaubt Ihr, die deutschen Poitikernasen würden anders über die Wähler denken? Man sieht es doch am Diktat und der massiven Bürgerferne der Entscheidungen. Deutschland folgt immer den USA, auch wenn die untergehen.

18.09.2012
20:40
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von kuba4711 | #13

Offenbar geht es in den USA inzwischen durch ,dass Menschen. die für den Staat arbeiten oder von der Allgemeinheit in besonderen ,persönlichen Notlagen unterstützt werden,,beleidigt werden.
Von dem gleichen amerikanischen Zeitgenossen ,der maßgebliche Teile seines Vermögens auf den Cayman -Islands nicht versteuern läßt.
Wenn so eine Type als amerikanischer Patriot durchgeht ,dann kann man künftig auch den Kaiser von China zum US -Präsidentschafts -Kandidaten machen.
Mein Gott ,ist " Gods own country" herunter gekommen.

18.09.2012
15:51
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von 1980yann | #12

Bei der Huffington Post findet man ein Dutzend solcher Videoausschnitte, von denen jeder auf seine eigene Art und Weise verstörend ist. Z.B. wie er seine Ehefrau im Wahlkampf "benutzt". Er erzählt von der Besichtigung einer chinesischen Fabrik und zeigt sich begeistert von Arbeitsbedingungen, die jedem in der westlichen Welt ein Grauen sein müssten. Er bekennt sich zum sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund (sein Vater hat eine Autofabrik gegründet und war Gouverneur), mit dem er aufgewachsen ist, würde aber lieber doch einen Latino zum Vater haben, weil ihm das die Stimmen der Latinos bescheren würde.
Das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" und den "amerikanischen Traum" interpretiert er um: 95% sind eh vorherbestimmt!

Ein oder zwei solcher Zitate wären gewaltiger Zündstoff, und mit einer Woche professioneller Krisenkommunikation wären sie sicherlich einzufangen. Aber in der Häufung bricht ihm das das Genick.

18.09.2012
14:36
Denken deutsche Politiker anders?
von Sahneschnittchen | #11

Romney hat das laut ausgesprochen was auch hier in Deutschland viele Politiker denken. Anders kann man sich ihre bürgerfeindliche und kapitalfreundliche Politik nicht erklären. Und einige von unseren Politikern haben ihre Menschenverachtung deutlich geäußert. Sei es Müntefering der 2006 mit dem Ausspruch „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“ glänzte. Oder Wolfgang Clement der bis heute die Brochüre des Wirtschaftsministeriums verteidigt, in der Arbeitslose als Schmarotzer Trittbrettfahrer, Abzocker und Parasiten beleidigt werden. Zitat BMWA unter der Führung von Clement: "Biologen verwenden für Organismen, die auf Kosten anderer leben, die Bezeichnung "Parasiten". Westerwelles spätrömische Dekadenz ist ein weiteres Beispiel.

18.09.2012
13:26
Mitt Romney beleidigt auf Video die Hälfte der US-Wähler
von bloss-keine-Katsche | #10

Ich denke auch, dass Romney ein durchgeknallter "christlciher Fundementalist" ist
und
eine Beleidung für die demokratische USA

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