MIt Schlamm und Zement gegen das Leck in der Tiefe
27.05.2010 | 18:54 Uhr 2010-05-27T18:54:00+0200
Washington.Es sieht gut aus. Vorsichtiger Optimismus machte sich am Donnerstag breit, dass es endlich gelungen ist, das Bohrloch im Golf von Mexiko nach inzwischen fünf Wochen zu schließen. BP-Techniker hatten am Vortag damit begonnen, unter hohem Druck gewaltige Schlammmengen in die sprudelnde Quelle zu pumpen, um das austretende Öl zurück zu drängen – eine Art Armdrücken in 1600 Metern Tiefe. Nie zuvor war dieses Verfahren in solchen Tiefen mit ihren enormen Druckverhältnissen erprobt worden.
Von einem „Sieg in diesem Krieg“ wollten zunächst weder BP-Manager noch die Vertreter der US-Regierung in der Krisenzentrale in dem Golf-Städtchen Houma sprechen. Das Verfahren ist hoch riskant. Geht „Top Kill“ am Ende doch noch schief, besteht die Gefahr, dass anschließend noch mehr Öl ausströmt. „Die Operation verläuft wie geplant“, äußerte sich BP-Chef Tony Haward hingegen zuversichtlich. „Wir kriegen die Lage unter Kontrolle“, sagte auch der Chef der US-Küstenwache, Thad Allen.
Mit Zement soll das gestopfte Bohrloch anschließend endgültig versiegelt werden. Das war, nach den Rückschlägen der letzten Zeit und den vergeblichen Versuchen, das austretende Öl direkt an der Quelle abzusaugen, die erste gute Nachricht aus dem Golf von Mexiko seit dem Untergang der Ölplattform „Deepwater Horizon“.
160 Kilometer Küste, vor allem in Louisiana, sind mittlerweile ölverschmutzt. Immer mehr tote Tiere werden aus dem Wasser gezogen oder an den Stränden und in den verschmutzten Schilfgürteln gefunden. Auch Fischer, die im Auftrag BPs Ölsperren im Golf verlegen und die zähe Brühe teilweise in Eimern abschöpfen, klagen inzwischen über gesundheitliche Probleme. Die Öldämpfe setzen ihnen bei der Arbeit zu. Nach Berechnungen von Wissenschaftlern ist die Ölpest im Golf die bislang größte Umweltkatastrophe in den USA. Die Menge des ausgeströmten Öls sei um ein Vielfaches höher als bisher geschätzt, bestätigten Experten der Regierung.
Präsident Barack Obama, der die betroffene Region im Süden der USA am Freitag ein zweites Mal besuchen will und zunehmend unter politischem Druck steht, kündigte an, das bestehende Moratorium für neue Ölbohrgenehmigungen um mindestens weitere sechs Monate zu verlängern. Auch neue Bohrungen in Alaska, die eigentlich im Sommer beginnen sollten, werden jetzt verschoben, die Erschließung neuer Ölfelder vor der Ostküste ausgesetzt. Damit kassierte Obama seine Ankündigungen vom März wieder ein. Damals hatte er überraschend eine Kehrtwende in der nationalen Ölpolitik angekündigt und dafür geworben, die Förderung vor den eigenen Küsten zu forcieren. Auch Köpfe rollten. Obama feuerte gestern die oberste Chefin der Regulierungsbehörde, Elizabeth Birnbaum, die über die Einhaltung der gesetzlichen Auflagen bei der Ölförderung wachen sollte. Obama hatte der Abteilung im Innenministerium schon vor Tagen einen allzu „behaglichen Umgang“ mit der Ölindustrie vorgeworfen.

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