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Doktor-Titel

Mit Guttenberg kamen die Plagiatejäger

14.10.2012 | 19:41 Uhr
Mit Guttenberg kamen die Plagiatejäger
Karl-Theodor zu Guttenberg im Februar 2011: Damals hoffte der Bundesverteidigungsminister (CSU) noch auf einen halbwegs guten Ausgang der Plagiatsaffäre. Am 1. März trat er von allen politischen Ämtern zurück.Foto: Martin Oeser/dapd

Berlin.   Der damalige CDU-Verteidigungsminister zu Guttenberg hatte abgeschrieben. Nach anfänglichem Leugnen gab der forsche CSU-Mann zuerst den Titel zurück. Kurz darauf musste er zurücktreten. Seitdem arbeiten findige Internet-Experten immer wieder an Doktorarbeiten prominenter Politiker. Mehrfach wurden sie fündig.

Erst abgeschrieben, dann ­angezählt oder abgedankt: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist nicht die erste Politikerin, die wegen Schummelei beim Doktortitel in größte Schwierig­keiten gerät.

Ausgelöst hat die Welle Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

Der gab wegen umfangreicher Plagiate in seiner Dissertation erst seinen Doktortitel ab, trat dann am 1. März 2011 als Verteidigungsminister zurück und musste sich schließlich von der Uni Bayreuth bescheinigen ­lassen, in seiner ­Dissertation vorsätzlich ­umfassend abgeschrieben und getäuscht zu haben.

Guttenbergs Fall hatte noch die akribische Arbeit eines einzelnen Juristen ausgelöst, während der Affäre organisierten sich aber im Internet sogenannte Plagiatejäger, die weitere Abschreiber enttarnten: Der FDP-Politiker Jorgo Chatzi­markakis musste seinen Doktortitel zurückgeben, klagte vergeblich vor Gericht und will nun erneut promovieren.

Silvana Koch-Mehrin

Die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin verlor ne­ben ihrer Doktorwürde auch den gut dotierten Posten der Vizepräsidentin des Europa-Parlaments; die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg kam zu dem Schluss, die Dissertation zur histo­rischen Währungsunion bestehe in substanziellen Teilen aus Plagiaten.

Im April 2012 erkannte die Universität Bonn der FDP-Beraterin Margarita Mathiopoulos den Doktortitel ab – die Prüfer hatten mehr als 320 Stellen gefunden, in denen nicht ordnungsgemäß zitiert wurde.

Bernd Althusmann

Aber nicht immer enden die Überprüfungen mit dem ­Titel-Entzug: Dem niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) attestierte die Uni Potsdam 2011 zwar Fehler und Schwächen in seiner Dissertation, den Doktortitel durfte er aber behalten.

Christian Kerl



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