Mindestpreis für Fleisch gefordert

Berlin/Düsseldorf..  Nordrhein-Westfalen fordert die Bundesregierung auf, einen Mindestpreis für Fleisch einzuführen. Nur so könne der Schutz von Nutztieren deutlich verbessert und zugleich sicher gestellt werden, dass die Betriebe von ihren Erträgen leben können. „Niedrigpreise gehen zu Lasten von Tier, Umwelt und Landwirten“, sagte NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Grüne) der WR.

Der Deutsche Bauernverband lehnt den Vorstoß ab. Der Standort Deutschland würde dadurch geschwächt. „Es ist zu befürchten, dass gerade kleinere Betriebe aufgeben müssen“, betonte Verbandssprecher Michael Lohse. Der Verband setze auf freiwillige Problemlösungen zugunsten der Tiere.

Deutschland brauche endlich eine nachhaltig ausgerichtete Nutztierhaltung, die sich am Wohl der Tiere orientiere, sagte Remmel weiter. „Das Schreddern von Eintagsküken zeigt, welche Fehlentwicklungen Einzug gehalten haben. Das System muss grundlegend geändert werden.“

Konkret fordert Remmel die Einsetzung einer Ethikkommission für Tierhaltung auf Bundesebene. Diese solle verbindlich festlegen, wie eine artgerechte Haltung und Zucht- von Nutztieren auszusehen habe. Zudem plant das Ministerium zwei Initiativen im Bundesrat mit dem Ziel, die Haltungsbedingungen von Puten zu verbbessern und das Töten männlicher Küken zu verbieten. Scharf kritisierte Remmel Bundeswirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), weil er die Augen vor den zunehmenden Problemen in der Massentierhaltung verschließe. Dies gelte auch für Schmidts Vorgänger.

Das Verbraucher- und Landwirtschaftsministerium hat jetzt ein Handlungspapier zur „nachhaltigen Nutztierhaltung“ entwickelt, das dieser Zeitung vorliegt. Darin werden fünf Bereiche zur Kurskorrektur benannt – bei Haltung, Zucht, Antibiotika-Einsatz, einer umweltgerechten Modernisierung und der Einkommenssicherung für Betriebe. Oberstes Prinzip sei es, die „Haltung den Bedürfnissen der Tiere anzupassen und nicht umgekehrt“, sagte der Minister.

Die NRW-Landesregierung unterzeichnete gestern eine Erklärung mit Einzelhändlern, Tierschutzorganisationen und Landwirtschaftsverbänden, in der die Geflügelwirtschaft zusichert, bis Ende 2016 auf das routinemäßige Schnäbelkürzen bei Legehennen und Puten in Nordrhein-Westfalen zu verzichten. Das Kürzen wird europaweit in der konventionellen Haltung angewendet, um ein gegenseitiges Federpicken der Tiere zu verhindern.