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Merkel zahlt einen hohen Preis – von Walter Bau

07.09.2010 | 18:51 Uhr

Wer gehofft hatte, mit dem Atomgipfel der Regierung sei fürs erste zumindest etwas Entspannung eingekehrt im Streit um die Energiepolitik im Allgemeinen und die Atomkraft im Speziellen, der hat sich böse geirrt. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, geht das Gezerre nun erst richtig los. Alte Gräben reißen neu auf.

 

Etwa zwischen Parteien. Schwarz-Grün, noch vor Monaten für viele im bürgerlichen Lager ein Zukunftsmodell (auch für NRW), scheint sich erst einmal erledigt zu haben. Die Grünen-Spitze stellt gar die bestehenden Bündnisse in Hamburg und Saarbrücken in Frage. Gleichzeitig stößt der Flirt mit den Grünen im Unionslager auf zunehmende Ablehnung. CDU-Mann Herbert Reul stänkert aus Brüssel gegen Parteifreund und Umweltminister Norbert Röttgen, der gern Parteichef in NRW werden möchte: Röttgen liege falsch, wenn er glaube, NRW könne „durch jemanden repräsentiert werden, der mit Greenpeace-Themen versucht, Politik zu machen“. Da liegen die Nerven blank.

 

Auch die Anti-Atom-Bewegung ist neu erwacht. Die Entscheidung für längere Laufzeiten der Atommeiler und für eine Wiederaufnahme der Arbeiten am geplanten Atommüll-Endlager Gorleben dürfte demnächst zehntausendfachen Protest auf die Straße bringen. Der Name Gorleben, der wie kein zweiter für den Widerstand der Anti-Kernkraft-Bewegung steht, mobilisiert nicht nur im Wendland.

 

Damit nicht genug. Nach den schwarz-gelben Atombeschlüssen vom Wochenende bringen sich auch die Kommunen gegen die Regierung Merkel in Stellung. Die Städte, ohnehin ständig am Rande der Pleite balancierend, fürchten Steuerausfälle und Nachteile für ihre Stadtwerke, die oft die einzigen verbliebenen Aktivposten in den kommunalen Haushalten sind.

 

Die Kanzlerin sieht bei allem nicht gut aus. Ihr CDU-Umweltminister, der eine kürzere Laufzeitenverlängerung favorisierte, ist geschwächt. Ihr Versuch, die Verlängerung am Bundesrat vorbei zu bewerkstelligen, wird ihr als Trickserei ausgelegt, zudem droht eine Klage vor dem Verfassungsgericht. Ausgang höchst ungewiss. Und dass die großen Energie-Konzerne offenbar nur einen kleineren Teil ihrer zusätzlichen Gewinne, die die längeren Laufzeiten bringen, abgeben müssen, wird ihr als Einknicken vor der Atomlobby ausgelegt.

 

Alles in allem hat Angela Merkel für ihren Atomkompromiss einen hohen politischen Preis gezahlt. Ob sich der Kraftakt auszahlt, ist noch lange nicht entschieden.

Walter Bau

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Kommentare
16.09.2010
07:55
Blockierter Kommentar.
von Antonietta | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.09.2010
19:33
Merkel zahlt einen hohen Preis – von Walter Bau
von wintersintz | #3

Und Röttgen ist dank Merkels Gnaden als abgewatschter Bettvorleger gelandet. Er hat alle Karten für NRW verspielt. Wer den jetzt noch will, sollte mal genau nachdenken. Seine steile Karriere ist nun abgestürzt. Siehe Westerwelle. Der Fisch stinkt zuerst am Kopf.

08.09.2010
19:30
Merkel zahlt einen hohen Preis – von Walter Bau
von wintersintz | #2

Ja, Frau Merkel: Sie haben die Revolution angezettelt. Jetzt muss Schwarz-Gelb damit leben. Viele Wahlen werden verlorengehen. Und 2013 hat sich alles erledigt. Dann wird die Atomlobby das reale Ergebnis bekommen. Am Volk vorbei geht nichts. Sind diese Politiker bereits verstrahlt???

08.09.2010
19:27
Merkel zahlt einen hohen Preis – von Walter Bau
von kuba4711 | #1

Wir sollten in diesem Zusammenhang lieber nicht von Frau Merkels Kraftakt sondern doch wohl eher vom Kaufakt sprechen.
Ansonsten kann man - Ihnen Herr Bau - analytisch zustimmen.

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