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Finanzkrise

Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen

09.10.2012 | 17:39 Uhr
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
Der Kurzbesuch von Angela Merkel wurde von Protesten begleitet wie hier von einem nackten Demonstranten. Foto: ap

Athen:  Griechenland soll den Euro behalten - das hat Bundeskanzlerin Merkel bei einem Kurzbesuch in Athen bekräftigt. Nach einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Samaras sagte sie, dafür seien allerdings weitere Reformen nötig. Gegen Merkels Besuch protestierten tausende Menschen, unter anderem mit Hakenkreuzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Griechen aufgefordert, zur Bekämpfung der Schuldenkrise auf dem "schweren Weg" der Reformen zu bleiben. "Es ist vieles geschafft, es ist noch Etliches zu tun", sagte Merkel am Dienstag nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Antonis Samaras in dessen Amtssitz in Athen. Merkel würdigte die bereits von den Griechen erbrachten Opfer und bekräftigte, das Land solle trotz der Krise den Euro behalten: "Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Eurozone bleibt."

Sie sei sich bewusst, dass ihr Besuch in eine "ausgesprochen schwierige Phase" falle, sagte Merkel nach dem Gespräch. "Viele Menschen leiden, ihnen wird viel abverlangt." Dennoch sei sie sich sicher, dass sich der "Weg für Griechenland lohnen" werde. Die Gespräche mit Samaras hätten deutlich gemacht, "dass es jeden Tag Fortschritte gibt".

Griechenland hofft weiter auf neue Milliarden aus dem Rettungsfonds

Mit dem griechischen Regierungschef sei sie sich einig darüber gewesen, was noch getan werden müsse, sagte Merkel. Allerdings "sind wir hier heute nicht die Troika", die aus den Gläubiger von IWF, EU-Kommission und EZB besteht. Diese arbeitet derzeit an einem bereits mehrfach verschobenen Bericht, der nun für Anfang November erwartet wird. Dabei gehe "Gründlichkeit vor Schnelligkeit". Die Regierung in Athen hofft auf einen positiven Troika-Bericht, der die Grundlage für die Überweisung weiterer 31 Milliarden Euro ist.

Finanzkrise
Merkel in Griechenland mit Hakenkreuzen begrüßt
Merkel in Griechenland mit Hakenkreuzen begrüßt

Zum ersten Mal seit Beginn der griechischen Schuldenkrise vor gut drei Jahren ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag zu einem Kurzbesuch in Athen eingetroffen. Während die Kanzlerin zunächst mit Ministerpräsident Antonis Samaras zusammentraf, protestierten Rechte und Linke im Zentrum der griechischen Hauptstadt gegen Merkel , die sie als Verfechterin eines strengen Sparkurses für ihre Misere des Landes mitverantwortlich machen.

Bei den Protesten kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten. Die Sicherheitskräfte gingen im Zentrum der griechischen Hauptstadt mit Tränengas gegen Demonstranten vor, die Steine und Brandsätze warfen. Um die Menge zurückzudrängen setzten die Polizisten außerdem Schockgranaten und Pfefferspray ein. Die Auseinandersetzungen spielten sich wenige Hundert Meter von dem Gebäude entfernt ab, in dem Merkel mit Ministerpräsident Antonis Samaras über die Schuldenkrise des südosteuropäischen Euro-Landes sprach.

Schon Stunden vorher hatte es auf dem Syntagma-Platz in Athen Proteste gegeben. Einige Demonstranten trugen dabei Plakate mit Hakenkreuzen und Aufschriften wie "Nein zum Vierten Reich" oder "Sie sind nicht willkommen, Imperialisten raus".  Mehr als 45 Menschen wurden festgenommen, unter anderem ein Mann, der sich der abgesperrten deutschen Botschaft nähern wollte.

Die Kanzlerin fordert weiter einen strengen Sparkurs von Griechenland

Merkel will bei ihrem Kurzbesuch den Hellenen ihre Unterstützung ausdrücken und sie zugleich an die eingegangenen Verpflichtungen erinnern. "Gutes Wirtschaften und Solidarität" sei die beste Kombination für die Zukunft Europas, sagte sie. Als Verfechterin eines strengen Sparkurses ist Merkel in Teilen der griechischen Bevölkerung sehr umstritten. Linke und nationalistische Parteien machen ihren Kurs für die seit Jahren anhaltende Rezession mitverantwortlich. An den Protesten der Linken in Athen nimmt auch der Chef der deutschen Linkspartei Bernd Riexinger teil.

Der deutsch-griechische FDP-Politiker Chatzimarkakis erhofft sich von Merkels Reise ein menschliches Signal an die Hellenen. "Die Kanzlerin hat im Sommer davon gesprochen, dass ihr 'Herz blutet', wenn sie etwa an die griechischen Rentner denkt", sagte der Europaparlamentarier. "Diese mitfühlende, christliche Empathie ist in Griechenland gut angekommen und wäre auch das absolut beste Signal für Ihre Reise."

Deutscher Politiker der Linken beteiligt sich an den Protesten in Athen

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) knüpfte weitere Zugeständnisse der Europartner an die Umsetzung von Reformen in Griechenland. "Der Besuch der Bundeskanzlerin zeigt, dass wir nach wie vor zur Solidarität bereit sind, allerdings gilt ebenso nach wie vor, dass die zugesagten Reformen auch umgesetzt werden müssen", sagte er der "Rheinischen Post".

Vor der Freigabe der nächsten Notkredite sollte das Land "spätestens bis zum 18. Oktober die schon im März vereinbarten Maßnahmen umsetzen", Linke-Chef Bernd Riexinger, der in Athen an Protesten gegen Merkel teilnehmen wollte, warnte vor verheerenden Folgen weiterer Sparprogramme. Alle bisherigen Hilfsprogramme seien mit Auflagen verbunden, etwa die Renten und Löhne zu senken und öffentliches Eigentum zu verkaufen, sagte er im ARD-"Morgenmagazin". "Das ist keine Perspektive, die den Menschen wirklich hilft."

Die Eurogruppe hatte Griechenland zuvor eine Frist von zehn Tagen zur Einhaltung seiner Sparversprechen gesetzt. sagte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker am Montagabend nach Beratungen der Euro-Finanzminister in Luxemburg. Das Land braucht spätestens Mitte November weitere 31,5 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungsprogramm, um nicht in die Pleite zu rutschen. Juncker forderte eine Entscheidung zu Griechenland "in den kommenden Wochen". (dapd/afp)

Rund 25.000 Menschen in Athen demonstrierten meist friedlich gegen den Besuch der Kanzlerin, Samaras sagte, das griechische Volk habe "geblutet" für die bisherigen Reformen. Er räumte ein, dass diese Reformen schon längst hätten umgesetzt werden müssen. Jetzt sei es wichtig, dass das Ziel erreicht werde, Griechenland wieder wettbewerbsfähig zu machen. Merkel wolle dem Land dabei helfen. "Heute haben wir einen Freund dieses Landes empfangen und haben eine neue Seite in unseren Beziehungen aufgeschlagen", sagte der griechische Regierungschef.

Demonstranten begrüßten Merkel mit Hakenkreuzen in Athen

die sie als Verfechterin eines strengen Sparkurses für ihre Misere mitverantwortlich machen. Sie zeigten ihre Ablehnung allerdings recht drastisch: mit Hakenkreuzen sowie Plakaten auf denen "Nein zum vierten Reich" als Schriftzug prangte

Gegen kleine Gruppen von Demonstranten, die die Absperrungen durchbrechen wollten, setzte die Polizei Tränengas ein. Insgesamt waren knapp 7000 Polizisten im Einsatz, um die Kanzlerin vor wütenden Demonstranten zu schützen.

Merkel trifft nach dem Gespräch mit Samaras noch den griechischen Präsidenten Karolos Papoulias sowie griechische und deutsche Unternehmer. Die sechsstündige Visite ist Merkels erster Besuch in Griechenland seit Beginn der dortigen Schuldenkrise vor drei Jahren. (afp)


Kommentare
10.10.2012
13:22
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von kuba4711 | #8

Es ist ja schon mal ein Fortschritt ,dass man die gegenwärtige Politik der Regierung Merkel -in Zusammenarbeit mit der sog. europäischen Troika - richtigerweise als Brüning`sche Sparpolitik bezeichnet.
Diese Sparpolitik wird im übrigen in ganz Europa durchexerziert.
Und auch in Deutschland selbst.
Die Schwierigkeiten ,die sich dadurch für die Realwirtschaften in allen Euro -Ländern ergeben ,haben diese Schwierigkeiten tatsächlich etwas mit der gemeinsamen Währung "Euro" zu tun ; oder geht diese Sichtweise nicht etwa nicht tief genug in die Misere der gegenwärtigen Wirtschaftspolitik im Interesse der Finanzwirtschaft?
Ist es nicht vielmehr so ,dass die Wirtschaftspolitik der Eurokraten und der Regierung Merkel vor allem die priveligierten Schichten im Auge hat und nicht etwa die nachhaltige Funktionsweise der realen Wirtschaft ,egal ob in Griechenland oder Deutschland?
Und für das Funktionieren der Realwirtschaft ist nun mal überall die Fähigkeit zu realer Nachfrage norwendig!

1 Antwort
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von Erler | #8-1

@kuba4711
Griechenland hatte mit der Euroeinführung auf einem Schlag enorm niedrige Zinsen. Anstatt die Zinsvorteile für mehr ökonomische Wettbewerbsfähigkeit zu verwenden, geschah genau das Gegenteil. Plötzlich war die gr. Inflationsrate größer als die realen Zinsen. Folglich folgte eine Konsumorgie, hauptsächlich auf Pump. Diese kurzfristig positive ökonomische Entwicklung ging einher mit kräftigen Lohnsteigerungen. Die Lohnstückkosten explodierten. Die Wettbewerbsfähigkeit ist im Einheits-Euro aber nicht mehr so einfach (z. B. Währungsabwertung) herzustellen. Diese ökonomischen Verwerfungen
sind letztlich nur noch mit schmerzlichen Spardiktaten zu entschärfen. Hinzu kam noch die unsägliche gr. Steuergesetzgebung. Anstatt die wohlhabenden Griechen, Millionäre und Milliardäre endlich an die Kandare zu nehmen, werden die Spar-Lasten auf die einfachen Griechen abgewälzt. Und diese fiese Entwicklung ist in allen EU-Ländern zu sehen. Schuld daran ist der EURO.

10.10.2012
12:19
Schluß mit der Europatümelei!
von Erler | #7

Mit Merkels Auftritt ist der Austritt von Griechenland aus der Eurozone vom Tisch.
Schon jetzt kann man sagen, daß der Verbleib von Griechenland in der Eurozone irre teuer für den deutschen Steuerzahler wird. Die Spardiktate (Brüningsche Deflationspolitik) der Troika funktionieren für die EU-Weichwährungsländer nicht. Es ist Irrsinn pur, daß der dt. Steuermichel für die mangelnde Steuermoral, für die Steuerflucht der reichen Griechen und gr. Oligarchen aufkommen muß. Daran ändern auch Merkels Durchhalte-Parolen nichts. Die Einheitswährung Euro verhindern die dringend erforderlichen Währungsabwertungen. Somit wird die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der traditionellen EU-Weichwährungsländer dauerhaft zementiert. Hinzu kommt der fatale einheitliche Leitzins der EZB. Dabei brauchen die Länder in der Euro-Zone unterschiedliche Zinssätze. Wie ein ertrinkender klammern sich die ideologischen verbohrten Eurofetischisten an das politische Europrojekt.

10.10.2012
07:40
Merkel würdigt Spar-Opfer - ach ist das süß !
von Ani-Metaber | #6

Vielleicht nimmt sie auch noch an Protesten in Griechenland teil, bei denen eine europaweites Vorgehen gegen Steuerhinterziehung gefordert wird ?

09.10.2012
20:36
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von silera | #5

Jetzt werden die Griechen aber mächtig stolz auf das Erreichte sein. Die fühlen sich nämlich genauso hinters Licht geführt wie die Leute in Deutschland , bloß uns geht es ja so super. Man sollte den Armutsberricht lesen.

09.10.2012
19:49
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von wkah | #4

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/griechenland/merkel-in-griechenland-wir-zahlen-nur-noch-fuer-uns-selbst-11919106.html


Wenn man diesen Artikel gelesen hat, bleibt nur eine Frage :

Wo und was, soll die griechische Bevölkerung sparen?

09.10.2012
19:29
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von unwitz | #3

Peinlicher als diese Proteste geht es kaum. Als Grieche würde ich mich in Grund und Boden schämen. Ein Land, welches einen Großteil seiner Einnahmen mit Tourismus generieren möchte, sollte ein freundlicheres Bild abgeben.

2 Antworten
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von kuba4711 | #3-1

@3 Dass Sie ,als ausgewiesener ,politischer Schwarzkittel, Ihre liebe Not mit demokratischer Ausdrucksweise haben ,dies ist bekannt im Forum .
Offenbar sind ihre politischen Erfahrungen auf den inszenierten Ringelpietz mit Anfassen bei den CDU -Parteitagen beschränkt!

Merkel würdigt Spar-Opfer - auch wie süß !
von Ani-Metaber | #3-2

Nicht die Griechen, aber viele Griechen wecken mit ihrem Protest Sympathie. Es werden mutmaßlich jene sein,
die weder die jetzige noch die vorherigen, betrügerischen Regierungen Griechenlands gewogen sind,
welche aber in Berlin früher und jetzt Unterstützung finden.

09.10.2012
18:55
Merkel würdigt Spar-Opfer der Griechen und fordert neue Reformen
von ichfassesnicht | #2

Hoffentlich sperrt unsere Bundeskanzlerin endlich die Ohren auf und hört auf des Volkes Stimme in Griechenland.

Es ist doch wohl eindeutig, was die Griechen wollen. Sie wollen Merkel nicht.
Also, verehrte Frau Bundeskanzlerin, erfüllen Sie ihnen den Wunsch.

Sagen Sie N E I N zu weiterem Geld für Griechenland.

Die Griechen wollen das so, also erfüllen Sie ihnen ihren so dringenden Wunsch.
Die deutschen Staatsbürger werden Ihnen das danken.

Das nach Griechenland geflossene Geld ist sowieso weg.

Und für andere Länder dürfte dies ein unmissverständliches Signal sein.

09.10.2012
18:13
Wer die Armut nicht ehrt, ist den Euro nicht wert.
von wohlzufrieden | #1

Frau Merkel, wenn Sie die Menschen jetzt auch noch verhöhnen, dann geht es Würde loser schon nicht mehr.

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