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Balkanroute ist dicht

Merkel redet – andere handeln

09.03.2016 | 17:40 Uhr

Es kann nicht sein, dass irgendetwas geschlossen wird, hat ­Angela Merkel vor dem EU-Gipfel am Montag gesagt. Und bei allem Pragmatismus, der die Kanzlerin auszeichnet: Es klang so, als stampfe sie mit dem Fuß auf, als könne nicht sein, was nicht sein darf.

Doch während sie ihre Parole jedem Mikrofon anvertraute, schafften die betroffenen EU-Kollegen Fakten: Die Balkanroute ist seit gestern dicht, und wen sollte es in Mazedonien oder Slowenien auch scheren, dass es Merkel und EU-Kommissionspräsident ­Jean-Claude Juncker gelungen war, diesen Satz in der Erklärung des Gipfels gerade noch zu verhindern?

Pure Kosmetik und im deutschen Fall auch ein Stück Augenwischerei, um die Haltung wenigstens öffentlich zu wahren: Hatte nicht „Mama Merkel“ höchstselbst vor einer Woche die „Politik des Durchwinkens“ für beendet erklärt und den Asyl­suchenden an der griechisch-mazedonischen Grenze zugerufen, sie könnten sich das EU-Land nicht aussuchen?

Merkel hat vor der beschämenden Blockadepolitik und ­Festungsmentalität der Nachbarn kapitulieren müssen: Von gerechter Verteilung ist keine Rede mehr, stattdessen wird Griechenland zum riesigen Flüchtlingslager umgebaut.

Aberwitzig ist die Annahme, die Grenzschließung werde Eindruck auf die Flüchtlinge machen. Die Schrecken, denen sie entkommen, sind größer als die Angst vor neuen gefährlichen Routen. Es wird noch mehr Tote geben. Europa zeigt sein hässliches Gesicht und zertrümmert seine Werte.

Frank Preuß

Kommentare
10.03.2016
16:28
Merkel redet – andere handeln
von 19fritz12 | #17

Frau Merkel wurde vor einiger Zeit als die mächtigste Frau der Welt bezeichnet. Ich habe das damals nicht verstanden. Heute schon.

Mit nur drei...
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4 Antworten
Merkel redet – andere handeln
von Meerer | #17-1

Ich glaube, ihre persönliche Aversion gegen Merkel hat Ihnen etwas die Sinne getrübt und in einigen Punkten verwechseln sie Ursache mit Wirkung,insbesondere was die griechische Tragödie anbelangt.

Merkel redet – andere handeln
von 19fritz12 | #17-2

@ Meerer | #17-1

Aber nein, auch andere sind zu ähnlichen Schlüssen gekommen:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article151371642/Wie-die-Physikerin-Merkel-zur-Metaphysikerin-wurde.html

http://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Erdogan-erpresst-Europa-article17168726.html

http://www.nzz.ch/meinung/merkeldaemmerung-1.18639497

Mag auch sein, dass ich meine rosa Brille vergessen habe aufzusetzen. Aber ich gebe Ihnen zum Teil Recht: Ich habe tatsächlich eine Aversion gegen Frau Merkel. Und die ist begründet, abseits der Flüchtlingsfrage.



Merkel redet – andere handeln
von Meerer | #17-3

Nochmals ganz ohne Brille und auch nicht von einem wahren Merkel-Fan(Stichwort: Energiepolitik):
1. Der : Kriegsflüchtlinge sind willkommen ist urchristlich, durch Genfer Konvention gedeckt und repräsentiert der Werte des Abendlandes, für die in Unkenntnis die Pegida auf die Straße geht
2. Die Fehleinschätzung, dass damit nicht alle in das Land der Träume kommen würde, ist ein Fehler gewesen, der aber korrigierbar ist aber auch zeigt, dass es diese Werte garnicht gbit, bzw. insbesondere nicht zum osteuropäischen Kulturgut zählt.
3. Wenn nur drei Worte reichten um die gesellschaftliche Situation in Deutschland offenzulegen ist dass m.E. genial.
4.Bei der Korrektur eines Fehlers kann ich nicht auch noch zum Moralapostel werden,
welchen Unterschied soll man denn dann zu Putin, Assad, Orban und viele andere sehen. Im übrigen können wir doch nicht unser Verständnis von Demokratie für andere Kulturen und Regionen vorschreiben, wir sind nicht der Nabel der Welt.

Merkel redet – andere handeln
von 19fritz12 | #17-4

@ Meerer | #17-3

Zum ersten Punkt: Sie werden in keinem meiner Beiträge ein Wort gegen Kriegsflüchtlinge lesen, auch nicht gegen sog. "Wirtschaftsfüchtlinge", die aus zuvor von internationalen Konzernen ausgeplünderten Gebieten Afrikas vor dem Hungertod fliehen.

Ich störe mich daran, dass es mal wieder (s. Energiewende) eine einsame schnelle Entscheidung Merkels war, die zu chaotischen Zuständen geführt hat. Auf nationaler Ebene ohne Einbindung der Länder und Kommunen, auf EU-Ebene anscheinend ohne Information der anderen Staaten vorab. Und den Kommunen ist nicht geholfen, wenn sie keine gesteuerten planbaren Zahlen vorliegen haben und kaum Unterstützung durch den Bund. Ebensowenig ist den Flüchtlingen geholfen, wenn sie in Massenunterkünften und Zelten untergebracht werden (Situation der Frauen, Kinder, Familien, ethnische und religiöse Auseinandersetzungen).

Ansonsten liegen wir m.E. nicht weit auseinander. Mit Ihrer zweiten Antwort komme ich jedenfalls besser zurecht.

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Merkel redet – andere handeln
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2016-03-09 17:40
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