Merkel gründet ihre eigene Denkschule
17.01.2012 | 17:43 Uhr 2012-01-17T17:43:00+0100
Berlin. Die Bundeskanzlerin startet einen Bürgerdialog im Internet. Die Themen: Wie wollen wir (zusammen)leben – und wovon? Diskussion wird per Livestream auf Youtube übertragen. 120 Experten beraten das Projekt, das auf Denglisch wohl Thinktank heißen würde.
Es ist ganz allein ihr Ding. Ihre Denkschule. Ohne Parlament, ohne ihre Minister, ohne Parteien, ohne politische Stiftungen. Sie alle bleiben in Angela Merkels Bürgerdialog außen vor. Seit dem letzten Sommer lässt sich die Kanzlerin von etwa 120 Experten beraten, meist Wissenschaftlern. Bislang hat sie es geheim gehalten. In der nächsten Phase sucht die Kanzlerin den virtuellen Draht zum Volk. Zum 1. Februar, so kündigte sie es zu Silvester an, startet sie eine Internetplattform.
Bis 15. April kann jeder mit Angela Merkel in Kontakt treten. Bei drei Veranstaltungen will die Kanzlerin 100 Bürgern jeweils 90 Minuten lang Rede und Antwort stehen: Am 29. Februar in Erfurt, am 14. März in Heidelberg, am 28. März in Bielefeld. Jede Runde wird als Livestream über einen Youtube-Kanal der Regierung übertragen. Bürgerbeteiligung ist das Gebot der Stunde — Vorbild sind die „Town-Hall-Meetings“ in den USA.
Es geht um drei Fragen: Wie wollen wir zusammenleben? (Erfurt) Wovon wollen wir leben? (Bielefeld) Und wie wollen wir lernen? (Heidelberg). Zu jeder Frage bildeten die Experten sechs Untergruppen, insgesamt 18. Wer sich zum Beispiel mit der Frage befasst „Wie wollen wir zusammenleben?“, redet im Detail über das Zusammenleben der Generationen oder über die Familie. Der Horizont reicht bis 2020. Die langen Linien. Aber andererseits sind neun Jahre auch so nah, dass man konkrete Empfehlungen schlecht auf die lange Bank schieben kann.
Draht zum Volk
Auf Sinnsuche war noch jeder Kanzler, Merkel womöglich mehr als andere, da sie in der Euro-Krise oft ad hoc entscheiden musste. Jeder Regierungschef hatte natürlich eine Planungs- und Grundsatzabteilung oder Berater und Räte. Aber so wie Merkel hat noch kein Kanzler systematisch den Draht zum Volk gesucht. Im Sommer will man Bilanz ziehen, alle Beiträge in einem Buch veröffentlichen. Es sei ein „offener Prozess“, heißt es in Regierungskreisen.
Mit jeder Arbeitsgruppe hat die Kanzlerin zwei Mal diskutiert, einmal saß man in Schloss Meseberg zusammen. Etliche Stunden hat sie investiert, die Experten erst recht. Mit zwei Professoren hat die WAZ gesprochen, mit dem Altersforscher Andreas Kruse aus Heidelberg sowie mit Dieter Spath, der das Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart leitet.
„Die Kanzlerin hört sehr gut zu“, berichtet Spath. Die Debatte sei anregend, „wahrscheinlich, weil sie ähnlich analytisch ist wie wir“. Kruse empfindet die Treffen ebenfalls als Gewinn, „ich fühle mich nicht ausgenutzt“. Es sei keine akademische Diskussion. „Was packt man an? Die Frage stellen wir uns schon“, versichert Spath. Da kommt ihnen zugute, dass die Politik vielen von ihnen nicht fremd ist und dass ihr Rat auch schon häufig gefragt war.
„Ein weiterer Beleg für Merkels präsidialen Stil“
Das Kanzleramt nimmt keinen Einfluss auf das Ergebnis, stellt bloß den organisatorischen Rahmen. „Sonst käme nur Schneegestöber dabei raus“, weiß Spath. So wurden alle angehalten, die Stellungnahmen bis zum 19. Dezember 2011 einzureichen. Es war Merkels Weihnachtslektüre. Als sich die Kanzlerin nach dem Urlaub zurückmeldete, war sie gut vorbereitet und entschlossen, den Dialog mit den Bürgern anzugehen.
Es war mal eine Silvesteransprache mit Folgen. Die SPD sieht der „Road-Show“ misstrauisch entgegen. Für Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier ist sie noch ein Beleg für Merkels präsidialen Stil.

09:44
Jewils 100 (wahscheinlich ausgesuchte) Bürgern will sie 90 Minuten lang Rede und Antwort stehen. 100 Bürger mit wahrscheinlich vorgefertigten Fragen auf die es dann die üblichen inhaltslosen Sprechblasen als Antwort gibt. Damit soll dem Bürger dann wieder suggeriert werden, dass er mitgestalten darf. Das ganze wird wieder eine der inzenierten Showveranstaltungen. Helmut Kohl machte so was früher über SAT 1 zur besten Sendezeit. Und es soll ja tatsächlich Leute gegeben haben, die sich den Quatsch angeschaut haben. Merkel will modern wirken und nutzt das Internet.
Zitat: Aber so wie Merkel hat noch kein Kanzler systematisch den Draht zum Volk gesucht.
Den sucht sie aber anscheinend nur, um dann anschließend genau das Gegenteil zu machen. Und das Ganze soll dann auch noch als Buch erscheinen.
Politik hat nichts mehr mit dem Volk zu tun. Es ist ein elitärer, geschlossener Kreis, der sich seine eigenen Regeln macht und in erster Linie für das eigene Wohl sorgt.
Wie soll Tucholsky mal gesagt haben?
Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie längst verboten!
10:52
Wird sie auf dem Foto oben von der Weisheit geblendet?
09:35
Dann müsste sie die erste Schülerin sein und der Rest folgt dann. Hat Merkel mal wieder ein neues Wort gehört? DENKEN?
13:34
Man sollte nicht etwas gründen, von dem man nichts versteht...
12:03
... aber nur mit ´Schul-Pflicht´ für Politiker ;-))
11:08
erhofft sich Merkel jetzt Antworten vom Volk auf die Fragen, die sie nicht beantworten kann? Sorry, aber sie (und ihre Mitarbeiter, Minister, etc.) werden doch vom Volk (also von den Steuern) genau dafür bezahlt, dass sie SELBER denken und zwar so richtig, umfassend, ganzheitlich und weiter als bis zur nächsten Wahl oder Diätenerhöhung ... DAS gehört doch wohl auch mit zum Regieren oder hab ich da was falsch verstanden?
10:40
Das gibt zu denken...
09:37
Soso, das Volk der Dichter und Denker benötigt eine "Denkschule".
09:10
Wenn du nicht mehr weiter weiß, gründe einen Arbeitskreis.
aber mal im Ernst, es wird ein Bedingungsloses Grundeinkommen geben das ähnlich wie bei Hartz 4, Miete, Heizkosten Strom, Wohnen und Grundernährung abdeckt.
Wer mehr will, wird zB Auto, Urlaub, Haus oder Luxus muß arbeiten.
Na Ja mindestens eine Überlegung ist es wert.
20:27
Der erst Gast müsste Wulff sein.