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Interview

Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition

04.09.2009 | 16:03 Uhr
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition

Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt im Interview mit der WAZ Mediengruppe für ein Bündnis mit der FDP. Für eine Koalition mit den Grünen sehe sie auf Bundesebene keine Chance. Und eine Neuauflage der großen Koalition würde nach Ansicht von Merkel keine Stabilität mehr garantieren.

Sie will nicht streiten, jammert die SPD. Sie soll keinen Wahlkampf im Schlafwagen machen, fordern viele in der eigenen Partei. Es ist die Sehnsucht nach Wahlkampf nach alter Sitte: als Holzerei. „Das passt nicht in die Zeit", antwortet Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), „dafür ist die Finanzkrise zu ernst." Die Menschen erwarteten von ihr nicht, „dass ich jeden Tag über andere schlecht rede", sagt sie der NRZ beim Gespräch in ihrem Büro im Kanzleramt.

Frau Merkel, Sie führen – aus Sicherheitsgründen – eine abgeschottete Existenz...

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier. Foto: ap

Merkel: ... kann man von den äußeren Umständen so sagen. Ich kann nicht einfach allein mit der U-Bahn fahren, aber ansonsten fühle ich mich mittendrin und nicht abgeschottet.

Sind Sie eine Arbeiterin?

Merkel: Kann man so sagen. Das hat sicher mit meinem Wesen und mit meiner Ausbildung als Physikerin zu tun. Ich kann sehr schlecht über Dinge sprechen, die ich nicht wirklich verstanden habe.

Haben Sie die Bankenkrise verstanden?

Merkel: Es geht darum, die richtigen Lehren aus der Krise zu ziehen - die Mechanismen, die zu ihr geführt haben, sind inzwischen gut aufgearbeitet. Im Übrigen habe ich ja schon während der deutschen G-8-Präsidentschaft vor zwei Jahren das Thema der hochriskanten und intransparenten Hedge-Fonds auf die Tagesordnung gesetzt. Leider war vor der Krise der internationale Konsens über die Dringlichkeit des Handelns noch nicht da. Allerdings ist es auch nicht immer einfach, zum Beispiel bei den Boni, angemessene Regelungen zu finden, die nicht umgangen werden können.

Die Leute auf der Straße werden Ihnen sagen, „mach, dass sich so etwas wie die Bankenkrise nicht noch einmal ereignet. Wenn Sie frei wären, was würden Sie gern noch lösen?

Merkel: Zunächst einmal muss man festhalten, dass der G20-Prozess bereits viele konkrete Ergebnisse erreicht hat, und auch auf nationaler Ebene haben wir beispielsweise die Möglichkeiten der Aufsicht verbessert und ein Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung beschlossen. Unsere Beratergruppe um Herrn Professor Issing, den ehemaligen Chef-Ökonom der EZB, empfiehlt darüber hinaus eine Risiko-Weltkarte des Finanzsystems. Der G20-Gipfel in Pittsburgh Ende September wird konkrete weitere Schritte bringen. Ich habe zusammen mit Nicolas Sarkozy und Gordon Brown gemeinsame Forderungen Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens formuliert, für die wir kämpfen werden.

Worauf kommt es an?

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Dieter Althaus. Foto: ap

Merkel: Auf die weitere Umsetzung der Beschlüsse des G20-Gipfels von London: kein Land, kein Akteur und kein Finanzprodukt ohne Aufsicht. Dann sollen Banken Staaten nicht länger wegen ihrer hohen systemischen Bedeutung zur Hilfe pressen können. Daher sollten wir darüber nachdenken, dass Banken mit einem hohen systemischen Risiko mehr Eigenkapital vorhalten müssen. Zudem müssen wir an einer Insolvenzordnung für solche Banken arbeiten. Der zweite Punkt sind die Boni der Manager. Die Vergütungssysteme dürfen nicht dazu führen, dass die Verantwortlichen zu hohe Risiken eingehen. Der französische Präsident und ich haben gerade eine Initiative gestartet, um Boni zu begrenzen. Auch in diesem Punkt unterstützt uns nun die britische Regierung.

Bei den Fragen haben Sie mit der SPD harmoniert. Ist es nicht der Wunsch der Leute, dass Union und SPD weitermachen, angeführt von einer präsidialen Kanzlerin?

Merkel: Die Menschen fragen sich, welche Regierung Deutschland am besten aus der Krise führen kann. Ich werbe für eine Koalition einer möglichst starken Union mit der FDP. Wir haben die größten inhaltlichen Übereinstimmungen für wirtschaftliches Wachstum. Große Koalitionen sind eine Ausnahme in der Demokratie, nicht mehr und nicht weniger.

Wären weitere vier Jahre große Koalition einfach nur eine Fortsetzung?

Merkel: Die jetzige Koalition hat alles in allem gute Arbeit geleistet. Jetzt gilt: Deutschland braucht in Zeiten der Krise klare Verhältnisse und eine stabile Regierung, auf die man sich verlassen kann. Das würde mit der SPD so nicht mehr möglich sein, weil sie ständig unter dem Druck der Linken stünde.

Wenn die SPD sich alles offen hält, müsste da nicht auch die Union Neues wagen?

Merkel: Wir haben mit der SPD regiert, weil das ein Ergebnis der Bundestagswahl 2005 war. Und wir haben den Wählerauftrag verantwortungsvoll umgesetzt. Ich werbe jetzt für eine Koalition mit der FDP.

Und Schwarz-Grün?

Merkel: Auf Bundesebene sehe ich keine Chance für eine Koalition mit den Grünen. Dafür liegen wir in zu vielen Punkten weit auseinander.

Der thüringische Ministerpräsident Althaus ist zurückgetreten. Ist der Weg für eine große Koalition in Erfurt frei?

Merkel: Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Dieter Althaus. Mich verbindet mit Dieter Althaus eine langjährige politische und auch persönliche Freundschaft. Er hat unendlich viel für Thüringen getan und immer die Menschen im Blick gehabt. Er hat sein Land als erfolgreicher Ministerpräsident in vielen entscheidenden Themen nach vorne gebracht. Ich habe seinen Rat im Präsidium der CDU jederzeit geschätzt. Für die anstehenden Gespräche zwischen der SPD und der CDU in Thüringen hat die SPD nach seinem Schritt keine Ausrede mehr, einer ernsthaften Befassung mit einer großen Koalition in Erfurt weiter auszuweichen.

Ulrich Reitz u. Miguel Sanches

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Kommentare
06.09.2009
23:59
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von kl | #63

Wieder mal erstaunlich, bin selber überrascht.
KEINER der sogenannten Neoliberalen hat auch nur eine vernünftige Antwort zu meiner Rechnung.
ARMES DEUTSCHLAND

05.09.2009
12:13
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von Sozialerdemokrat | #62

Man muss zwei Fälle unterscheiden. Wenn Schwarz-Gelb gewinnt, werden die Wählerinnen und Wähler sich sehr schnell betrogen fühlen. FDP und CDU versprechen Steuersenkungen, sagen aber nicht, wie sie die Kosten der Krise finanzieren wollen. Wahrscheinlich wird es Steuererhöhungen und Sozialabbau geben. Das ist dann die Stunde der Opposition und damit auch die Stunde der Linken. Wenn Schwarz-Gelb in Schleswig-Holstein gewinnt, hätte sie im Bundesrat wieder eine Mehrheit. Aber die könnte im Mai 2010 durch die Landtagswahl in NRW wieder verloren gehen. Dann kommt 2011 die Landtagswahl in Baden-Württemberg, zum ersten Mal könnte dort die CDU die Mehrheit verlieren. Auch in Sachsen-Anhalt könnte die große Koalition abgelöst werden. Oskar Lafontaine weiß, wie man eine schwarz-gelbe Bundesregierung über den Bundesrat ausbremsen kann. Wenn Schwarz-Gelb bei der Bundestagswahl verliert, gibt es eine große Koalition. Dann wird die SPD weiter verlieren und die Linke wird zur einzigen sozialen Opposition. Bündnisse zwischen SPD und Linken werden schwieriger. Die SPD würde immer wieder versuchen, ihre Politik im Bundesrat durchzudrücken. Wahrscheinlich würde die SPD weiter an Substanz einbüßen

05.09.2009
02:14
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von wylestars | #61

Die Diskussion zeigt wieder eines ganz deutlich: Es gibt viel zu viele dumme Menschen, die der Polemik einiger weniger neoliberaler Rattenfänger glauben und Ihre Stimme antidemokratisch und zu eigenem Nachteil verschenken. Leider erhält man das Wahlrecht mit 18 (16) Jahren unabhängig von der Eignung und darf an die Wahlurne treten. Jeder Gewohnheits-Wähler zeigt nur seine Unmündigkeit!
Die Diskussion beweist nur wie gefährlich unwissend viele Bürger sind, die Zugang zu freien Medien haben könnten! Stattdessen schenken Sie dem Geblubber einer Merkel Glauben! Gute NAcht Deutschland

04.09.2009
20:55
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von jps | #60

Die Merkel will die Bürger wohl für doof verkaufen

Die Menschenrechtslage in Deutschland hat sich - nicht zuletzt mit dem BKA-Gesetzt - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt und die will den Anschein erwecken, die Verhältnisse seien doch in Ordnung.

Richtig ist, dass die Merkel für Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art persönlich verantwortlich ist.

04.09.2009
19:43
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von stylewars | #59

Die Diskussion zeigt wieder eines ganz deutlich: Es gibt viel zu viele dumme Menschen, die der Polemik einiger weniger linker Rattenfänger glauben und Ihre Stimme antidemokratisch und zu eigenem Nachteil verschenken. Leider erhält man das Wahlrecht mit 18 (16) Jahren unabhängig von der Eignung und darf an die Wahlurne treten. Jeder Protest-Wähler zeigt nur seine Unmündigkeit!
Die Diskussion beweist nur wie gefährlich unwissend viele Bürger sind, die Zugang zu freien Medien haben könnten! Stattdessen schenken Sie der Polemik eines Lafontaines Glauben! Gute NAcht Deutschland

04.09.2009
19:28
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von Elektrosteiger | #58

Na ja, dan kann sie ja mit 35% und den paar Prozent der Guidoshow versuchen, weiter zu regeiren...

04.09.2009
18:19
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von dummberger | #57

@52 von r.kant
Das ist zuviel der Ehre für die neokommunistischen Linken, Erfinder des Mindestlohns zu sein. Schließlich gibt es den Mindestlohn in vielen Ländern Europas, deren Regierungen man kaum als kommunistisch bezeichnen kann. Mindestlohn ist eine Sache des gesunden Menschenverstandes. (ich hoffe, Sie damit nicht zu überfordern) Dass jemand, der arbeitet, davon auch leben kann, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Oder warum zahlt der Staat durch Aufstockung einen Teil des Lohnes? Das ist doch eine versteckte Subvention. Wollten die Liberalen nicht gerade die abschaffen?

04.09.2009
16:01
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von kl | #56

@r.kant

in der Schule würde es jetzt heißen:

THEMA VERFEHLT

Antworten - keine Phrasen

04.09.2009
15:56
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von r.kant | #55

@ #51 kl

Das lassen sie sich besser von einem Vertreter der postliberalen und neokommunistischen Linken erklären. Das sind ja auch schließlich die Erfinder des Mindestlohns. Aber ich zweifel ob sie da auch einen finden, der in Mathe gut ist. :-)))

04.09.2009
15:36
Merkel gegen Neuauflage der großen Koalition
von kl | #54

Unabhänig von allen möglichen Koalitionen.
Nehmen wir doch mal 2 Vorschläge des sogennanten neoliberalen Flügels:
1. kein Mindestlohn
2. mehr private Vorsorge.

zu 1: Wir gehen mal von dem immer wieder auftauchenden Mindestlohn von 7,50 die Stunde aus. Sprich ca 900,00 Euro netto.

Zu 2 : Bei diesem Einkommen erledigt sich dieser Punkt von alleine, da kein Geld mehr über ist für private Vorsorge.

Resultat : Ein Arbeitnehmer darf 30 oder 40 Jahre arbeiten und darf sich dann freuen die sogenannte Grundsicherung zu erhalten.

Da diese Grundsicherung ja vom Staat aufgestockt wird - wer zahlt?

Diesen Sinn müsste mir mal ein Verfechter des Neoliberalismus erklären
Aber einer der in Mathe aufgepasst hat.

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