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Afghanistan

Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs

07.09.2009 | 11:53 Uhr
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs

Berlin. Nach dem Luftangriff auf zwei entführte Tanklastzüge in Afghanistan hat Bundeskanzlerin Merkel eine umfassende Aufklärung gefordert. Medienberichten zufolge reagieren hochrangige deutsche Militärs inzwischen empört über „offenbar von den USA gezielt gestreute Fehlinformationen“.

Nach dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff auf zwei entführte Tanklastzüge in Afghanistan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine zügige und umfassende Aufklärung gefordert. Gleichzeitig kündigte sie Unterstützung für eine internationale Afghanistan-Konferenz an. Wegen seiner Informationspolitik zu dem Vorfall gerät Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zunehmend unter Druck.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wenn es zivile Opfer gegeben hat, dann werde ich das natürlich zutiefst bedauern». (Foto: ap)

"Wenn es zivile Opfer gegeben hat, dann werde ich das natürlich zutiefst bedauern», sagte Merkel am Sonntag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Zugleich sagte die Kanzlerin den Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ihre «politische Unterstützung» zu.

Steinmeier: „Schnellstmöglich und rückhaltlos“ aufklären

Wie Merkel sagte, unterstützten Deutschland, Großbritannien und Frankreich die Einberufung einer internationalen Afghanistan-Konferenz noch in diesem Jahr. Die Konferenz solle klären, in welchem Zeitraum welche Ziele erreicht werden sollen. Die einzelnen Partner müssten wissen, welche Aufträge sie zu erfüllen hätten. So müsse geklärt werden, wieviele Soldaten Afghanistan künftig brauche und wieviele Polizisten ausgebildet werden müssten.

Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte eine rasche Untersuchung des Luftangriffs. Der Vorfall müsse «schnellstmöglich und rückhaltlos» aufgeklärt werden, sagte Steinmeier der «Berliner Zeitung». Es müsse deutlich gemacht werden, dass alles getan werde, um zivile Opfer zu vermeiden.

Verteidigungsminister Jung wegen Informationspolitik in Kritik

Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei warf Verteidigungsminister Jung «absolutes Versagen» vor. Jung unterschätze völlig die politisch-psychologische Wirkung des verheerenden Luftangriffs in Kundus, sagte Nachtwei der «Frankfurter Rundschau». Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) nannte Jungs Informationspolitik ein «Desaster». Dem «Hamburger Abendblatt» sagte Rühe, es müsse jetzt eine «totale Offenlegung der Entscheidungsprozesse von deutscher Seite» geben. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Ulrike Merten (SPD), sagte dem Berliner «Tagesspiegel», angesichts der Schwere des Vorfalls hätte der Minister «frühzeitig, zeitnah und ausführlich über die Umstände am Hindukusch informieren müssen».

Wegen seiner Informationspolitik gerät Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zunehmend unter Druck. (Foto: ap)

Nach einem Bericht der «Washington Post» soll es bei dem Angriff 125 Tote gegeben haben, von denen zwei Dutzend keine Aufständische seien. Die Zeitung berichtete unter Berufung auf ein Nato-Erkundungsteam, der deutsche Oberst habe den Nato-Angriff auf der Grundlage von nur einer Quelle befohlen. Nach der neuen Nato-Strategie zur Vermeidung ziviler Opfer muss einer solchen Entscheidung demnach immer mehr als eine Quelle zugrunde liegen.

Isaf: Noch keine Ergebnisse übermittelt

Die Nato-Truppe Isaf wies den Bericht zurück. Nato-Experten würden den Vorfall in der nordafghanischen Provinz Kundus derzeit noch untersuchen, sagte Isaf-Sprecher Eric Tremblay. Es seien noch keine Untersuchungsergebnisse übermittelt worden. Auch stehe die Zahl der Opfer noch nicht fest.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) verteidigte den Angriff erneut. Es habe klare Hinweise gegeben, dass die Taliban die beiden Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht hätten, um einen Anschlag auf den Bundeswehr-Stützpunkt in Kundus zu verüben, sagte er der «Bild am Sonntag». Es seien «ausschließlich terroristische Taliban getötet worden». Die Bundeswehr beziffert die Zahl der Toten auf «mehr als 50».

Zeitung: Schwere Verstimmungen zwischen Bundeswehr und US-Streitkräften

Die «Washington Post» erhebt schwere Vorwürfe gegen den deutschen Kommandeur des Bundeswehrlagers in Kundus, Oberst Georg Klein. (Foto: ap)

Der Nato-Angriff auf zwei von Taliban entführte Tanklastzüge mit zahlreichen Toten soll nach einem Zeitungsbericht zu schweren Verstimmungen innerhalb der Internationalen Schutztruppe Isaf geführt haben. Wie die «Neue Osnabrücker Zeitung» berichtet, reagieren hochrangige deutsche Militärs empört über «offenbar von den USA gezielt gestreute Fehlinformationen in einem laufenden Untersuchungsverfahren». Hintergrund sind kritische Stellungnahmen des Nato-Befehlshabers, US-General Stanley McChrystal, und ein Artikel der «Washington Post», in dem schwere Vorwürfe gegen den deutschen Kommandeur des Bundeswehrlagers in Kundus, Oberst Georg Klein, erhoben wurden.

Nach Ansicht deutscher Militärs sei der Bericht der «Washington Post» eine «bodenlose Frechheit». Entgegen des üblichen Verfahrens hatte das siebenköpfige Nato-Untersuchungsteam von US-General McChrystal einem US-Journalisten erlaubt, die Ermittlungen zu verfolgen. «Das stinkt zum Himmel», sagte ein Militär. «Offensichtlich ist Oberst Klein das Bauernopfer, um das deutsche Engagement in Afghanistan zu diskreditieren.»

In den vergangenen Jahren hätten sich zwischen den Verbündeten viele Verstimmungen aufgebaut, nicht zuletzt wegen der oft von deutscher Seite getätigten Kritik an dem militärischen Vorgehen der USA. «Das ist die Retourkutsche», hieß es in deutschen Militärkreisen. Zudem gebe es das Gerücht, dass die USA die Deutschen aus Kundus «herausekeln wollten». (ddp/afp)

DerWesten

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Kommentare
07.09.2009
19:22
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von helgahein | #70

Leider habe ich die Berichterstattung nicht von Anfang an verfolgen können.
Bei dem ganzen Geschrei und Gezeter und der Wahlkampfempörung vermisse ich die Klärung einiger offener Fragen:
1. Die Fotos sehen aus, als wären die LKW mitten im Nirgendwo bombadiert worden. Wo kommen also die angeblich getöteten Zivilisten her?
2. Laut Bericht ist der Luftangriff gegen 2 Uhr nachts erfolgt. Was machen um diese Zeit hunderte Zivilisten, darunter auch Kinder mitten in
diesem Nirgendwo?

07.09.2009
16:58
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von Ulrich Koenig | #69

Die Soldaten reissen sich den ***** auf im Kampf gegen den Taliban-Terror. Wir Millionen Maul-Helden im Internet sollten in dieser hochkomplizierten Angelegnheit einfach erst mal nur die Klappe halten. Das gilt natürlich auch für alle anderen Themen, bei denen die Sachlage unklar ist und interpretiert wird...

07.09.2009
16:19
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von 0815/09 | #68

Vor siebzig Jahren schickte Hitler deutsche Soldaten ins Ausland. Diese töteten und Hitler nannte man vernünftigerweise einen Verbrecher. Heute schicken Politiker fast aller Parteien ( CDU, SPD, FDP und Grüne – sie votierten nicht mit „Nein“ ) Soldaten erneut ins Ausland. Diese töten wieder und unsere Politiker sprechen von einem humanitären Auftrag, da sie die Menschen dort vor Unterjochung schützen wollen. Ob die unschuldigen Opfer der deutschen Soldaten das genauso sehen?
Und wer glaubt, ein paar Nato-Soldaten könnten mit Waffengewalt Jahrhunderte alte Bräuche und Sitten uns fremder Kulturen und Religionen im Sinne der westlichen Welt ändern, sollte seine Arroganz und Reformationsfreudigkeit in Richtung unserer eigenen Unzulänglichkeiten lenken.

07.09.2009
14:44
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von Immanuel Kant | #67

Millionen von Deutschen waren Opfer durch der Alliierten im zweiten Weltkrieg. Auch wenn manche Angriffe wie der auf Dresden moralisch fragwürdig sind, bejahen wir heute im Grundsatz den militärischen Einsatz gegen das Deutsche Reich. Wir sind heute dankbar für ein demokratisches Deutschland und ein friedliches Europa, dass durch den Einsatz der West-Alliierten hervorgegangen ist.

Afghanistan ist nicht nur ein Zentrum für die Ausbildung und Koordination von Terroristen, sondern auch die Zivilisten leiden unter der politischen Instabilität des Landes. Ich finde es richtig, dass die NATO, den Aufbau des Landes unterstützt. Dazu gehört auch die militärische Unterstützung, deren strategisches Ziel es ist, das Afghanistan alleine die Ordnung und Sicherheit aufrecht erhalten kann. Das geschieht zum Beispiel durch Ausbildung der Armee und Polizei.

Es ist richtig, dass die Militäroperation der deutschen Bundeswehr untersucht wird. Jedoch sollte der Einsatz der Bundeswehr dadurch nicht in Frage gestellt werden.

07.09.2009
14:34
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von Pfeifender Hase | #66

@dummberger:
Wir befinden uns deshalb nicht im Krieg, weil in diesem Fall die Befehlsgewalt über die Bundeswehr (und damit auch die Verantwortung für ihr Tun) vom Minister auf die Kanzlerin übergehen würde. Der Hosenanzug aus der Uckermark würde vermutlich eher eine WG mit Oskar aufmachen, als sich auf so etwas einzulassen. Wenn jetzt ein Versager gesucht wird, kann man sich jeden beliebigen überforderten Kommandeur greifen - die beste Kanzlerin aller Zeiten lehnt sich entspannt zurück.

07.09.2009
14:17
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von dummberger | #65

Ich bitte einige meiner schlauen Mitkommentatoren, Namen und Adressen im Verteidigungsministerium zu hinterlegen, da Sie ja anscheinend über Informationen verfügen, die das Verteidigungsministerium nicht hat.

Von Herrn Jung würde ich gerne wissen, wieso ein deutscher Oberst so einen Angriff anordnen kann, wenn wir uns doch gar nicht im Krieg befinden.

07.09.2009
13:58
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von kuba4711 | #64

@ 62 RealGE .Hundert Prozent Zustimmung.

07.09.2009
13:38
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von RealGE | #63

Die Vorfälle und das ganze erinnert einem sehr stark an Vietnam.
Afghanistan wurde schon für so viele Weltmächte zum Grab. Daher, raus mit unseren Jungs aus Afghanistan, das ist nicht unser Krieg!!!!

07.09.2009
13:17
Merkel fordert umfassende Aufklärung des Luftangriffs
von Marcel1977 | #62

#45 von Raus aus Afghanistan:
vor meiner Haustüre 40.000 Liter Benzin auslaufen
Da ist nichts ausgelaufen...

bei den Spritpreisen hier im Schweinesystem Deutschland
Wir reden von Afghanistan.

bei dem Benzingestank von alleine wach werden
Nett, selbst ausgedacht?

Was soll also das blöde Gefasel ?????????????
DAS frage ich mich bei ihnen allerdings auch. Und vor allem: Wird eine Frage durch viele Fragezeichen noch fragiger?

07.09.2009
13:09
Blockierter Kommentar.
von James.Brunt | #61

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