Mehrfach steuerten Piloten ihre Jets ins Verderben

Düsseldorf..  Fast 21 Jahre ist es her, dass die entsetzte Copilotin der marokkanischen Fluggesellschaft Royal Air Maroc rief: „Kapitän, was machen Sie da?“ „Mourir“, schrie der Mann, zu Deutsch: „Sterben“. Er ließ seine Turboprop bei Agadir abstürzen. Alle 44 Insassen kamen um, darunter eine Hamburgerin und ihre einjährige Tochter. Es war die Black Box, die den beweiskräftigen Dialog enthüllte.

Piloten-Selbstmord durch Absturz – es ist ein in der Luftfahrt nicht unbekanntes Phänomen. Wie oft es tatsächlich vorkommt? Unklar. Fluggesellschaften geben die Vorfälle nur ungern zu. So löste der Tod von 217 Passagieren eines Egypt-Air-Fluges im eisigen Atlantik 2010 eine heftige Kontroverse zwischen den Sicherheitsbehörden der USA und Ägyptens aus. Die Amerikaner interpretierten den auf dem Rekorder festgehaltenen letzten Satz eines Piloten vor dem tödlichen Absturz („Ich lege mein Schicksal in Deine Hände, Allah u Akbah“) als klare Suizid-Absicht aus. Die Ägypter widersprachen: War es nicht normal für einen gläubigen Muslim, in einer Gefahr Gott anzurufen?

Liebeskummer, Alkohol, Schulden

Ob Alkohol, Anti-Depressiva, Liebeskummer – die Auslöser von Piloten-Suiziden sind so verschieden wie die vor einem heranrasenden ICE. Seiji Katagiri etwa, der seine DC-8 der Japan Air Lines 1982 in die Bucht von Tokio steuerte, war psychisch gestört. Er litt polizeiaktenkundig an Halluzinationen. Vor dem geplanten Absturz hatte er noch den Flugingenieur tätlich angegriffen. Bei dem Desaster starben 24 Passagiere, 80 überlebten teils schwer verletzt. Auch der 35-jährige Katagiri gehörte zu den Überlebenden.

Schulden drückten dagegen Tsu Ming, den Flugkapitän, der vor seinem wohl geplant letzten Einsatz in Indonesien eine Lebensversicherung abschloss. 103 Fluggäste bezahlten das mit dem Leben.

Wenige Stunden nach dem Absturz des Germanwings-Airbus fragte die Lokalzeitung „Nice Matin“ den Luftfahrtexperten und Flugzeugführer Michel Polacco, ob auch ein Selbstmord im Spiel gewesen sein könnte. Polacco, der noch nichts von dem Stimmenrekorder wissen konnte, antwortete sofort: „Das ist möglich“. Es sei mehrfach passiert.