Mehr Geld für traumatisierte und geschädigte Heimkinder

Eines von vielen Beispielen im Missbrauchsskandal an Heimkindern: An der Odenwaldschule waren 2010 lange zurückliegende sexuelle Übergriffe an Schülern ans Licht gekommen. Offiziell wird dort von 132 Opfern ausgegangen, auch von 500 Missbrauchten ist die Rede.
Eines von vielen Beispielen im Missbrauchsskandal an Heimkindern: An der Odenwaldschule waren 2010 lange zurückliegende sexuelle Übergriffe an Schülern ans Licht gekommen. Offiziell wird dort von 132 Opfern ausgegangen, auch von 500 Missbrauchten ist die Rede.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Viele Heimkinder leiden bis heute an traumatischen Erfahrungen. Der von Bund, Ländern und Kirchen getragene West-Fonds soll nun aufgestockt werden.

Berlin.. Die Bundesregierung will mehr Geld für Menschen bereitstellen, die von 1949 bis 1975 als Heimkinder Leid und Unrecht erlebt haben. Zu den bisher 120 Millionen Euro im sogenannten Fonds Heimerziehung West sollen noch einmal 182 Millionen Euro dazukommen. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen.

"Wichtig ist, dass wir mit dem Fonds diesen Kindern und Jugendlichen, die heute erwachsen sind, aber immer noch unter den Folgen dieses Unrechts leiden, helfen - mit Sachhilfen aber auch zum Beispiel mit Ansprüchen bei der Rente", erklärte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Geschätzt 30 Prozent des Fonds fließen in Rentenersatzansprüche, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

"Es waren keine leichten Verhandlungen"

Die Sachleistungen sollen den Alltag der Betroffenen erleichtern und müssen in Bezug zu den Erfahrungen in den Heimen stehen. Bezahlt werden zum Beispiel Therapien, die die Krankenkassen nicht mehr bewilligen wollen oder ein altersgerechter Umbau der Wohnung, damit die Betroffenen nicht wieder in einem Heim leben müssen. Auch im Bereich Erholung wird unterstützt - zum Beispiel mit dem Kauf einer Kleingartenparzelle. Bis zu 10.000 Euro solcher Sachleistungen kann ein ehemaliges Heimkind erhalten.

Heimkinder Finanziert wird der Fonds zu je einem Drittel von den Ländern, dem Bund, sowie den beiden Kirchen. Auch die zusätzlichen 182 Millionen sollen so aufgeteilt werden. "Es waren keine leichten Verhandlungen, aber ich bin froh, dass alle Partner, die gemeinsam Verantwortung tragen müssen, an Bord bleiben", sagte Schwesig.

Fast 20.000 Anträge auf Entschädigung

Von 1949 bis 1975 waren in der Bundesrepublik rund 800.000 Kinder und Jugendliche in Heimen untergebracht. Viele von ihnen machten dort traumatisierende Erfahrungen - es gab Zwangsarbeit, Demütigungen, Schläge. Die Betroffenen leiden bis heute unter den Folgen, deswegen sollen sie Hilfe bekommen, die ihnen das Leben erleichtert.

Fast 20.000 Menschen haben bis zum 31. Dezember 2014 einen Antrag auf Hilfen aus dem Fonds Heimerziehung West gestellt, circa 13.000 Anträge wurden bereits bewilligt. Die anderen warten noch auf Termine für Beratungsgespräche. Bis Ende 2018 sollen alle Anträge bearbeitet und die Gelder ausgezahlt sein.

Für die Opfer von rigoroser Heimerziehung in der DDR existiert seit 2012 ein eigener Fonds. Dieser wurde im vergangenen Jahr aufgestockt. (dpa)