Mehr Einbrüche in NRW - aber Jugendkriminalität geht zurück

Die Polizei in NRW verzeichnete für das Jahr 2012 mehr Straftaten als im Vorjahr. Unter anderem stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche an.
Die Polizei in NRW verzeichnete für das Jahr 2012 mehr Straftaten als im Vorjahr. Unter anderem stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche an.
Foto: Thomas Nitsche (Symbolfoto)
Weniger kriminelle Jugendliche, ein Rückgang der Intensivtäter und weniger Gewalt: NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat am Montag die Kriminalitätsstatistik für 2012 vorgestellt. Dabei wird aber auch deutlich, dass es zwei Sorten von Verbrechen, bei denen die Fallzahlen spürbar ansteigen.

Düsseldorf.. Weniger Jugendkriminalität und Gewalttaten, aber mehr Wohnungseinbrüche und Straftaten am Computer – die NRW-Kriminalstatistik für das Jahr 2012 ergibt ein durchwachsenes Bild. Wohnungseinbrüche stellen die Polizei in NRW vor immer größere Probleme. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl erneut deutlich um 7,5 Prozent auf 54.170 Fälle.

Nur 13,8 Prozent davon konnten die Ermittler aufklären. Diese Quote hat sich gegenüber 2011 nicht verändert. In vier von zehn Fällen blieb es beim Einbruchsversuch, weil Riegel oder Alarmanlagen die Täter stoppen konnten. Im Jahre 2008 hatte die Polizei noch 38.000 Einbrüche in Häuser und Wohnungen registriert.

Polizei sieht ausländische Banden hinter Einbrüchen

Innenminister Ralf Jäger (SPD) macht vor allem internationale Diebesbanden, die über Ländergrenzen hinweg Straftaten begehen, für den Anstieg verantwortlich. Die Polizei habe im vergangenen Jahr 1850 ausländische Einbrecher gefasst – 35 Prozent aller ermittelten Täter. „Das ist die höchste Zahl seit über 30 Jahren“, sagte er.

Nach Angaben der Polizei wählen Tätergruppen für ihre Einbruchsserien große Städte aus, um Autobahnen als Fluchtweg nutzen zu können. Dabei gehen sie häufig mit brachialer Gewalt vor, indem sie beispielsweise Türen eintreten. Ihre Beute seien meist Bargeld und Schmuck. Die Polizei erfasste 2012 in NRW 1,52 Millionen Straftaten. Davon wurden wie im Vorjahr 49,1 Prozent aufgeklärt.

„Cybercrime ist die Kriminalität von heute“

Internet-Nutzer will die Polizei verstärkt über die Risiken aufklären. „Cybercrime ist die Kriminalität von heute“, so Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die Fallzahlen stiegen im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf 22.200.

Besonders bei Straftaten der Datenmanipulation und Computersabotage registrieren die Fahnder einen enormen Anstieg – um 175 Prozent auf 4100 Fälle. Dabei gehe es oft um – so Jäger – „digitale Erpressungen“ mit einer speziellen Schadsoftware. Die Täter blockieren den Zugriff auf den befallenen Computer und fordern eine Art Lösegeld, um ihn wieder freizuschalten. Jäger rät davon ab. „Zahlen ist sinnlos“, sagt er, „die Computer bleiben gesperrt.“

Jugendkriminalität – so wenig wie seit vier Jahrzehnten nicht

Verbessert hat sich der Trend bei Straftaten von Jugendlichen und Kindern. Von den 481.000 Tatverdächtigen insgesamt waren 115.000 unter 21 Jahre alt, also 23,9 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit vier Jahrzehnten. Die Entwicklung zeigt sich laut Jäger auch bei den jugendlichen „Intensivtätern“, die fünf oder mehr Straftaten pro Jahr begehen. Die Polizei ermittelte noch knapp 7000 solcher Mehrfachtäter, 1500 weniger als im Jahr zuvor.

Nach Jahren des Anstiegs sinkt auch die Gewaltkriminalität seit drei Jahren beständig – zuletzt um 1,7 Prozent auf 49.150 Taten. Der Rückgang bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen betrug 4,1 Prozent. Von diesen Delikten klären die Ermittler zwischen 70 und 80 Prozent auf. Bei Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag, einschließlich der Versuche, meldet die Polizei ein Minus von 15 Prozent auf insgesamt 425 Fälle.

Mehr Betrug, weil die Bahn mehr Schwarzfahrer anzeigt

Ähnlich wie bei den Einbrüchen sind auch bei Taschendiebstählen häufig internationale Banden aktiv. Jäger: „Sie schlagen vorwiegend im Gedränge der Großstädte zu.“ Gegen den Trend der Vorjahre registrierte die Polizei diesmal einen Rückgang um 17 Prozent auf 44.000 Fälle. Dagegen nahmen die Betrugsdelikte um 11,5 Prozent zu, vor allem weil die Deutsche Bahn viel mehr Schwarzfahrer anzeigt.