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Mehr als Klüngel

16.02.2010 | 19:28 Uhr

Eisenbügel werden geklaut und verhökert, am Beton wird gespart, die Protokolle sind offenbar gefälscht, und die Staatsanwälte spazieren bald täglich über die Baustellen. Man wähnt sich bei der Analyse für die Ursachen eines eingestürzten Krankenhauses in der Dritten Welt und ist in Wahrheit mitten in einem Bauskandal in Deutschlands viertgrößter Stadt.

Von Köln und seinen rheinischen Abgründen, die mit dem Begriff „Klüngel” so gern verniedlicht werden, ist man manches gewöhnt, der U-Bahn-Bau, von krimineller Energie regelrecht verseucht, erreicht noch einmal ganz neue Dimensionen. Dass die Bezirksregierung die Kölner Verkehrsbetriebe als Bauherr zunächst sogar mit der Bauaufsicht betraute, gehört zu den Treppenwitzen dieser unappetitlichen Geschichte. Selbstkontrolle reicht nicht aus. Noch dazu wenn das Unternehmen unter enormem Zeitdruck steht, um Zuschüsse von mehr als 500 Millionen Euro nicht zu verlieren.

Auf die Staatsanwälte kommt noch viel Arbeit zu, sie werden vor allem klären müssen, ob der Pfusch den Einsturz des Stadtarchivs am Ende nicht doch mit heraufbeschworen hat. Derweil blicken die Menschen mit berechtigter Sorge aufs Hochwasser. Da droht schon die Fortsetzung des Dramas.

Frank Preuß

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