Mehr als hundert Verletzte bei Gewalt in Kairo
12.10.2012 | 23:25 Uhr 2012-10-12T23:25:00+0200
Kairo. Bei Ausschreitungen auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind am Freitag mindestens hundert Menschen verletzt worden. Drei Monate nach dem Amtsantritt des neuen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi war es zu Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegner Mursis gekommen.
Der Machtkampf zwischen Präsident Mohammed Mursi und der ägyptischen Justiz hat am Freitag in Kairo zu den heftigsten Unruhen seit Mursis Wahl im Juni geführt. Anhänger und Gegner des Staatschefs lieferten sich auf dem Tahrir-Platz schwere Auseinandersetzungen. Hintergrund ist unter anderem der umstrittene Freispruch mehrerer ranghoher Beamte des gestürzten Staatschefs Husni Mubarak.
Augenzeugen zufolge eskalierten die Proteste, als Anhänger der Muslimbrüder eine Bühne zerstörten, die einer Gruppe gehörte, die Slogans gegen Mursi rief. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden mindestens 50 Menschen durch Steinwürfe verletzt. Einige Demonstranten zündeten laut Augenzeugen zudem zwei Busse an, mit denen die Muslimbrüder angereist waren.
Zusammenstöße auf dem Tahrir-Platz
Hunderte Menschen waren am Freitag einem Aufruf der Muslimbruderschaft gefolgt, gegen die Freisprüche von 24 Beamten der alten Führung unter Mubarak zu protestieren. Die Beamten waren am Mittwoch von Vorwürfen freigesprochen worden, für den Tod von Demonstranten auf dem Tahrir-Platz während des Aufstands gegen Mubarak Anfang 2011 verantwortlich zu sein.
Auf dem Tahrir-Platz stießen die Mursi-Anhänger auf liberale und säkulare Gruppen, die am Freitag gegen die Dominanz der Islamisten in der verfassungsgebenden Versammlung sowie gegen Mursis Regierungsstil protestierten.
Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena am Freitag berichtete, kündigte Mursi an, die freigesprochenen Beamten erneut vor Gericht zu bringen. „Wir werden diejenigen, die Verbrechen gegen die Nation begangen haben, niemals unbeachtet lassen“, sagte Mursi demnach in einer Ansprache in einer Moschee in Alexandria und fügte hinzu, die Verantwortlichen würden der Justiz vorgeführt.
Mursi wollte Generalstaatsanwalt Mahmud seines Amtes entheben
Mursi hatte am Donnerstag versucht, Generalstaatsanwalt Abdel Meguid Mahmud seines Amtes zu entheben. Zuvor war Kritik an Mahmud lautgeworden, er sei wegen mangelhafter Beweisführung für den Freispruch von Mubaraks Beamten verantwortlich. Mahmud steht aus Sicht der Kritiker noch immer auf Seiten der alten Führung.
Mahmud weigerte sich jedoch, sein Amt abzugeben. Der Chef-Ankläger erklärte am Freitag, er sei von Justizminister Ahmed Mekki und von Hossam al-Ghariani, dem Vorsitzenden der verfassungsgebenden Versammlung, zum Rücktritt gedrängt worden. Diese hätten ihn „direkt und indirekt bedroht“.
Einflussreiche Richter unterstützen Mahmud beim Verbleib im Amt mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit der Justiz. Ahmed al-Sind, Vorsitzender des sogenannten Klubs der Richter, sagte der Tageszeitung „Al-Ahram“, die Justiz stehe im „Namen des Rechts und des Prinzips der Gewaltenteilung“ auf Seiten Mahmuds. (afp/dapd)

20:25
Alle Kommentarschreiber, die hier meinen, kluge Dinge zu wissen, sollten sich unsere eigene Geschichte und die von Europa anschauen. Man könnte meinen, unsere Demokratie sei in 2 Wochen vom Himmelgefallen- dem ist nicht so. Es wird noch viele Demonstrationen in den arabischen Ländern geben, viele Verletze und vielleicht auch Tote. Die Menschen müssen lernen, mit ihrer erkämpften Freiheit umzugehen, müssen sie organisieren. Natürlich benötigt dies Zeit. Aber der Weg, den diese Länder eingeschlagen haben, ist der richtige Weg. Es gibt nichts Besseres, als die Demokratie.
09:23
Komisch wie sich die ges. "Jubelpresse" plötzlich wegduckt.
Wo sind denn die demokratischen Veränderungen? Wo ist denn der Schutz der Minderheitenrechte?
Das Gegenteil tritt ein, Islamisten und Salafisten treten die erhoffte Demokratisierung locker in die Tonne.
Die Frauen sollen mit der neuen Verfassung förmlich entrechtet werden.
Und der "Westen"? Dieser hat sich mal wieder der Unfähigkeit preisgegeben.
10:37
Demokratie setzt die Fähigkeit des Zuhörnes voraus. Das klappt schon bei unseren Politikern kaum, wie man in vielen Talkshows hören kann. Wie sollen Menschen das auf Anhieb schaffen, die seit Jahrhunderten gewohnt sind, nur die Dogmen anderer nachzuplappern?
#2
Genau so ist es.
09:40
So sieht er also aus: der arabische Frühling.
Wie naiv doch die westliche Presse war.
#1
Die westliche Presse ist weniger naiv als Sie hier immer wieder glauben machen wollen.
Glauben Sie denn im Ernst, dass ein solch gewaltiger Umbruch problemlos über die Bühne gehen kann? Wie naiv muss man dann erst recht sein, wenn man dies glaubt.
Sie sollten sich einmal unsere eigene Geschichte und die von Europa anschauen, dann wissen Sie, wie lange ein solcher Prozess mitunter dauern kann. Die Presse ist nicht naiv, Sie haben schlichtweg keine Ahnung.